Die kleine Notlüge
Von
cinque
Dienstag 20.01.2026, 10:52
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Die kleine Notlüge – Eine Ehrenrettung
Ich freue mich, heute hier sein zu dürfen. Ich bin die kleine Notlüge.. Elegant, unauffällig, mit einem Hauch von Charme und einem feinen Gespür für heikle Situationen. Ich bin nicht laut, nicht aufdringlich – aber wenn es brenzlig wird, bin ich zur Stelle, ein emotionaler Rettungsschirm, oder ein diplomatischer Schutzengel in Turnschuhen. Meine Mission? Frieden stiften. Ich glätte Unmutsfalten, verhindere Misstrauen, dämpfe aufkommenden Ärger. Ich passe die Wahrheit den Gegebenheiten an – mit kleinen Ausreden, hübschen Beschönigungen, charmanten Umdeutungen und schnell gezückten Schutzbehauptungen. Ich bin rund um die Uhr im Einsatz. Einige von uns nennen das "anstrengend", ich nenne es „notwendig“.
Klassiker aus meinem Repertoire? - Die gute alte Migräne. Altbewährt, immer aktuell. Kopfschmerz schlägt Kaffeekränzchen. -
"Ich hab' den Bus verpasst. Natürlich war man wach – aber wer gibt schon gern zu, dass der Wecker ignoriert wurde? -
"Ich wäre so gern mit euch zur Wanderung gekommen, aber… meine Hüfte!" Hüfte Rüdiger wartet beim Cappucino im Cafe.
Und dann – der unbestrittene Champion meiner kleinen Helferlein: Das Funkloch. Ein Phänomen, das wie ein unsichtbarer Mantel wirkt. "Ich wollte dir schreiben – aber plötzlich war das Netz weg!"
Ein Klassiker: Akku leer. immer gut. Könnte sein, könnte nicht sein. Funktioniert immer.
Und die ständigen Baustellen und Umleitungen, da verirrt sich Mann ganz leicht ins Runde Eck zu seinen Kumpeln.
Es gibt allerdings Grenzen Gegen die Schwiegermutter-Fraktion zum Beispiel – besonders, wenn sie besser kocht als die Ehefrau – da komme ich an meine Grenzen. Da hilft kein Augenaufschlag, keine noch so kunstvolle Ausrede. Manchmal endet so etwas tragisch. Es gibt da diese Geschichte… mit einem tödlichen Spargelschäler… aber lassen wir das.
Alibis? Ja bitte – aber mit Stil! Ich liefere keine falschen Tatsachen, aber ich unterstütze das kleinen, prickelnden Abenteuer als Alibi für ein Date. Mein Spezialgebiet! „Ich muss länger im Büro bleiben… ein Meeting… du weißt schon.“ Und ich nicke dazu freundlich verstehend.
Höhere Gewalt? Nicht mein Revier. Naturkatastrophen, Kriege, Pandemien – das ist großes Kino, da sind wir nicht zuständig. Aber im Alltag? . Wenn Enkel Nummer 5 eine Mathe-Arbeit in den Sand gesetzt hat, dann war es höhere Gewalt! Und ich lächle milde. Die Aufgaben waren wirklich gemein. Fast schon unmenschlich. Wahrscheinlich von Außerirdischen geschrieben. Ich sag’s ja nur.
Mein Fazit? Ich kann nicht die Welt retten. Ich will sie erträglicher machen. Ich bin loyal, diskret und ein bisschen frech. Ich bin da, wenn’s unangenehm wird. Ich bin die kleine Notlüge. Ihr habt mich gebraucht. Ich hab’ geholfen. Die Konsequenzen? Die müsst ihr schon selbst tragen.