Hausboot
Von
cinque
Dienstag 21.10.2025, 14:40
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Die Geschichte vom Hausboot
In einer stillen, abgeschiedenen Bucht, wo das Wasser sanft gegen die Ufer plätschert, schaukelte ein Hausboot auf den Wellen. Das Boot war nicht groß, aber es strahlte Gemütlichkeit aus. Es war mit Blumen in Kästen und Töpfen geschmückt und wirkte, als wäre es ein Teil der Natur selbst.
An Bord lebte der alte Fred. Seine Haare waren silberweiß und seine Hände waren von den Jahren der Arbeit und des Lebens gezeichnet. Er war ein Einsiedler geworden, der die Gesellschaft der Menschen hinter sich gelassen hatte, um in dieser friedlichen Ecke der Welt zu leben. Fred hatte eine besondere Verbindung zu den Sternen, die über ihn wachen, und jede Nacht, wenn die Dunkelheit die Bucht umhüllte, trat er auf das kleine Deck seines Bootes und blickte hinauf in den klaren Nachthimmel.
Die Sterne funkelten wie Diamanten, und jede Konstellation erzählte ihm Geschichten aus einer anderen Zeit. Er hatte gelernt, ihre Namen zu kennen, und so sprach er oft mit ihnen, als wären sie alte Freunde. „Hallo, Orion, du tapferer Jäger“, rief er in die Nacht. Orion bedauerte, keine Zeit zu haben, er schätzte durchaus die Unterhaltung mit dem alten Mann, aber er wollte den kleinen Bären jagen. Das versuchte er schon seit langem, aber immer war der große Bär in der Nähe.
Die Stille der Nacht war sein bester Zuhörer. Der sanfte Wind trug seine Worte über das Wasser, und das leise Rauschen der Wellen schien ihm zuzuhören. „Und du stolze Cassipopopeia auf deinem Thron, was hast du mir heute zu erzählen?“ Nein, Cassiopeia war verstimmt, der alte Mann da unten auf dem schwimmenden Stückchen Holz hatte sie Cassipopopeia genannt. Auch wenn sie die Unterhaltung mit ihm auch schätzte, Cassipopopeia geht gar nicht, jedenfalls heute nicht.
In den Nächten, in denen der Mond hell am Himmel stand, erzählte Fred den Sternen von seiner Vergangenheit: von der Liebe, die er verloren hatte, von den Abenteuern, die er erlebt hatte, und von den Träumen, die ihn einst getrieben hatten. Er sprach von seiner Jugend, als er mit seiner geliebten Anne am Strand gesessen hatte, die Augen zum Himmel gerichtet, und sie gemeinsam die Sternbilder entdeckt hatten.
Nachts, wenn der Himmel besonders klar war und die Sterne heller leuchteten als je zuvor, fühlte Fred eine tiefe Verbundenheit mit dem Universum. Plötzlich schien es, als ob die Sterne ihm antworteten, als ob sie ihm ihre eigene Melodie zuflüsterten. Er schloss die Augen und hörte das Lied der Nacht, das wie ein sanfter Wind um ihn herumtanzte. In diesem Moment wusste er, dass er nicht allein war. Die Sterne waren seine Freunde.