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Amelies Leben in einer Krise (2)

Von Feierabend-Mitglied Montag 28.04.2025, 00:09

Mama scheint sie nicht zu verstehen, denn sie erwidert stur: „Geh in dein Zimmer und mach deine Schulaufgaben. Lass Oma damit in Ruhe, sie wohnt weit weg. Du weißt doch, vor einem halben Jahr ist Opa gestorben, sie hat jetzt ganz andere Sorgen.“

Amelie rennt nach oben zu ihrem Zimmer, sie stolpert zweimal, wirft sich auf ihr Bett und schlägt mit den Fäusten auf das Kopfkissen, dann packt sie eine tiefe Müdigkeit und sie schläft vor Erschöpfung tief ein.

Als sie erwacht, bekommt sie so einen Schrecken, dass sie die Luft anhält ... sie hat ins Bett gemacht, alles unter ihr ist nass. Sie zieht sich frische Kleidung an, deckt das Bett zu und hofft, dass es bis zum Abend trocknet. Leise geht sie nach unten zu Mama.

Auf dem Tisch liegt ein Zettel: BIN EINKAUFEN. Das kann Amelie schon lesen.

Sie will die Zeit nutzen und Oma anrufen, das Heft mit der Nummer liegt daneben.

„Hallo Omi, ich bin es, Amelie.“

„Ach wie schön, dass du anrufst, ich freue mich so.“

„Omi, ich muss schnell machen. Mama kommt sicher bald zurück. Weißt du, wo der Pfeffer wächst? Mama hat nämlich gesagt, dass Papa dort ist und ich will ihn besuchen. Er ist einfach weg.“

Oma lacht: „Das sagt man so, ich weiß, dass Papa nicht mehr bei euch ist, er wohnt nicht so weit von euch. Ich werde mit Mama sprechen, damit du ihn besuchen kannst.“

„Omi, ich bin ganz durcheinander ... ich habe ins Bett gemacht, ich hab‘ es nicht gemerkt. Was kann ich denn tun, damit Mama es nicht mitbekommt? Ich schäme mich so sehr.“

Oma schweigt einen Moment.

Dann fragt sie: „Hast du viel geweint in den letzten Tagen?“

„Nein Omi, dann ist doch Mama noch mehr traurig. Ich hab‘ ein fröhliches Gesicht und manchmal kann ich es aufsetzen wie eine Maske und dann schiebe ich alle Traurigkeit in meinen Bauch.“

„Amelie, meine Liebe, es waren zu viele Tränen in deinem Bauch. Er war voll, und wenn die Tränen nicht aus den Augen dürfen, dann suchen sie einen anderen Weg und kommen unten raus. Und nun habe ich noch eine gute Nachricht für dich. Es ist mir zu einsam hier ohne Opa und ich habe mit deiner Mama besprochen, dass ich hier alles verkaufe und zu euch komme. Bei euch ist ja genug Platz für uns alle. Ich freue mich so auf Mama und besonders auf dich. Wir werden so viel Spaß miteinander haben und können spielen und uns was vorlesen. Und wenn du traurig bist, das gehört ja auch dazu, dann nehme ich dich in die Arme und halte dich ganz fest. Vielleicht können wir bis dahin ja jeden Tag ein bisschen miteinander telefonieren.“

„Omi, ich freue mich so sehr auf dich, wenn Mama vom Einkaufen kommt werde ich ihr alles erzählen

Amelie tanzt durch den Flur, alles fühlt sich so leicht an und selbst Mama lächelt ein bisschen, als sie ihr von Oma erzählt. Und dann machen sie Pläne und malen sich aus, wie schön es werden kann, wenn sie beide nicht mehr allein sind ihre Omi bei ihnen ist. Und ihren Papa wird sie bald besuchen.


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