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Das tapfere Schneiderlein

Von Feierabend-Mitglied Samstag 19.09.2026, 09:47



Es war einmal ein Schneiderlein.
Das -lein deshalb, weil, er war nur sechsundeinviertel Ellen groß, also ungefähr in Metern einsvierundfünfzig.
Und Schneider deshalb, weil, der Berufsstand wurde in Märchen gerne genommen.
Unser Schneiderlein saß also auf seinem Schneidertisch im Schneidersitz in seiner Schneiderwerkstatt oben unterm Dach und besäumte den Ärmel einer Jacke. Und er schaute aus dem Schneiderwerkstatterkerfenster hinunter auf den Marktplatz. Dort war Wochenmarkt.
Zwischen all dem Marktlärm hörte er ab und an das Wort „Mus“ heraus. Da bekam er Appetit. Er suchte und fand sie schließlich. Die Marktfrau mit dem Mus. Er rief sie zu sich hinauf und sagte: „Ich nehme ein Viertelpfund. Und wenn‘s ein Lot mehr ist, ist‘s mir auch recht.“
Die Marktfrau, noch kurzatmig vom Stiegensteigen, klatschte ihm das Viertelpfund auf den Teller. Einige Spritzer gingen daneben.
Das sahen die Stubenfliegen und stürzten sich drauf.
Da hatten sie aber nicht mit dem Schneiderlein gerechnet. Der erschlug sie kurzerhand mit dem in Arbeit befindlichen Ärmel. Als er nachzählte, kam er auf 7. Da wollte er seinen Triumph hinausbrüllen, stellte aber fest, dass niemand da wäre, der ihn hörte.
Er überlegte, wie er der Menschheit seine Heldentat verkünden könnte.
Zuerst wollte er auf sein kurzärmliges weißes Unterhemd hinten eine große „7“ und vorne die Worte „auf einen Streich“ schreiben, ließ das dann aber. Weil ihm einfiel, dass man das ja auf dem Unterhemd nicht würde lesen können, weil er ja über dem Unterhemd noch was andres drüber anhätte.
So würde also das bedruckte T-Shirt erst Jahrhunderte später erfunden werden.
Also nahm er sich einen Reststreifen von dunkelrotem Samt und stickte den Text „7 auf einen Streich“ mit silbernem Garn aus dem Erbe seines Vaters auf den Samt.
Dann zog er seine grüne Hose und das grüne Wams an, setzte das grüne Hütchen auf, band sich die bestickte dunkelrote Schärpe um und stolzierte so durch die Gegend.
Irgendwann sahen ihn die Häscher des Königs und brachten ihn zur Armee.
Sein Ruf war ihm voraus geeilt. Alle fürchteten ihn. Sieben auf einen Streich erschlagen, das kam so oft nicht vor. Dass es Fliegen waren, wusste ja nur er.
Nun ja, die Brüder Grimm ebenfalls.
Nach etlichen bestandenen Abenteuern mit Riesen, Einhörnern und Wildsauen kriegte er die Königstochter zur Frau und das halbe Königreich dazu.n
Richtig glücklich aber wurde er nicht. Nicht mit dem Reichtum und nicht mit der Königstochter.
Mal ein Märchen, das nicht mit Friede-Freude-Eierkuchen endet.

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