Die Liebe
Von
cinque
Freitag 21.11.2025, 14:04
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Ach, was wurde nicht alles über sie geschrieben, gesungen, geweint und geschwiegen. Sie ist da, wo man sie nicht erwartet, und fehlt manchmal dort, wo man sie am meisten braucht. Sie ist mal laut und stürmisch, mal leise und sanft – und stets ein wenig geheimnisvoll. Denn die Liebe hat viele Gesichter.
Das Kind liebt seinen Teddy. Für das Kind ist alles noch neu. Die Welt ist groß, und manchmal auch ein bisschen unheimlich. Doch da ist der Teddy – mit Knopfaugen und einem leichten Riss an der Pfote. Aber das macht nichts. Im Gegenteil: Gerade das macht ihn besonders. Der Teddy ist immer da. Er hört zu, ohne zu urteilen. Er hält still, wenn das Kind ihn umklammert – bei Gewitter, Albträumen oder wenn die Welt draußen zu viel ist. Das Kind liebt bedingungslos. mit offenem Herzen und klebrigen Fingern.
Der Jüngling sucht die Liebe. Er steht am Rand des Lebens, mit einem Herz, das schlägt Bum-Budi-Bum-Budi-Bum Der Jüngling weiß noch nicht genau, was Liebe ist – aber er weiß, dass er sie will. Unbedingt. Er schreibt Gedichte, er wartet auf Blicke, die länger als gewöhnlich dauern, und auf ein Lächeln, das vielleicht mehr bedeutet. Die Liebe ist für ihn ein Versprechen – groß, leuchtend, vielleicht ein bisschen kitschig. Aber ehrlich.
Der Mann dagegen liebt sein Auto. Jetzt ist die Liebe praktischer geworden – aber nicht weniger tief. Das Auto glänzt, schnurrt wie ein glückliches Tier, und es gehorcht auf’s Wort. Der Mann wäscht es mit Hingabe, poliert es sonntags, spricht manchmal sogar mit ihm. Es ist Freiheit auf vier Rädern, ein Rückzugsort, ein Stück Identität. Er würde es nie zugeben, aber manchmal klopft er beim Aussteigen kurz aufs Dach – wie einem guten kumpel. Und wehe, jemand setzt sich mit schmutzigen Hosen auf die Ledersitze.
Die Frau liebt ihre Pflanzen. Jede hat einen Namen, jede einen eigenen Platz am Fenster. Die Frau weiß, wann sie wie viel Wasser brauchen, wann sie umgetopft werden müssen. Die Liebe zu den Pflanzen ist still, geduldig und von großer Aufmerksamkeit. Sie spricht mit ihren Pflanzen. Die Liebe wächst langsam, aber stetig. Und wenn eine Pflanze blüht – oh, dann ist das wie ein kleines Liebesgedicht in Grün.
Die Großeltern lieben den Sonntag. Nicht, weil er besonders aufregend wäre – sondern weil alles so vertraut ist. Kaffee, der Duft von Apfelkuchen. Ein Spaziergang, bei dem die Zeit keine Rolle spielt. Die Liebe der Großeltern ist eine, die nichts mehr beweisen muss. Sie ist da – wie ein bequemes Sofa, das schon viele Geschichten gehört hat. Ein leiser Blick, ein warmes Lächeln, ein gedeckter Tisch.
Da ist allerdings noch etwas. Der Opa liebt die Sportschau, die Oma weniger. Die Oma liebt ihr Damen-Kaffeekränzchen, Kränzchen mit Herta, Martha, Ella und Inge und dem „Habt iht schon gehört“.
Der Hund liebt seinen Menschen ohne Bedingungen, ohne Fragen. Der Hund liebt nicht weil, er liebt trotzdem. Trotz schlechter Laune, trotz zu kurzer Spaziergänge, trotz vergessener Leckerlies. Er freut sich mit dem ganzen Körper, als wäre jeder Tag Geburtstag. Und wenn der Mensch traurig ist, legt er den Kopf auf seine Knie – wortlos, aber mit mehr Gefühl als tausend Gedichte.
Die Liebe ist nicht nur ein Gefühl zwischen zwei Menschen. Sie ist eine Haltung. Eine Art, die Welt zu sehen. Die Freude an einem Sonnenstrahl. Das Staunen über einen Sternenhimmel. Die Rührung bei einem alten Lied. Liebe ist nicht nur ein großes Wort. Sie ist ein ganzes Alphabet – vom A wie Apfelkuchen bis zum Z wie Zeit füreinander. Man findet sie im Teddy, im Blick, im Blumentopf, im leisen Verstehen. Und manchmal – ganz unerwartet – findet sie uns.