Als Ergänzung zum Beitrag von Einsundzwei
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Feierabend-Mitglied
Samstag 02.11.2024, 21:29
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Der imaginäre Hund Bello
Meine 4 jährige Tochter wünschte sich einen Hund. Ich konnte diesen Herzenswunsch nicht erfüllen, da ich noch ein 1 jähriges geistig behindertes Kind zu versorgen hatte.
Nach einigen Monaten kamen wir von einem Spielplatzbesuch zurück, ich schloss die Wohnungstür auf, wir gingen hinein und ich schloss die Tür. Ein lauter Schrei meiner Großen: “ Mama aufmachen, sofort aufmachen, Bello ist noch draußen!“ Irritiert öffnete ich, sah nichts, aber meine Tochter bückte sich, hob ein „Nichts“ hoch, zeigte es mir und informierte mich, dass dieser Hund nun bei uns wohnt und Bello heißt.
Sie holte eine Schale mit Wasser und beim Abendbrot saß Bello neben ihr und sie teilte ihr Brot mit ihm. Die Puppe musste das Puppenbett verlassen , eine Decke wurde hineingelegt, das war nun Bellos Platz.
Ich spielte dieses Spiel mit und dachte mir, es würde sich in Kürze verlieren.
Weit gefehlt…. Bello gehörte für ca 4 Monate zu uns, er ging mit uns spazieren, fuhr mit uns Bus und Bahn, bekam jeden Tag eine ganz kleine Portion Hundefutter, wir gingen mit ihm Gassi, so wurde er langsam auch für mich Wirklichkeit und zu einem neuen Familienmitglied, selbst Oma spielte und sprach inzwischen mit diesem imaginären Hund.
Dabei kam es in der Öffentlichkeit zu verrückten Situationen.
Einmal stiegen wir in einen Bus, die Tür hinter uns ging zu und meine Tochter schrie:“ Mein Hund ist noch draußen.“ Der Busfahrer bremste, öffnete nochmal die Tür, meine Tochter sprang raus, bückte sich und stieg mit dem „Hund“ strahlend wieder ein. Sie vergaß nicht einmal, laut Danke zu rufen.
Ein anderes Mal stiegen wir in die U-Bahn, ich blieb beim Kinderwagen, meine Tochter setze sich und Bello saß neben ihr. Eine Frau kam und setzte sich neben meine Große, meine Tochter schrie:“ Du sitzt auf meinem Hund!“ Entsetzt sprang die Dame auf und schnauzte mein Kind an. Heike tröstete ihren Hund und sagte: „Bello, sie mag keine Hunde!“ Dann kam sie mit ihm zu mir und trug Bello auf dem Arm. Die Konflikte mit meinem Mann blieben nicht aus, er ignorierte ihn und auch meine Tochter gab alle Versuche auf, ihn für Bello zu begeistern. „Mama“ fragte sie mich, „soll ich Bello mal leise bitten, Papa zu beißen, damit Papa merkt, dass mein Hund hier wohnt?“ Ich habe ihr dringend davon abgeraten.
Nach einigen Monaten kamen wir nach Hause, sie nahm Bellos Decke weg und legte ihre Puppe wieder hinein. Auf meine Frage, wo Bello jetzt schlafen wird sagte sie: “ Er ist jetzt schon groß und will bei seinen Freunden sein, er kommt nur noch manchmal, aber ich weiß, wo er jetzt wohnt und ich kann ihn besuchen. Bello ist nie wieder bei uns aufgetaucht und sie hat sich mehr ihrer kleinen Schwester zugewandt und erzählte ihr viele phantasievolle Geschichten.
Ich brauchte länger, mich an ein Leben ohne Hund zu gewöhnen. Das Verhältnis zwischen ihr und meinem Mann nahm großen Schaden in dieser Zeit und war auch nicht mehr reparabel. Zwei Jahre später verließ ich mit den beiden Mädchen diese Ehe. Die Phantasie meiner Großen blieb.