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Auch meine Freiheit war über den Wolken grenzenlos

Von ehemaliges Mitglied Samstag 24.05.2025, 08:39

Als im Frühjahr des Jahres 1944 die Kinder der Schule meiner Schwester ihren Weg in die Kinderlandverschickung antraten, durfte auch ich als etwas über dreijähriger mit meiner Mutter als Begleitperson dorthin mitfahren. Es ging in den damaligen Ort Königsberg-Kreis Neumark auf das Rittergut Hanseberg.
Ich kann mich noch deutlich erinnern, wie großartig uns da ein Empfang bereitet wurde. Auf dem großen Gutshof, unter dem Vordach einer riesigen Scheune, wurden alle Kinder an einer ca. 40 m langen Tafel mit allem bewirtet, was in der Landwirtschaft so produziert wurde. Ich fühlte mich wie im Schlaraffenland. Es gab Würste und Schweineschmalz, auch Kuchen und Schmalz gebackenes. Dazu tranken wir Buttermilch und Sahne. Meine Schwester und ich stopften uns so voll, dass es uns danach schlecht wurde und wir die nächsten beiden Tage nichts mehr essen konnten.

Danach ging meine Schwester mit den anderen Kindern immer morgens nach Hanseberg in die Schule und ich trieb mich alleine auf dem Gutshof herum. Besuchte alle Stallungen und schloss Freundschaft mit allen Tieren. Natürlich ging ich auch in die Küche des Herrenhauses und genoss die Liebkosungen der weiblichen Angestellten sowie die Leckereien, die mir von den Küchenmädchen offeriert wurden. Dafür bedankte ich mich dann bei jeder von ihnen mit einem Kuss auf den Mund.

Ich hatte damals wohl schon ein ausgesprochen zielbewusstes Bedürfnis nach Körperwärme und Zuneigung entwickelt, denn ich machte keinen Unterschied zwischen Mensch und Tier.

Einmal beschäftigte ich mich mit einem Arbeitspferd so intensiv, dass ich allem Anschein nach dieser genervten Kreatur zu lästig wurde. Es setzte mir den rechten Huf auf die Brust und beförderte mich in einem eleganten Bogen auf einen dampfenden Misthaufen. Meiner Mutter, die aus dem Fenster im obersten Stock des Hauses, in dem wir wohnten, dem Geschehen zugesehen hatte, war der Ansicht, dass ich diesen Tritt nicht überlebt haben konnte. Also schlug sie Alarm und rief nach einem Arzt. Als sie, völlig aufgelöst am Ort des Geschehens, ankam, fand sie mich völlig unverletzt, das Pferd küssend und umarmend vor. Es hatte mich mit den Zähnen am Jackenkragen gepackt und wieder auf die Füße gestellt. Danach wurden wir beide die besten Freunde, und ich habe viel Zeit auf dem Rücken dieses Vierbeiners verbracht und mir die Welt von oben angesehen.
Ja, die Welt von oben ansehen schien schon damals ein heimlicher Wunsch in mir gewesen zu sein. Ein Wunsch, der sich noch vertiefter als im Herbst 1944 ein Flugzeug, eine Fi 156 beim Start von einer Wiese mit dem Fahrwerk an einem Weidezaun hängen blieb und beschädigt wurde. Als ich davon erfuhr bettelte ich meine Schwester an mit mir dorthin zu gehen damit ich mir diesen Fieseler Storch ansehen konnte.
Als wir dort ankamen und der unverletzt gebliebene Pilot meine Begeisterung wahrnahm setzte er mich auf den vorderen Sitz und ich konnte mir nicht nur alles ansehen ich durfte auch alles anfassen. Die in dieser Maschine von mir verbrachte Zeit muss wohl das Fundament für meine Affinität für die Fliegerei gelegt haben.
Wie oft habe ich später auf dem Rücken in einer Wiese gelegen mir die Wolken angesehen und davon geträumt selbst wie ein Vogel um diese weißen Berge herumfliegen zu können. Es mussten noch viele Jahre vergehen bevor ich es schaffte mir diesen Traum zu erfüllen. Dann bin ich immer wieder mal nur deswegen gestartet, weil so wunderschöne große Cumulonimbus
Wolken am Himmel standen um die ich herum und auch hindurch fliegen konnte.
Ja, ich kann wirklich mit Recht sagen, dass die Freiheit über den Wolken grenzenlos ist…



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