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Die Serviette

Von tastifix Donnerstag 05.09.2024, 08:40 – geändert Dienstag 17.09.2024, 04:50

"Mama, das macht man nicht!"
Ich war doch sehr erstaunt.
"Wie, schützt man seine Kleidung nicht mehr?"

Anscheinend hatte ich den Knigge übelst missachtet, indem ich jenes Tüchlein der Tischmanierenetikette - oftmals viel zu klein bemessen, um überhaupt seinen Zweck erfüllen zu können - mir auf den Schoß gelegt hatte.
"Ist mir egal! ich will keine Flecken auf meiner weißen Hose!"
"Mama, man kleckert eben nicht!"
"Kleines", meinte ich etwas ironisch zu meiner Ältesten, die, wohl dem jetzigen Knigge Gehorsam leistend, ihre Serviette neben dem Teller liegen ließ und deutete auf jenen elegant gefalteten Grund unserer Diskussion.
"Hübsche Deko!"
Daraufhin bemühte sie sich, fast verzweifelt ob ihrer unkundigen Mutter, mir nachsichtig die neuen Regeln näher zu bringen.
"Die Serviette ist dazu da, um sich nach Beendigung der Mahlzeit den Mund abzuputzen! ... "
" ... und meine, um zuvor zu verhindern, dass ich, habe ich zum Beispiel Tomatensoße genossen, danach statt mit einem weißen Outfit dann rotweiß gesprenkelt herumlaufen muss!"

Hm, unsere interessante Unterhaltung stockte, denn das Essen wurde serviert. Sehr schön angerichtet und mit ganz viel leckerer Bratensoße. Die erwies sich als dermaßen wohlschmeckend, dass wir Beide uns vornahmen, möglichst wenig davon auf dem Teller zurückzulassen. Amüsiert beobachtete ich meine Tochter, deren Serviette brav neben dem Teller lag im Gegensatz zu meiner, die ich trotzig auf dem Schoß hatte verweilen lassen.

Der kulinarische Genuss neigte sich sich dem Ende zu. Aber noch immer zierte Soße den Teller. Es erfordert echtes Talent, sie per Gabel in den Mund zu befördern. Es war fast vollbracht, da guckte meine Tochter plötzlich sauer:
"Ochnee!"
Und eilte, in der Hand ihre weiße Serviette, gen ´Damen`. Bis ich sie wiedersah, dauerte es ziemlich lange. Immer noch beleidigt drein schauend, meinte sie gespielt souverän:
"Der Flecken geht nicht raus. Macht nichts. Die Hose steck ich in in die Waschmaschine!"
"Schau mal!", grinste ich und zeigte auf die meinige.
Kein unerwünschter Schmuck, nichts. Selbst mein Benimm -Tüchlein hatte keinen Klecks abbekommen.
Meine Tochter schwieg sich lieber dazu aus.

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