Begegnung un Bad Ischl
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Feierabend-Mitglied
Freitag 18.04.2025, 17:19
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Am Traunufer in Ischl blühen wieder die Bäume – und Outdoor-Künstler hoffen auf freigiebige Kunden. Porträtmalen ist Saisongeschäft. Outdoor-Künstler sind von der Saison so abhängig wie Betreiber von Gastgärten an der Esplanade. Bad Ischl kann zu dieser Zeit wie der Süden sein, aber wehe, das Wetter schlägt um, dann wird es unsympathisch nördlich, mit tiefen Wolken und kaltem Wind. So wie heute.
Das hölzerne Knacken der von einer Windbö zu Boden geworfenen Bilderwand und der zornige Fluch des Porträtzeichners im Kurpark zu Bad Ischl fallen in die gleiche Sekunde. Hastig springt der Künstler von seinem Klappstuhl auf, um die auf der Bilderwand zur Schau gestellten Zeichnungen und Aquarelle zu retten.
Ich war ein paar Tage zur Entspannung im Salzkammergut. Bei meinem täglichen Spaziergang war mir der Porträtmaler, der die Konterfeis seiner Kunden mit „Schorsch” signierte, schon aufgefallen. Für einen Moment hatte ich mich auf den 'Place du Tertre' am Montmartre in Paris versetzt gefühlt. Es packte mich die Lust, dem Maler Modell zu sitzen, doch ich ließ die Idee rasch wieder fallen. Ich wollte kein buntes Aquarell, so wie Schorsch es den vorwiegend weiblichen Kunden anbot.
Einmal darüber schlafen, dachte ich, dann wird der Spuk vorbei sein. Aber der lang gehegte Wunsch, meine Literatur mit Bleistift- respektive Federzeichnungen zu illustrieren, nahm über Nacht konkrete Formen an. Ich dachte an Schorsch, den Porträtmaler. Er könnte – statt der aufwendigen Farbe – nur eine ausführliche Skizze mit Bleistift-, Rötelstift oder Kohle herstellen.
Mit dieser Vorstellung im Kopf näherte ich mich jetzt dem Künstler. Der Zeitpunkt schien günstig, die übliche Laufkundschaft blieb heute ohnehin aus, Touristen waren kaum zu sehen.
Mit einem freundlichen „Hallo Meister“ begrüßte ich Schorsch und half ihm, seine umgefallene Stellwand, die zugleich als Sichtschutz für die zu porträtierenden Kunden diente, wieder aufzustellen. Die Gelegenheit war günstig, also unterbreitete ich ihm mein Anliegen in Sachen grafischer Untermalung meiner Literatur. Es kam so, wie ich vermutet hatte: Ein Porträtmaler, der Geld verdienen muss, ist meist verhandlungsbereit.
Er weiß, so sagte Schorsch, wo die verehrte Kundschaft der Schuh druckt. Er sei froh, dass ich keine so ausgefallenen Wünsche hege, wie die seiner meist weiblichen Klientel: das Doppelkinn und die Krähenfüße um die Augen retuschieren, Lider straffen und überhaupt mehr Esprit in den Blick … ginge das?
Manchmal ließe er sich breitschlagen – manchmal nicht. Da würde er am liebsten die Staffelei zusammenklappen, sich seinem Lieblingsgetränk, dem Zirbengeist zuwenden. Dann schnauze er schon mal sein Modell an und sage, dass er mit Farbe male und nicht mit Schminke. Seine Augen seien unbestechlich und er könne ohnehin nur malen, was er sehe. Manchmal geht danach ein Riss durch die Mimik der Frau, weil Zufriedenheit in diesem Fall an Zauberei grenzt.
So – und jetzt nimm Platz, mein Freund, und mach ein freundliches Gesicht. Voila!
©story & photo by ferdinand