Zitronenscheibe mit Beatle-Frisur
Von
tastifix
11.01.2026, 17:30
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tastifix
11.01.2026, 17:30
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Dass ich bei dem stets doch ungelenken Versuch, einigermaßen elegant einen Barhocker zu erklimmen, den zugehörigen Bistrotisch meist gefährlich ins Wanken brachte, war ich ja gewöhnt und nahm es seufzend in Kauf. Aber das Ungeschick, was mir dann unterlief, war mir denn doch sehr peinlich.
Es hatte sich eine lebhafte Diskussion ergeben und ich ruderte wild mit den Händen in der Luft herum ungeachtet dessen, dass auf dem relativ wackeligen Tisch mehrere zierliche, hochstielige Gläser standen. Klar, dass ich einer der blitzenden Kostbarkeiten eine schwungvolle Stielfeige verpasste, was der so gar nicht passte und sie veranlasste, auf ihre ganz eigene Art Rache zu nehmen. Das Glas kippte um, doch, dann zu zerbrechen und als Scherbenhaufen mich vor versammelter Mannschaft wegen Gläsermordes bloßzustellen, war ihm wohl zu trivial. Nein, es beherbergte ja eine dieser dekorativen Zitronenscheiben, die vielen beliebten Getränken noch den optischen Pfiff verleihen. Und die schickte es auf eine für eine Zitronenscheibe sehr ungewöhnliche Reise.
Vor den verdutzten Blicken der Umsitzenden und dem fassungslosen meinigen zischte sie, allerdings ohne Zischen, als eine grellgelbe Rakete hoch durch die Luft und malte einen leuchtend gelben Regenbogen ans Gaststättenfirmament. Danach jedoch siegte die Schwerkraft, die Zitronenscheibe knallte aus der enormen Höhe von einem Meter wie ein Stein auf den Teppichboden und grub sich in dessen Flor.
„Lass liegen!“, meinte jemand.
„Nein, auf keinen Fall!“, tadelte ich kopfschüttelnd.
Verstohlen nach allen Seiten schielend glitt ich so elegant wie eben möglich vom Hocker, machte einen angedeuteten Knicks und grub das fruchtige Etwas aus seinem Flusenversteck. Krampfhaft das glittische Ding zwischen Daumen und Zeigefinger klemmemd, tauchte ich hochroten Kopfes wieder auf, erklomm total verschämt den Hocker und betrachtete ratlos meinen Fang. Am Zitronenscheibenrücken pappten Flusen und das schrumpelige Fleisch zierte eine regelrechte Pilzfrisur in Anthrazit. Was tun?
Leider fand sich auf dem Tisch kein Aschenbecher. Weithin für die Gäste sichtbar mit dem Ausreißer die nackte Tischplatte zu schmücken, kam nicht in Frage. Aber auch nicht, das Indiz meiner Schandtat vor den amüsierten Blicken aller Anwesenden wie eine Trophäe vor mich her quer durchs Lokal bis zur Bar zu tragen.
´Hm!`
Eine Sekunde des Zögerns, dann agierte ich. Die saure Flusenschönheit plumpste ins Glas zurück und erntete prompt viel Aufmerksamkeit. Auf mich wirkte es, als ob sie schelmisch grisnsen würde. 1Drnn übetrall ußen und noch mehr innen papptten Flusen.
"Schaut fast aus wie eine Beatle-Frisur!", grinste ich.
Wer noch viel mehr schmunzelte, war mein Gegenüber.
„Ja und?“, verteidigte ich mich lahm. .„Sie werden sie ja wohl kaum dem nächsten Gast servieren!!“