Ein Mann mit vielen Talenten
Von ehemaliges Mitglied Mittwoch 07.08.2024, 09:29
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von ehemaliges Mitglied Mittwoch 07.08.2024, 09:29
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Zu seiner Zeit war er ein berühmter Trickbetrüger und sein Name war Victor Lustig.
Er kam am 4. Januar 1890 in Hosttinné in Tschechien zur Welt. Seine Familie zählte zum gehobenen Bürgertum und ihm wurde eine gute Ausbildung zuteil, sodass er mindestens fünf Sprachen beherrschte und sich in gehobenen Kreisen zu bewegen verstand. Seine besondere Gabe aber war seine kriminelle Energie, die ihn nicht nur ein abwechslungsreiches Leben und viel Geld, sondern auch, am 5. Dezember 1935 eine 15-jährige Haftstrafe in San Francisco im Zuchthaus Alcatraz einbrachte.
Dort starb er am 9. März 1947 an einer Lungenentzündung.
Im Mai 1925 startete er in Paris einen Betrug, der ihn letztlich berühmt machte.
Er hatte in der Zeitung etwas über den langsamen Verfall des Eiffelturms gelesen, der zur Weltausstellung gebaut wurde, aber im Jahre 1909 wieder abgerissen werden sollte. Viele Pariser Bürger waren der Ansicht, dass dieses Eisengebilde nicht ins Stadtbild passe und so wurde der Turm schlecht gepflegt. Die Abrissbefürworter waren auch 1925 noch nicht verstummt, als Lustig sich als stellvertretender Generaldirektor des Postministeriums ausgab und eine Ausschreibung fälschte, die den Eiffelturm zum Verkauf anbot.
Er verschickte Einladungen zu Verkaufsverhandlungen an sechs Pariser Schrotthändler und bat sie um ein vertrauliches Treffen im prestigeträchtigen Hôtel de Crillon an der Place de la Concorde, das als bekannter Treffpunkt von Diplomaten und Politikern eine gute Tarnung bot. Alle sechs Händler erschienen zum Termin. Lustig erklärte den Interessenten, dass sie aufgrund ihrer Reputation als ehrliche Geschäftsleute ausgewählt worden seien. Anschließend führte er aus, dass der Eiffelturm abgerissen und als Schrott verkauft werden solle. Aufgrund der zu erwartenden öffentlichen Diskussion wolle er die Gespräche zunächst vertraulich führen, bis alle Fragen geklärt seien. Er führte die Schrotthändler zum Turm, um ihr Verhalten und ihr Interesse einzuschätzen. Anschließend erklärte er, dass er Gebote bis zum folgenden Tag erwarte. Zu diesem Zeitpunkt war ihm bereits klar, dass er den Handel mit André Poisson abschließen würde, einem unsicheren Mann, der sich vom Kauf des Eiffelturms den Aufstieg in der Pariser Geschäftswelt erhoffte. Die Unsicherheit Poissons war gleichzeitig auch eine Gefahr für den Plan, denn dessen Frau schöpfte Verdacht. Um dieses Risiko auszuräumen, setzte Lustig ein weiteres Treffen an. Dort wechselte er das Thema, wurde vertraulich und erzählte Poisson, wie schlecht er als Beamter verdiene und dass er sein Einkommen gern aufbessern würde. Poisson war mit korrupten Staatsangestellten vertraut. Er verstand sofort, dass Lustig ein Schmiergeld zu fordern schien. Dies überzeugte ihn letztlich von der Echtheit des Angebots.
Lustig gelang es, mit Poisson einen Kaufvertrag über den aus etwa 7000 Tonnen Eisen bestehenden Turm abzuschließen. Im Gegenzug erhielt er mindestens eine Million damaliger Francs (teilweise als Bestechungsgeld, teils als Anzahlung), tauchte nach Abschluss des Handels unter und setzte sich nach Wien ab. Als Poisson den Schwindel bemerkte, zog er es aus Scham vor, den Betrug nicht bei der Polizei anzuzeigen. Gegen alle Erwartungen fand Lustig in den Zeitungen keine Meldung über den Betrug und versuchte nach einem Monat, ihn zu wiederholen. Der zweite Käufer schöpfte jedoch Verdacht und ging zur Polizei, woraufhin Lustig in die Vereinigten Staaten floh.
Aus meinen eigenen Erinnerungen im Internet recherchiert.