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Auseinandersetzung mit dem Christkind ...

Von tastifix Mittwoch 27.11.2024, 17:52 – geändert Mittwoch 27.11.2024, 18:17

St. Nikolaus war schwer sauer. Bereits seit Tagen plagte sich der uralte Herr mit der Geschenkpaketflut herum, schleppte sitonnenweise aus der himmlischen Lagerhalle zum Schlitten und schichtete sie auf den selbigen. Es war ausgesprochen anstrengend und entlockte dem weißhaarigen Gesellen so manchen abgrundtiefen Seufzer. Was würde passieren, wenn sich die Päckchen während des wilden Galopps seiner Rentiere Mac und Frisbie verselbständigen und ihre Reiseroute selber bestimmen würden? Unter Umständen bekamen dann die Eskimos Badehosen und die Äquatorianer Schlitten.
„Wäre gar nicht so schlimm, denn die Mini-Höschen landen im Iglu- und die Schlitten im Urwaldfreilicht-Freilicht-Museum und tragen so zum gegenseitigen Gedenken bei."

Mac und Frisbie schielten nach Stunden des Aufladens all der Gaben so überhaupt nicht mehr begeistert rückwärts auf das Geschehen.
„Na toll!", meckerte Frisbie los. „Da erwartet uns ja ein regelrechtes Trimm-dich-Programm!"
Kamerad Mac gab ausnahmsweise nicht seinen schlagfertigen Senf dazu, um die trotz himmlischer Adventshektik noch verbliebenen Energiereserven für den bevorstehenden Leistungssport aufzusparen.

Gerade hievte Sankt Nikolaus zwei recht große Pakete auf den bunten Raschelberg, da machte es auf der anderen Seite des Schlittens laut vernehmbar ´Klatsch!`. Weil er als Himmelsbewohner mit passend meist lupenreinem Gewissen sich niemals erlaubt hätte, nach Menschenart zu fluchen, bemerkte er nur ironisch:
„Das war es dann. Düsseldorf bekommt zwei Pakete weniger!"
Auch er ersparte sich vorsichtshalber die Mühe weiterer diesbezüglicher Überlegungen und hob sich all seine Kräfte für die baldige Fernreise durch die Galaxien auf.
„Nooch nicht alles ...?", entfuhr es Mac, als der Schlitten schon fast aus den Kufen brach.
Ein strafender Blick von Nikolaus ließ das kecke Rentier sofort verstummen. Nein, die Packerei fand erst ein Ende, als vor Gaben weder die beiden Rentiere noch der Schlitten noch zu sehen waren.

Nun musste noch die abschließende Kontrolle durch das Christkind bestanden werden. Nikolaus verdrängte, so gut und so lange es eben ging, den mehr als unangenehmen Gedanken daran. Denn jenes Kind war äußerst kritisch und hielt, wenn ihm etwas nicht passte, mit Vorhaltungen nicht hinterm Berg.
„Ihr haltet gefälligst Euer Maul!", warnte Nikolaus seine beiden vierbeinigen Helfershelfer. „Solltet Ihr die zwei fehlenden Geschenke erwähnen, gibt’s kein Weihnachtshaferbüschel!"
Mac und Frisbie schossen empörte Blicke zu dem Heiligen. Die waren so giftig, dass er, wäre er nicht sowieso schon tot gewesen, auf der Stelle sein Leben ausgehaucht hätte. Aber die Drohung hatte tief beeindruckt und sie wagten es eingeschüchtert nicht mehr, ihm noch deftige Antworten an den Kopf zu werfen. Denn auf ihr weihnachtliches Extra-Menü gedachten sie um nichts am Himmel zu verzichten. Auch Rentiere kennen taktisches Verhalten.

Wenige Minuten später erschien das Christkind, wie immer in strahlendem Licht und versehen mit dem obligatorisch doppelten Heiligenschein, wie er eben nur ihm zustand. Nikolaus konnte sich eines ziemlich gehässigen Gedankens nicht erwehren:
´So ganz sauber sieht der aber nicht mehr aus. Ob sogar das Christkind unter Stress steht?`
Leider hatte er in dem Moment einen gefährlichen Blackout. Das heilige Kind war ja fähig, die Gedanken seiner menschlichen und erst recht die der überirdischen Heerscharen zu lesen. Prompt brauste es auf:
„Was fällt Dir denn ein?! Wie kannst Du nur meine Tüchtigkeit in diesen wichtigsten Wochen vor meinem Geburtstag in Frage ziehen? Schließlich will ich zu diesem bedeutenden Termin alle irdischen wie auch überirdischen Bewohner des Universums glücklich sehen!!“
St. Nikolaus kroch immer mehr in sich zusammen, so dass ihm beinahe die Mütze vom Kopf gerutscht wäre. Aber er reagierte schnell, fing er sie auf und rettete sich so vor einer schrecklichen Blamage. Ein Nikolaus ohne die berühmte Bommelmütze - niemals!!

Das Christkind begutachtete den Schlitten, schob hier und dort etwas zurecht und stutzte:
„Wo sind die zwei Fahrräder für die Düsseldorfer Radschläger geblieben??“
Im Gedenken an Nikolaus` Worte gaben die beiden Rentiere keinen Laut von sich. Auch ihr Herr und Hüter schwieg sich aus. Das Christkind jedoch wäre nicht das Christkind gewesen, wenn es nicht sofort auf die richtige Erklärung dafür gekommen wäre:
„Ausgerechnet die haste verloren. Mit denen wollte ich deren Auftritte in der City ein wenig zeitgerechter gestalten!!"
Nikolaus schlotterten be ider saqftigen Strafpredigt nicht allein die heiligen Knie, sondern weitaus heftiger noch die Hirnwindungen. Noch einen vernünftigen Gedanken zu fassen, der ihm vielleicht zu einer passenden Erwiderung hätte verhelfen können, war ihm unmöglich.

„Nuun?", grollte das himmlische Kind, dessen Heiligenschein sich bereits vor Ärger zu krümmen begann.
Dies gab Nikolaus den Rest. Kleinlaut suchte er nach einer Antwort, die das Christkind vielleicht hätte versöhnen können.

Weil es die Zeit kurz vor dem besagten hohen Fest war, war jenes denn erstaunlich gnädig gestimmt, verzieh seinem Diener und entwirrte dessen Denkapparat. Prompt sah sich Nikolaus wieder in die Lage versetzt, logisch zu denken.
„Sieh mal", begann er noch ein wenig kläglich, „es hat doch auch sein Gutes ..."
Des heiligen Kindes Heiligenschein genoss diese immerhin schon relativ kluge Bemerkung und glättete sich zusehens. Darob ausgesprochen erleichtert, setzte der Heilige mutiger fort:
„Zwar landen die Dinger jetzt nicht dort, wo sie hin sollten, aber stattdessen vielleicht bei den Marsmännchen. Die werden dann fast himmlisch fix unglaublich schlau, der marsianische Fortschritt macht in mindestens verdoppeltem Rentiergalopptempo einen irren Sprung vorwärts, was dann die Kommunikation zwischen ihnen und uns sehr erleichtert. Auf diese Weise tragen wir beträchtlich zur intergalaktischen Völkerverständigung bei."
Das Christkind war baff, denn es war ja noch ein Kind, ab und an schwächelte seine Allwissenheit noch ein wenig und darum hatte es mit einer solch dermaßen originellen Äußerung seines Dieners nicht gerechnet.

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