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Die Anklage, oder das Mobbing

Von Feierabend-Mitglied Donnerstag 30.10.2025, 19:46

In einem fernen Königreich lebte ein Müller namens Aron, der bekannt war für sein ehrliches Herz und seine geschickten Hände. Eines Tages kam ein Bote des Königs mit einer ernsten Nachricht: Aron solle Gold gestohlen haben, das für das Waisenhaus bestimmt war. Niemand wusste, wer das Gerücht gestreut hatte, doch im Dorf tuschelten die Leute, als wäre es längst bewiesen.

Aron versuchte, seine Unschuld zu erklären, doch jede seiner Antworten schien nur neue Zweifel zu säen. „Wenn du wirklich unschuldig bist“, sagten die Dorfbewohner, „dann beweise es!“ Aber wie beweist man, dass man etwas nicht getan hat?

Verzweifelt wanderte Aron in den Wald, wo er einer alten Frau begegnete, die man die Wahrseherin nannte. Sie reichte ihm einen Spiegel aus Wasser und sagte: „In diesem Spiegel kannst du die Wahrheit nicht sehen – doch du kannst zeigen, wie du ihr vertraust.“

Am nächsten Morgen erschien Aron vor dem König. Statt sich zu verteidigen, stellte er den Spiegel aus Wasser auf den Tisch. „Majestät“, sagte er ruhig, „dieser Spiegel zerbricht, wenn eine Lüge gesprochen wird. Und dennoch rede ich.“ Kein Tropfen bewegte sich. „Weil Wahrheit still bleibt, wenn sie nicht angegriffen wird“, erklärte Aron. Der König sah in den Spiegel und erkannte sein eigenes Gesicht – gezeichnet von Zweifeln über die Gerechtigkeit seines Reiches.

Die Anschuldigung wurde fallengelassen. Die wahren Diebe, von Arons Ruhe verwirrt, verplapperten sich bald selbst. So lernte das Königreich, dass Wahrheit nicht immer laut ruft, aber stetig bleibt wie ein klares Wasser. Und Aron kehrte zu seiner Mühle zurück – reicher an Vertrauen, aber auch an Wissen, wie zerbrechlich die Gerechtigkeit sein kann, wenn Worte stärker wiegen als Beweise.

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