Das Lied des Teiches
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Feierabend-Mitglied
Donnerstag 14.08.2025, 11:35
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Im Herzen einer grünen Wiese, versteckt zwischen Schilf und Seerosen, lag ein kleiner Teich. Von außen wirkte er still, doch in seinem Wasser und an seinen Rändern pulsierte Leben.
Früh am Morgen, wenn die Sonne die ersten goldenen Strahlen über die Wasseroberfläche legte, erwachten seine Bewohner. Die Frösche stimmten ihr morgendliches Quaken an, jeder auf seiner eigenen Seerosenbühne. Libellen surrten flirrend darüber hinweg, ihre Flügel glitzerten wie bunte Glasfenster im Licht.
Unter Wasser schlängelten sich kleine Fische durch dichte Algenwälder. Sie spielten Verstecken zwischen den Steinen, während die Wasserschnecken gemächlich über die Pflanzen glitten. Ein alter Karpfen, den alle nur „Onkel Silberflosse“ nannten, zog trägen Kreisen nach – er kannte jeden Winkel des Teiches und hörte geduldig zu, wenn die jüngeren Fische ihm von ihren Entdeckungen erzählten.
Am Schilfufer hatte eine Entenfamilie ihr Nest nahe dem Wasser gebaut. Jeden Tag führte die Entenmutter ihre Küken im Gänsemarsch – oder vielmehr im „Entenmarsch“ – durch das Wasser, während sie ihnen beibrachte, wie man sicher zwischen Seerosenblättern navigierte und nach kleinen Insekten schnappte.
Die Jahreszeiten brachten ihre eigenen Geschichten. Im Frühling kamen winzige Kaulquappen zur Welt, die im warmen Wasser heranwuchsen. Im Sommer stand der Teich in voller Blüte, umrahmt von summenden Bienen und flatternden Schmetterlingen, die sich an den Blüten des nahen Ufers labten. Im Herbst spiegelten sich bunte Blätter wie schimmernde Gemälde auf der Wasseroberfläche. Und im Winter ruhten die meisten Bewohner in tieferen, wärmeren Wasserschichten, während das Eis leise knisterte, wenn sich die Sonne darauf legte.
Eines Abends, als die Sonne tief im Westen stand und der Himmel in rosa und goldene Farben getaucht war, kam der Wind auf und ließ sanfte Wellen über die Oberfläche tanzen. Alle Geräusche – das Zirpen der Grillen, das leise Platschen eines Frosches, das Rascheln des Schilfs – verbanden sich zu einer einzigen, sanften Melodie. Es war das Lied des Teiches, eine ewige Symphonie aus Leben und Frieden.
Für Fremde war er nur ein kleiner Teich. Für die, die dort lebten, war er eine ganze Welt.