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Lesewut und dann später ...

Von tastifix Mittwoch 08.10.2025, 11:45 – geändert Freitag 10.10.2025, 09:22

Meine Älteste ließ, als sie heiratete, ihre gesamte Kinderbuchliteratur zurück. Ich erinnere mich noch daran, dass sie mit 13 Jahren, obwohl sie eigentlich schon ganz andere Lektüre bevorzugte, plötzlich wieder für die Schmalzwerke ihrer frühen Kindheit wie ´Heidi`, ´Hanni und Nanni` und sogar für die ´Picki-Bücher` schwärmte, die ja für Leseanfänger geschrieben wurden. Es war ihr egal, wie Andere darüber dachten. Jene Bände standen auf dem Regal direkt über ihrem Bett und sorgten für manch` einen sentimentalen Traum.

Meine Zweite, so ganz anders veranlagt, legte keinen Wert meh auf ihre ebenfalls umfangreiche d Kleinkind-Teenager-Bibliothek. Auch deren Bücher füllen unsere Regale.

Mit meinen Zwillingen gesellten sich noch viele Kinderkrimis, Abenteuerbücher, Pferderomane und noch Janosch- und Kästner -Kinderbuchklassiker hinzu.

Unsere Töchter haben ihre Lesewut ja v on uns geerbt. Mein Mann begeistert sich für englische Krimis, ich für Literatur vielerei Genres. Zusätzlich faszinieren mich möglichst alte Ausgabn von Bilderbuchklassikern. Fast in jedem Jahr besuche ich den Kö-Bücherbummel, fahnde nach solchen Bänden und, entdecke ich einen, ist er mein. Ich kann einfach nicht anders.

So, jetzt habt Ihr eine vage Vorstellung davon, wie es bei uns ausschaut. Besser ists, bereits am Eingang sehr vorsichtig zu sein, sonst stolpert Ihr garantiert schon dort übers erste Buch. Falls Ihr Euch erst langsam an den privaten Bücherbummel gewöhnen wollt, stelle ich mich gerne als Führererin zur Verfügung. Zuerst geht’s hoch in die ememalige Jugendetage, und schon in der Diele begrüßen Euch zwei zum Bersten volle Bücherregale. Ähnlich sieht es dann in den vier Zimmern aus. Überall Alt und Neu gemixt. Bad und Gäste-WC blieben aber verschont.

Danach erschüttert Euch nichts mehr so schnell und deshalb mute ich Euch dann das Wohnzimmer zu, quasi als Erholugbspause für Euch, denn dort stehen nur alte Ausgaben von Goethe, Schiller, Shakespeare und alte Lexica:
´Hm`, denkt Ihr vielleicht, „ist doch gar nicht so schlimm!`
Ich würde sagen: „Abwarten!“
Mit freundlich-harmloser Miene geleite ich Euch in den Keller. Mit gemischten Gefühlen folgt Ihr mir, denn die weiblichen Gäste unter Euch befürchten, dass sich dort schwarze Spinnen tummeln, in etwa so groß wie Haselmäuse. Zu Eurer hoffentlichen Erleichterung erkläre ich, dass ausschließlich Spinnenfamilie Obelix jene unteren Gefilde bevölkert und ihr Lieblingsplatz unter meineem Kinderschrank aus dem 50-iger Jahren ist. Als ich Euch zuliebe nochmals unter dem nachschaue, stelle ich fest, dass sie entweder ihr Heim anderswo eingerichtet hat oder endgültig ausgezogen ist. Vielleicht ging es ihr hier zu lebhaft zu.

Das Arbveitszimmer meines Mannes erspare ich Euch. Es sieht ja überall gleich aus. Stolz öffne ich die Tür zum 30 qm großen Hobbyraum.
„Bitte, kriegt keinen Schrecken!“, kündige ich sicherheitshalber an.
Schon beim ersten Blick in den Raum ist Euch klar, weshalb er ans Ende der Besichtigungstour gesetzt wurde. Vor allen Wänden Decken hohe Regale und auf jedem ... Bilderbücher, Kinderbücher jeden Genres. Ich hab mal geschätzt: Es müssten so um die 400 sein!
Nun doch ein wenig erschöpft, verabschiedet Ihr Euch, macht, um Euch abzulenken, noch einen kurzen Spaziergang durch unseren Stadtteil und kehrt dann heim.

Doch für uns schlägt sehr bald darauf der Tag der Wahrheit, an dem wir uns dummerweise dazu entschliessen, die meisten Kinderbücher der Stadtbücherei zu schenken, damit wir noch den Überblick über unseren Bücherwald behalten. Zunächst sortieren wir, welche noch in Ordnung sind und welche wir wegwerfen müssen. In weiser Voraussicht schleppen wir fünf große Klappkisten herzu. Uns schwant Böses.
Wir überlegen, prüfen, verwerfen oder stapeln die Lieblinge aus Kindertagen in die besagten Behältnisse. Die Kisten füllen sich, zusätzlich die Reisetasche und noch ein Wäschekorb ebenfalls. Nur die Kinderbuchklassiker bleiben da, immerhin noch 100 Bände.

Alles wird in das kleine Auto meiner Dritten gepackt. Es erträgt die ungewohnte Last mit Gelassenheit:
"Bald bin ich die ja wieder los!"
Wichtig zu wissen: Es ist selbstverständlich ein außergewöhnlich kluges Auto. Behauptet meine Tochter. Es ist ihr erstes.
Wir starren auf die Kisten: Es sind um die 300 Bücher, von denen wir uns trennen.
"Hoffentlich nehmen sie die überhaupt alle an!", zweifelt meine Tochter und ich dann auch.
Aber wir haben Glück. Wir bekommen zwar ein breites Grinsen zu sehen, aber dann helfen alle, sie in die Bibliothek zu befördern. Ein letzter wehmütiger Blick zurück und wir verschwinden.

Zuhause schauen wir mit einem eigenartigen Gefühl in der Magengrube auf den "kümmerlichen" Reststapel und trösten uns mit dem Gedanken, dass wir so immens viel Platz gewonnen haben, um sämtliche CDs usw. horten zu können.
Leer bleiben die Regale bestimmt nicht!

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