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Die Geschichte von Desira und Fiete

Von cinque Freitag 26.09.2025, 16:03

GLÜCK ist ein so schönes Thema.
Ich weiß, was Glück bedeutet, ich weiß, wie sich Glück anfühlt, Glück hat einen ganz besonderen Geruch, eine besondere Sprach. Mein Weg zum Glück allerdings war ein langer Weg, aber ich habe es gefunden.
Mein Name ist Desira. Ich hatte ein schweres Leben auf den Straßen Rumäniens, ich kannte nur Angst, Hunger und Gewalt. Männer jagten mir Angst ein. Eines Tages wurde ich eingefangen und kam in die Tötungsstation Alba-Lulia zu vielen anderen Verzweifelten. Die Tage in der Tötungsstation waren alle gleich – Hunger, Kälte, das panische Gebell, das Klirren von Metalltüren, der scharfe Ton von Stimmen, die nichts Gutes verhießen. Die Männer, die hier ein- und ausgingen, bedeuteten Schläge, Tritte, rohe Hände, die packten und wegzerrten. Ich habe mich immer ganz klein gemacht, ich wollte unsichtbar sein.
Doch eines Tages kamen andere Menschen. Sie rochen anders, sie sprachen leise, knieten sich hin, hielten ihre Hände offen. Ich verstand das nicht, ich zitterte vor Panik. Doch dann spürte ich sanfte Hände, ein beruhigendes Streicheln. Ich weiß nicht mehr, was alles mit mir und um mich herum geschah. Aber dann wurden ich und andere in Transportboxen gesetzt. Wir wußten nicht, wo wir hingebracht wurden, ob etwas Schlimmes auf uns wartet. Nach 40 Stunden war die Fahrt zu Ende. Die Türen öffneten sich, fremde Geräusche, fremde Gerüche. Ich wurde behutsam auf die Beine gestellt, ich bekam Wasser und machte vorsichtig und zitternd die ersten Schritte. Ich verstand nicht, was man von mir wollte, ich fürchtete mich. Aber da war er, der große graue Hund Fiete. Er schnüffelte kurz an mir, knurrte leise und drehte sich um. Die ersten Tage waren schwer, aber der ruhige, bedächtige Fiete war da. Wenn er sich hinlegte, wagte ich es, mich in seiner Nähe zusammenzurollen.
Fiete liebte alle Menschen, und alle Menschen liebten Fiete. Das kann ich nicht, ich bleibe immer hinter ihm, sicher ist sicher. Es dauert lange, Vertrauen wächst langsam. Ich mußte lernte, daß Hände nicht nur Schmerz und Gefahr bedceuten, sondern Wärme und Zuneigung bringen. Und dann bringen sie noch etwas ganz Tolles, Leckerlies. Ich habe schnell von Fiete gelernt, wo die Leckerlies hier liegen, oben auf einem Ofen, tütenweise, und wir kommen nicht ran. Da sitzen wir nun und starren den Ofen an. Ich bin schon richtig mutig geworden. Ich laufe mit Fiete nach vorn an den Zaun, wenn der Postbote kommt. Dann rennen wir beide hin und her auf Jagd nach Leckerlies, als ob wir kurz vor dem Verhungern sind. Streicheln darf mich der nette Mann aber noch nicht, da ducke ich mich weg, Fiete kennt da nichts. Mein Mensch sagt, Fiete ist 'ne Rampensau. Allein in den Garten gehe ich nicht, da habe ich noch Angst. Auf den Stufen vor der offenen Haustür, da sitze ich gern, da überblicke ich den Park und kann Fiete Bescheid sagen, wenn andere Hunde kommen. Das Schönste aber in meinem neuen Leben ist, wenn der eine Mensch morgens das Haus verläßt, dann krabbel ich in das noch warme Bett, kuschel mich so richtig ein, finde noch Kekskrümel, der Mensch ißt nämlich abends immer Kekse im Bett. Daß es so ein schönes Leben gibt, hätte ich nie gedacht. Ich bin im GLÜCK angekommen.

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