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Warum ... mir??

Von tastifix 25.08.2024, 09:35 – geändert Montag 02.09.2024, 04:46

Hach, wie ich mich auf diese Reise freute! Endlich mal ausspannen! Eigentlich hätte ich es schon viel früher mal machen sollen. Aber nein, da war ja das mütterliche Pflichtgefühl! Doch jetzt würde der Papa die Aufgabe übernehmen. Ich wüsnchte ihm viel Spaß, denn auch gut erzogene vier Töchter im Teenageralter sind halt tTeenager und die können manchmal ... ...

Tja, mir sollte es aber auch nicht besser ergehen, nur halt anders. Als ich meinen Koffer öffnen wollte, klemmte dessen Reißverschluss, Erst nach wiederholten Schneide- und Bastelversuchen gelang es, mittels einer Büroklammer den Zugnipp el wieder einzuschieben. Danach war alles schnell gepackt. Geld hatte ich schon eingesteckt, war ja wichtig.

Die S-Bahn würde kurz nach 9 Uhr starten und gegen 10 Uhr Köln Hbf erreichen. Köln war nur Zwischenstation, ich wollte in den Taunus. Mir blieb noch eine Viertelstunde, um im Reisezentrum die Fahrkarte zu kaufen. Aber vor dem Schalter standen bereits sechs Leute, es dauerte dementsprechend lange und ich wurde allmählich nervös, denn die Zeit drängte.
´Wenn der mir jetzt doch noch vor der Nase weg fährt ...`
So fix wie möglich steuerte ich den betreffenden Bahnsteig an, stolperte mit Koffer an der Hand die Treppe hoch und sah meinen Zug dort schon stehen. In letzter Sekunde stieg ich einfach ein, die Wagennummer war mir da völlig egal. Huaptsache, ich war drinnen. Ein Blick auf die Fahrkarte verriet mir, dass ich klar im falschen gelandet war und so begann die wenig amüsante Tortur, mich durch den rappelvollen Mittelgang bis zum richtigen durchfragen zu müssen. Endlich dort angekommen, kontrollierte ich nochmal die Platznummer. Vorwärts schleichend und fast pausenlos mich entschuldigend, weil ich in dem Gedränge jemanden angestoßen hatte, fand ich schließlich meinen Platz. Ich hätte mich so gern aufatmend auf ihm nieder gelassen, musste aber registrieren, dass auf dem schon jemand saß. Ein junger Mann, offensichtlich, nach seinem Gesichtsausdruck zu urteilen, innig in einen Läppi-Flirt mit seiner Liebsten vertieft. Derweil stand ich dort mit nun saurer Miene neben ihm und hoffte, er würde endlich reagieren. Nein, der hockte dort und ließ sich nicht stören.

Ich sehnte mich immer dringlicher ebenfalls danach, den blöden Koffer abzustellen, die Beine auszustrecken und dann die vorbei fliegende Landschaft zu genießen. Noch allerdings stand ich dort, vor meinem Sessel, der in meiner Fantasie inzwischen zu einem Designersessel avanciert war mit einer toll hohen Rücken- und zwei ebenso bequemen Armlehnen. Ich betrachtere die dicke, gemütliche Polsterung. Auf blauem Untergrund viele,viele weiße Sternchen. Erleichtert, ja doch endlich meinen Platz ausfindig gemacht zu haben, bildete ich mir ein, sie würden mich regelrecht anstrahlen.
Meine Geduld war erschöpft. Der junge Schnösel da vor mir flirtete immer noch ungerührt weiter- und das auf meinem Platz!!
„Hallo, könnten Sie die Güte haben und von meinem Platz verschwinden?“
Mich verwirrt ansehend, fummelte er sich die Stöpsel aus den Ohren.
„Häh?“
„Hier sitze ich!“, bemühte ich mich, das Gespräch wieder auf ein normales Höflichkeitsniveau anzuheben.
„Da sind Se aber falsch gewickelt. Da, meine Karte!“
Und wedelte mit einer mit hübschen Eselsohren verzierten Fahrkarte dicht vor meinem Gesicht herum. ´Platz 15´! Ich war dem Heulen nahe. Sollte dieser Bengel etwa im Recht sein? Aber, so schnell gab ich nicht auf.
„Da kann was nicht stimmen!“ ,argumentierte ich. „Welche Wagennummer steht denn auf Ihrer Karte?“
„Wagennummer, wieso?“, hakte er nach.
´Die Intelligenz hat er nicht gepachtet!`
„Nun ja“, erklärte ich es ihm sicherheitshalber in simplen Worte´n wie einem Kleinkind, „da muss doch auch die Nummer des Wagens stehen, in dem der Platz für Sie reserviert wurde!“
Ein unsicherer Blick von ihm auf das Stückchen Papier in seinen Händen. „Wagen „25“, buchstabierte er langsam.
„Ja, dann ist alles klar. Dieser hier ist nämlich Wagen ´24`. Also sind Sie hier falsch!“
Ich triumphierte, aber leider ohne Erfolg. Der blieb sitzen.
„Ja, vielleicht erheben Sie sich gefälligst, damit ich mich endlich setzen kann!“, wurde ich energisch.
Nicths tat sich.
„Also“, betonte ich, noch energischer. „Entweder, Sie räumen jetzt schleunigst das Feld oder ich rufe den Schaffner!“
Endlich, es wirkte. Verstehen machte sich in seinem Gesicht breit. Aha, so musste ich also mit dem reden.
„Nun regen Se sich mal nicht so uff!“, kam. „Ich gehe ja schon..Mutti!!"
Mir stand der Mund offen. Ich holte tief Luft, wollte zu einer saftigen Erwiderung anheben, stockte aber im letzten Moment. Nein, dem gegenüber lohnte sich eine solche Anstrengung nicht.
ich war baff erstaunt, denn dieses wahrlich überaus sympathische menschliche Exemplar hievte tatsächlich seinen Koffer aus dem Gepäckfach, kramte, jedoch im provozierenden Schneckentempo, seine Siebensachen zusammen und quetschte sich, klar, ohne um Durchlass zu bitten, den Rücken mir zugewandt, an mir vorbei auf den Gang hinaus. Verschwand endlich in Richtung der „25“. Zum Abschied hatte er mir noch eben schnell im Vorbeistreifen den Läppi gegen den Arm geknallt. Als Erinnerung an diesen Ausbund an Höflichkeit blieb mir ein hübscher blauer Flecken. Der dann jedoch ohne weiße Sternchen.

Anstatt mich dann beim Blick aus dem Fenster an der wunderschönen Landschaft zu erfreuen, verschlief ich groggy den ganzen Rest der Reise.

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