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Handy-Oldtimer auf der Zielgeraden

Von tastifix Dienstag 21.04.2026, 09:25

Jeden Tag das gleiche Ritual:
Nach dem Aufstehen streichele ich mein Handy, wünsche ihm mit einem zärtlichen Druck auf ´on` einen guten Morgen und ernte einen leuchtenden Blick aus seinem Displayfenster. Wie immer sind wir ein Herz und eine Seele, ääh, eher ein Herz/ eine Sim-Karte.
Soviel technische Solidarität muss belohnt werden. Mein Handy begleitet mich also überall hin.
´Ich darf nicht vergessen, dass es mich noch nie m Stich gelassen hat!`, mahne ich mich und und bedenke es - wohl zum tausendsten Male -t mit enem zärtlichen Blick.´Welcher Mensch würde mir wohl dermaßen zuverlässig die Treue halten …? - Mein kleiner süßer Freund!`
Deshalb verzeihe ich hm auch sein sich oftmals alle zwei Minuten wiederholendes Klingeln. Es ist anscheinend seine Art, Dankbarkeit für mein Lob zu beweisen.

Nun zählt mein Handy nicht mehr zu den Jüngsten, sondern inzwischen zu den Uralt-Ausgaben, was es mir aber besonders wertvoll macht. Ich schwärme für Oldtimer. Es ist  eines von denen, mit denen man wrklich noch telefonieren kann, ohne aus Versehen enen winzigen Fernsehbildschirm zu aktivieren. Solch einen Schnickschnack besitzt es nicht und ich bin darüber sehr froh. Tja, Frau und Technik ...

Manchmal erlaube ich mir einen Spaß der besonderen Art und ziehe es ostentativ aus meiner Tasche und halte es für jeden sichtbar hoch in der Hand. Von entsetzten Blicken bis blasiert hochnäsigen Mienen hat uns ´Ein Herz/eine Simkarte` bereits alles getroffen. Vor allem aber amüsieren mich die mimischen Mitleidsbezeugungen der Handybesitzersnoabs, Ich sehe es ihnen regelrecht an:
´Mein Gott, die Arme!`
´Wilhelminus, haste mal ´nen Cent über?`
Wilhelminus von und zu Wasweißich möchte der Bitte seiner Angetrauten zu gerne Folge leisten. Seine adlige Kinderstube jedoch hält ihn hiervor zurück.

Kurz danach ist es an mir, vor Mitleid zu zerschmelzen. Wilhelminus` Angetraute mit dem wohlklingenden Namen Adelaide wedelt mir - ebenfalls ostentativ - mit dem ihr eigenen woihl gleichfalls adligen Edelexemplares eines Handys vor der Nase herum und übt sich im Extra-vornehm-Dreinschauen. Erstaunlicherweise beherrscht selbst dieses High-Society-Gerätchen den Handyknigge und bimmelt fordernd. Madame Adelaide zuckt zusammen. Vor Schrecken findet sie die passende Taste nicht und tippt irritiert kreuz und quer auf der Tastatur herum:
„Menno, Wilhelminus, so hilf mir doch mal ... !“
Zu spät! Das Handy hat jenen Masseneinsturm von Befehlen nicht ertragen und sich frustriert in hilfloses Schweigen verabschiedet..

Hochroten Gesichtes vor Scham und mit einem gequälten Lächeln wenden sich die Beiden an mich:
„Entschuldigen Sie? Es handelt um einen sehr wichtigen Anruf. Würden Sie uns wohl kurz Ihr Handy leihen ... ?“

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