Wintergedanken
Von
cinque
Samstag 20.12.2025, 18:28
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Du wachst auf. Noch halb gefangen zwischen Traum und Wirklichkeit, genießt du die wohlige Wärme unter der Decke. Das Bett fühlt sich an wie ein sicherer Hafen. Du willst nicht aufstehen. Dein Blick geht langsam zum Fenster. Und da ist er – der Winter. Lautlos ist er in der Nacht gekommen. Die Welt draußen liegt unter einem frischen Weiss, Der Pfirsichbaum am Gartenzaun sieht aus wie aus einem Märchenbuch – seine Äste schwer von glitzerndem Frost, jedes Zweiglein kunstvoll verziert mit Eiskristallen, als hätte ein geduldiger Künstler stundenlang daran gearbeitet. Ein Winterwunderland. Still und wunderschön.
Und doch ist da dieses dumpfe Gefühl in dir. Keine kindliche Begeisterung. Kein „Oh, wie schön!“ – sondern eher ein „Ach, nee…“. Das erste Wort des Tages formt sich in deinem Kopf noch bevor du die Augen richtig offen hast: „Sch… Du denkst an die Treppe. An den Gartenweg. An das Fegen. An das Streuen. An die klirrende Kälte, die dir gleich entgegenweht, wenn du die Tür öffnest. Heute kommt der Paketbote – und wehe, er rutscht auf der Einfahrt aus. Und dann das Auto... Natürlich. Carport hin oder her, die Scheiben sind vereist, als hätte jemand über Nacht einen Eispalast daraus gezaubert. Die Türen – eingefroren. Du weißt jetzt schon, das wird ein Kampf. Der Tag hatte noch nicht einmal richtig begonnen, und dur bist schon erschöpft.
Plötzlich huschende Füße auf dem Flur. Dann, ganz plötzlich, ein Aufschrei, der durch das Haus hallte wie ein fröhlicher Weckruf: „Es hat geschneit! Papa, Papa, es hat geschneit!“ Zwei kleine Gestalten in Schlafanzügen, mit zerzausten Haaren und leuchtenden Augen erobern dein Bett. Strahlende Kinderaugen blicken dich an, rote Wangen, glitzernde Augen, als wäre heute schon Weihnachten. Und da ist es, dieses fordernde, liebevolle: „Freu dich gefälligst, Papa, über diese wunderschöne Welt.“ Du siehst sie an – deine Kinder. Diese kleinen Wesen, für die jeder Schneetag ein Abenteuer ist, jede Schneeflocke ein Geschenk., bereit, dem Winter entgegenzujubeln. Du seufzt, ein leichtes Lächeln huscht über dein Gesicht. Vielleicht... vielleicht ist dieser Tag doch gar nicht so schlimm. Nur halt... ein bisschen sehr kalt.