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Die Feieritis

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 26.11.2025, 18:38

Die Feieritis



Herr Meier war nicht nur Feiermuffel, er war Winter‑Feiermuffel. Sobald der erste Christkindlmarkt öffnete, andere „Glühwein!“ riefen und Lichterketten die Stadt in ein romantisches Funkeln tauchten, griff er nach Schal und Mütze – allerdings, um sich damit sicher auf dem Sofa zu verbarrikadieren. Für ihn roch der Advent weniger nach Zimtsternen als nach drohenden Wichtelspielen im Großraumbüro.

Seine Kolleginnen schwärmten wochenlang vom „gemütlichen gemeinsamen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt“. Gemütlich bedeutete für Herrn Meier: draußen, kalt, klebriger Glühwein in Pappbechern und jemand ruft garantiert „Jetzt alle auf drei: Last Christmas!“. Er meinte ernsthaft, das Gesundheitsamt müsse vor übermäßigem Einsatz von Weihnachtsmusik warnen. Stattdessen schlug er vor, man könne den Teamgeist doch auch in einer stillen Bibliothek stärken.

Schließlich wurde er überstimmt. „Dieses Jahr kommst du mit, basta!“, hieß es. Also stand er an einem Dezemberabend inmitten eines Menschenteppichs zwischen Bratwurstduft, Dekoschnee und blinkenden Rentier‑Mützen. Während andere wohlig fröstelten und „Ach, ist das schön hier!“ seufzten, dachte er in Schichten: Oberschenkel kalt, Füße taub, Geduld eingefroren. Seinen ersten Becher Glühwein nutzte er vor allem als Handwärmer.

Als Höhepunkt des Abends hatten die Kollegen eine „lustige Weihnachts-Fotoaktion“ geplant: Rentiergeweih aufsetzen, Glitzerschal umhängen, ins Handy grinsen. Herr Meier weigerte sich standhaft, bis ihm jemand erklärte, das Foto lande im Intranet-Adventskalender. Der Gedanke, 24 Tage lang als „Rentier Meier“ über die Bildschirme des Unternehmens zu hoppeln, ließ ihn schließlich doch das Geweih aufsetzen – mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der innerlich eine Kündigung formuliert.

Auf dem Heimweg, die Finger wieder aufgetaut und der letzte Hauch Zimtduft aus dem Mantel gelüftet, stellte er fest: So furchtbar war es gar nicht gewesen. Es gab einen ehrlichen Lachanfall, als der Chef sich beim Versuch, eine gebrannte Mandel zu teilen, die Zuckerschicht aufs Sakko krümelte. Und irgendwer hatte ihm ungefragt eine Tüte Lebkuchen in die Hand gedrückt. Für einen eingefleischten Winter‑Feiermuffel war das schon fast festliche Stimmung. Aber seine liebste Art, die Jahreszeit zu feiern, blieb doch die gleiche: ein Tee, eine Decke, ein leiser Abend – ganz ohne Glühwein, aber mit der tiefen Zufriedenheit, dass draußen die anderen das Feiern übernehmen.

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