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Zum Valentinstag

Von Feierabend-Mitglied Samstag 14.02.2026, 22:01

Der Fluss der stillen Fäden

Es war einmal in einem Tal, wo der Wind nie rastete, ein Weber namens Lir, der aus Nebel und Tau unsichtbare Fäden spann. Diese Fäden verbanden nicht Stoffe, sondern Herzen – doch nur die wahren, die im Verborgenen pulsierten, ohne Glockenlärm oder Festtagesschimmer.

Lir lebte allein in seiner Hütte am Fluss, der Tag und Nacht murmelte, als wollte er Geheimnisse austauschen. Eines Morgens, als der Tau noch glitzerte, fiel ein Funke aus dem Wind in seinen Webstuhl. Der Funke wurde zu einer Frau namens Sira, gewebt aus Lichtsplittern und Flusswasser. Sie hatte keine Krone, kein Festgewand – nur Augen wie tiefe Becken und Hände, die Fäden fühlten, ohne sie zu sehen.

„Warum webst du allein?“, fragte Sira, während sie barfuß durchs hohe Gras schritt. Lir erwiderte: „Fäden brauchen keine Feiern. Sie wachsen im Regen wie im Sonnenschein, im Streit wie im Lachen.“ Gemeinsam gingen sie ans Ufer, wo der Fluss Geschichten von Wanderern flüsterte: Ein Fischer, der seine Netze für die Alte nebenan flickte; eine Kräutersammlerin, die für den schweigsamen Schmied Blätter pflückte, ohne Worte der Liebe.

Sira und Lir folgten einem Faden, der sich über Hügel zog. Er führte zu einem Dorf, wo die Menschen ihre Herzen mit bunten Bändern schmückten – nur an markierten Tagen. Doch der unsichtbare Faden vibrierte stärker: Zwischen der Bäckerin und dem Stallburschen, die sich nie bekannten, weil sie auf den großen Festtag warteten. Lir und Sira webten den Faden sichtbar, indem sie die Bäckerin bat, Brot zu teilen, und den Burschen, einen Krug Wasser zu holen. Im einfachen Austausch berührten sich ihre Hände, und der Faden leuchtete auf – nicht durch Feuerwerk, sondern durch die Wärme des Moments.

Plötzlich stürmte der Wind auf, zerrte an Dächern und Herzen. Die bunten Bänder rissen, doch die unsichtbaren Fäden hielten. Das Dorf festigte sich neu, und Liebe floss wie der Fluss: Täglich, still, durch kleine Taten – ein Lächeln im Vorbeigehen, ein geteilter Apfel, ein Schutz im Sturm.

Lir und Sira kehrten heim. „Liebe braucht keine Tage“, sagte sie und wob mit ihm einen Faden aus ihrem eigenen Licht. Er umschlang sie eng, Tag für Tag, Jahr für Jahr, ohne je ein Fest zu feiern. Und so webten sie weiter, bis der Wind neidisch wurde und sie in den Fluss trug – wo ihre Fäden ewig flossen, unsichtbar und stark.

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