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Brain Blues – die lockere Version

Von Feierabend-Mitglied Freitag 08.08.2025, 16:20


Früher Morgen, Jahr des Millenniums. Das Radio dudelte irgendwas von Céline Dion – half aber nix. Eher schon ein Espresso, auf der Loggia geschlürft. Die Luft kühl, der Blick in die nebelverhangene Sonne versprach einen zögerlichen Tag. Ein paar Kirchgänger trotteten dem Glockengeläut des Doms hinterher. Grellorange Warnleuchten eines Müllautos blinkten in der Dämmerung. Schluck heißer Kaffee – und zack, die Geister waren wach. Da war doch was … gestern. Momente aus Gold. Augenblicke wie Licht.
Dann ihr Anruf – und der Tritt gegen mein seelisches Schienbein. Sie: Gestern sei etwas passiert, das sie bitter bereue. Entschuldigte sich sogar. Für einen liebevollen „Ausrutscher“! Sich selbst dafür zu verdammen? Wer, bitte, versteht das?
„Aber es war doch richtig. Und schön. Unsagbar schön?“ fragte ich. Nichts. Funkloch im Herzen. Ich traurig. Oder beleidigt? Egal – die Welt stand plötzlich schief.
„Männer eben“, hätte sie gesagt. Tat sie aber nicht. Stattdessen: Unsere Rahmenbedingungen passten nicht zu ihrem Lebensplan. Zack – Akte geschlossen. Frauen können trocken sein wie Knäckebrot.
An diesem Tag wollte ich keiner Frau begegnen. Pause vom Leben. Basta.
Nota bene: Zurückweisung tut immer weh. Nach dem ersten Stich kam die Selbstanalyse. Wo lag der Fehler? Meiner, klar.
Erste Erkenntnis: Ich hatte gehofft! Ja, der Stoff, aus dem halbe Bibliotheken voller Herzschmerz sind. Gehofft, dass zwei völlig verschiedene Lebensentwürfe – ihrer und meiner – mal kurz zusammen swingen könnten. Hätte ich Verstand gehabt, hätte ich’s bei Freundschaft belassen. Hätte, hätte …
Späte Einsicht: Ihre Schönheit, ihre Mimik, ihr Blick – der ganze Auftritt – hatten mich blind gemacht. Powerfrau, klug, tüchtig, gradlinig. Nur eines fehlte: der Swing. Die Leichtigkeit. Ich war nicht sensibel genug. Keine Wärme zwischen Frau und Mann ohne Swing. Duke Ellington wusste es längst: „It don’t mean a thing, if it ain’t got that swing.“
Am Ende: Die Götter lieben Stehaufmännchen. Resilienz ist mein zweiter Vorname. Hinfallen, aufstehen – das war schon immer mein Ding. Liegenbleiben? Nie.

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