Bobos Weihnachten
Von
cinque
Mittwoch 10.12.2025, 10:20
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Mein Name ist Bobo, ich bin ein Familienhund, ich stehe der Familie Schulze vor, Vater, Mutter und Hannes. Über die Familie kann ich nicht klagen. Nur in der Weihnachtszeit ist die ruhige, beschauliche Art meines Rudel vorbei, es herrscht nur noch Hektik. Ich gehe lieber aufs Sofa.
Richtig zum Dösen komme ich nicht. Heute ist Backtag, und da ziehen so wunderbare Gerüche durch's Haus. Ich wollte doch nur mal nachsehen, was da so duftet. So schnell bin ich noch nie aus der Küche geflogen, so rabiat war Frauchen noch nie. „Hau ab, doofer Köter“ hat sie gesagt. Der kleine Hannes darf natürlich bleiben, „helfen“ nennt sich das , naja.
Bleche mit Keksen werden gebacken. Herrchen bekommt einen Teller mit Bruch, teilen wir uns auf dem Sofa. Später werden unsere Kekse in bunte Tüten mit Bindeband und Anhängsel verpackt, und der kleine Hannes wird damit zu den Nachbarn geschickt, ich durfte mit, das war fein. Die Nachbarn freuten sich, als hätten sie noch nie Kekse gegessen. Weil alles so nett war und Hannes so ein Lieber, die wissen gar nicht wie der in Wirklichkeit ist, haben wir viele Dankeschönchens bekommen. Mir war nach dieser Kekstour richtig schlecht. Menschen sind schon merkwürdig, besonders in dieser Zeit.
Ich weiß aber aus den Vorjahren, es wird besser, viel besser. Geduld ist gefragt. Ich werde mich an Herrchen orientieren, der stört auch. Wir Männer haben es in dieser Zeit nicht leicht. Liebes Rudel, einen Weihnachtswunsch habe ich. Ich möchte nicht wie im vergangenen Jahr zum Weihnachtstier mit Geweih werden. Ich höre noch: “Guck mal der Bobo als Rentier, ist ja niedlich“: Es war nicht niedlich, es war erniedrigend, damit Gassi gehen zu müssen. Ich habe mal einen Kumpel mit roter Weihnachtsmütze getroffen, das ging noch. Bitte, bitte kein Geweih.
Gestern ist der Weihnachtsbaum gekommen, liegt im Netz auf der Terrasse. Ganz wichtig, markieren. Dann endlich Baum rein, Netz ab, Zweige raus, mein Baum, mein Innenklo. Zum Weihnachtsfest habe ich dann ein Innenklo mit Beleuchtung. Einmal im Jahr Luxus pur, Weihnachten ist eine irre Zeit.
Und dann die Weihnachtsgans. Das ist eine feine Sache, erst der Duft, dann der Genuß. Jedes Jahr zum Fest kommt Onkel Herbert, mit ihm beginnt mein Weihnachten. Der mag mich und ich ihn. Wenn ich ihm vor Aufregung aufs Knie sabbere, regt er sich überhaupt nicht auf. Für mich fällt immer reichlich ab.
Die Tage mit Onkel Herbert sind meine Weihnachtstage. Frauchen ist mit den Nerven am Ende, Herrchen fühlt sich gar nicht wohl, mit Onkel Herbert bekämpft er Schluck für Schluck das üppige Essen. Ich habe keine Probleme mit der Weihnachtsgans.
Frauchen sagt, zu Weihnachten sitzen drei Dickies auf dem Sofa. Leute, laßt uns diese Tage genießen, die mageren Zeiten kommen von selbst.