Die Pfütze
Von
tastifix
Donnerstag 29.05.2025, 15:20 – geändert 01.06.2025, 18:27
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tastifix
Donnerstag 29.05.2025, 15:20 – geändert 01.06.2025, 18:27
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Wochenlang blieb der Regen aus, ich goss die Pflanzen manchmal sogar zweimal am Tag und trotzdem ließen sie frustriert die Blütenköpfe hängen. Ich schimpfte:
“Stellt Euch nicht so an. Mehr als Euch hier wirkliche Sturzbäche aus der Gießkanne zu spendieren kann ich nicht machen!!“
Nein, sie stellten sich stur und schienen zu sagen:
„Das sollen Sturzbäche sein, diese Rinnsale?“
Sie hatten Glück, dass ich erstens sehr geduldig bin und zweitens sie im Garten nicht missen wollte. Sonst hätte ich sie eventuell noch etwas dürsten lassen. Klar, dann nicht zu lange …
Jeden Tag musterte ich die großen Dachfenster meines Schlafzimmers.
„schon wieder nichts!“
Seufzend stand ich auf. Der Blick auf den zunehmend gelblicheren Rasen nervte mich:
„Entweder, in den nächsten Tagen plätschert es kräftig oder ich guck besser nicht mehr hin. Ist ja schon fast ´ne Wüstenlandschaft!“
Ich nahm mir vor, das Ganze gelassener zu sehen und mich besser wieder anderen Dingen zuzuwenden, die denn doch weitaus wichtiger waren. Vermied den kritischen Blick aufs einstig Grüne, erledigte die alltäglichen Pflichten wie auch die, die sich noch zusätzlich ergaben.
"Auch die gehören zum Leben!“
So überprüfte ich sicherheitshalber die nächst anstehenden Termine und stellte fest, wie sehr ich mich auf jene doch freute: Zuerst zur Haus-, danach zur Zahn- und dann noch zur Augenärztin.
„Na ja, ausbleibender Regen bietet ja auch ´nen winzigen Vorteil: Muss keinen Schirm mitschleppen!"
Wahrlich extrem fröhlich begab ich mich auf diese Rundreise, kehrte denn doch sehr zufrieden zurück, befragte nochmals den Terminkalender und atmete auf.
„Cool! Mindestens drei Monate Pause!“
Darum von solch wichtigen Überlegungen befreit, grübelte ich prompt wieder wegen des fehlenden Regens. Aber nicht nur ich: Wir hatten fast kein anderes Gesprächsthema mehr. Etwa so:
„Morgen! Du, heute Nacht ists wieder trockden geblieben!“
„Biat Du Dir sicher?“
„Wie?? Ich weiß allerdings noch, wie Regentropfen ausschauen!“
„Hm, auf meiner Schlafzimmerfensterscheibe sah es aus, als ob doch ... ?“
„Nee, das waren bestimmt noch Tropfenspuren von vor sechs Wochen. Hast ja nicht zwischendurch geputzt!“
Keine Antwort war ja auch eine.
Dann folgte der Tag, der alles verändern sollte. Statt uns gegenseitig zu informieren, ob es oder ob es denn doch immer noch nicht … War jenes Thema plötzlich erledigt und wir regten uns ersatzweise über die Politik auf. Aber, wieso das denn auf einmal? Tja, zu solch krassem Themenwechsel kam es, weil es nämlich von oben geschüttet hatte und zwar dermaßen beeindruckend laut, dass ich mehrerer Stunden Tiefschlafes verlustig gegangen war. Mich aber darüber jetzt negativ zu äußern wäre unfair dem Regen beziehungsweise eher noch Petrus gegenüber gewesen, der ja endlich ein Einsehen bewiesen hatte. Dagegen entschied ich, mich besser über die kleinen Seen ums Haus herum und auch auf den Straßen zu freuen:
"Hach, endlich! Wurde aber höchste Zeit!“
Anderntags hatte sich die Euphorie wieder gelegt:
„Möönsch, so ein Mistwetter! Und kühl geworden ists obendrein. Der reine April!“
Noch einen Tag später traute ich den Ohren nicht. Ja, ich hätte nie für möglich gehalten:
„Tut ja richtig gut, diese Kühle! Ein Spaziergang jetzt wäre doch nicht schlecht, oder?“
Ich grübelte:
„Meint er das jetzt etwa ernst?“
Ja, sogar extrem ernst.
„Hach, wirkt ja fast romantisch, die Düsseldorfer Seenplatte!“
„O ja“, entgegnete ich. „Besonders der schlammige Boden um die Pfützen herum!“
“Pfützen stören mich nicht weiter!“
„Acnnee!“, entfuhr es mir.
„Nein!“, bekam ich zu hören. „Dir würd ich jedoch raten, hohe Regenstiefel zu tragen. Sonst bist dann durchnässt von oben bis unten!“
Ich dachte, ich hätte mich verhört. Jahaah, das hatte ich davon, dass ich relativ klein bin, nur 1.61m hoch.
Der Spaziergang wurde denn doch noch ganz amüsant. Weder rutschte ich im Schlamm aus und in den Pfützenfluten versank ich erst recht nicht. Vor Letzterem bewahrte mich denn eine von ihm so sehr fürsorglich spendierte Rettungsweste.