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Klimmzug aufs Regal??

Von tastifix Dienstag 30.09.2025, 15:16 – geändert Montag 06.10.2025, 11:32

Schon seit Stunden marschierten wir durchs Möbelparadies. Es bot vielfache Paradiesabteilungen in gleich vielfachen Filialen. Wie aufgezogen liefen wir weiter, obwohl wir es eigentlich leid waren wie dicke Tinte. Groß, klein, schmal, breit, schlicht oder kitschig bis zum Gehtnichtmehr. Über Geschffmack kann man nicht streiten. Da gibt’s keine Grenzen. Bei all dem stach unübersehbar ein Artikel hervor im wirren, schreiend neonfarbenen Samtbezug gehalten.
2Ach du grüne Neune! Das nehme ich, unbedingt!“- Würde doch wahrlich toll in unser Wohnzimmer passen!“
Dies bedarf einer Erklärung: Wir schwärmen für zeitlose Eleganz mit einem bisschen Pep, aber keinesfalls für solche Krmesausgaben.

Mittlerweile brummte uns fast der Kopf vor Maßen, Farben, Soff- und Lederqualitäten, Artikelserien. Kein Wunder, denn wir hatten bereits drei Paradiesfilialen hinter uns. .
„Also: lass uns noch eben zu I ´fahren. Vielleicht finden wir dort ja wider Erwarten etwas!“
Glaubten wir beide nicht so recht dran, wollten aber nicht aufgeben.
Jenes I war ja bekannt. I versprach eine, wie andere Kunden im Tv auf Anfrage hin, betonten, eine besondere Atmosphäre, viel Auswahl und günstige Preise.
„Aah, wir müssen nach oben!“
Tapfer stiegen wir die Treppe hinauf und standen in der sehnlich erhofften Abteilung. Rechts und links reihten sich Tische, Sessel, Stühle und Sofas wie auch Wohnlandschaften aneinander. Doch waren es bei weitem nicht so viele, wie wir es hier erwartet hätten.
„Na ja, soo groß ist I ja nu denn doch nicht!“
Nein, genau deshalb hatte es sich etwas einfallen lassen. Ahnunglos liefen wir noch zwischen all den Möbeln herum, suchten nach noch mehr Ausgaben und schielten mit einem Auge bereits wiedder abwärts zum Ausgang. Bevor wir dann entschlossen die Treppe nach unten betraten, guckte ich nochmals flüchtig umher.

Der Gedanke an ``Nachause, möglichst fix hier weg` war vergessen. Alles Andere aber genauso.
„Nee, niich??“
„D..Ja, doch!!“
Mehr bekamen wir im ersten Moment nicht raus. Im zweiten dafür sehr viel:
„Darf doch nicht wahr sein! Wie können die denn ... Und wie sollen die Kunden dann …?“
Ja, wie schon erwähnt, hatte I eine ganz ausgefallene Idee gehabt und sie auch in die Tat umgesetzt.
„An Einfallsreichtum wirklich nicht zu üertreffen!“, quetschte ich fassungslos und denn doch amüsiert, hervor.
„Ja, ehem, echt toll überlegt!“, meinte mein Mann.
„Wo ist denn hier mal ´nen Verkäufer, der es erklären, vielleicht uns dann sogar beraten könnte?“

Wir hatten Glück. Es näherte sich ein sehr sympathischer junger Mann. Offensichtlich Ausländer, sprach er aber gut Deutsch.
„Ich bin erst seit zwei Wochen hier. Bitte eentschuldigen Sie mein schlechtes Deutsch!“
„Schlechtes Deutsch? Also, ich weiß ja nicht, woehr Sie stammen, aber Ihr Deutsch ist sehr gut! Ich könnte Ihre Sprache bestimmt nicht sprechen!“
Er freute sich sichtlich und das Gespräch verlief denn auch dementsprechend unverkrampft.
„Darf ich Ihnen helfen? Was suchen Sie denn?“
„Ja, also: Wissen Sie, mir gefällt jenes Sofa gut. Sehr schlicht und offensichtlich wohl gutes Leder! - J..Ja, nur … Ich meine, wie könnten wir denn jetzt ...? Man möchte sich doch mal drauf setzen, zur Probe sozusagen!“
Tja, da war guter Rat teuer, denn jenes Etwas war, man höre und staune, in ein Regalfach über dem darunter auf dem Boden stehenden Sofa platziert worden.
„Kein Problem: Sehen Sie, dieses hier stammt aus der selben Serie, hat eben nur einen Stoffbezug!“, lachte er. „Auf dem dürfen Sie probesitzen!“
„Wie bitte?? Wenn ich mich für ein bestimmtes Sofa interessiere, dann möchte ich jenes und nicht ein Anderes prüfen können!“

Ich beschloss, das Ganze mit Humor zu nehmen und meinte zu meinem Mann:
„Weißt Du, vielleicht hätten wir Bergschuhe und Seil mitbringen sollen. Dann würden wir das Ding aus der Nähe begutachten können!“
Tja, aber ohne die besagten Utensilien blieb uns nur der wehmütige Blick nach oben in die erste Regalfachetage. So etwas hatten wir noch in keinem anderen Möbelhaus je gesehen. Anscheinend setzte I bei seinen Kunden gute Sportlichkeit voraus. Eigentlich würde es doch hierfür keinen anderen Grund geben, oder?

Doch, es gab einen! So sehr groß ist I selbst in Düsseldorf nicht und es fehlte an Stellmöglichkeiten. Anstatt dort die diversen Tische vor den Sofas zu sparen und so Platz für jeweils eine zusätzliche Reihe von Sitzgelegenheiten zu schaffen, so dass man sie auch ausprobieren konnte, sollte ja alles jene gewisse Atmosphäre übermitteln, die die Kunden so lobend im TV erwähnt hatten.

Kurz gesagt: Es war uns unmöglich, dem Objekt unseres Interesses irgendwie näher zu kommen. Aber nach der stundenlangen Möbelschau vermochte uns selbst dies nicht mehr zu erschüttern und wir schmunzelten.
„Also, weißt Du … ?“
Ich nickte:
Jahaah, ich weiß!!!“
Wenn wir dies jemandem schildern würden, dann …

Die passenden eleganten Sofas erstanden wir anderswo.

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