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Der Jäger, der sich selber treu blieb

Von tastifix Dienstag 21.10.2025, 13:08 – geändert Montag 27.10.2025, 08:53

Es war einmal ein Jäger, der so ganz anders dachte als andere. Eigentlich hatte er nie diesen Beruf ergreifen wollen, aber dann doch der Familientradition gehorcht. Schon der Großvater, ein sehr reicher Mann, wie denn auch sein Vater beteiligten sich aus Prestigegründen an Jagden. Denn, wer dort mitmachte, outete sich als ein Mitglied der Oberschicht.

Wieder wurde es Herbst, erneut begann die Jagdsaison. Fritz, der Sohn des Hauses und nun junger Jäger, schaute dem mit gemischten Gefühlen entgegen.
„Kranke oder auch sehr alte Tiere zu schießen, kann ich ja noch nachvollziehen. Aber, davon abgesehen, hasse ich es, gesunde Tiere zu töten.“, vertraute er einem Freund an.
„Na ja, in der Wildnis ists doch auch so, dass nur die Stärkeren überleben, also eine Auslese getroffen wird!“
„Fressen und gefressen werden gilt dort. Aber, was wir hier vornehmen, hat mit dem Bestreben, eine Auslese zu treffen, nichts zu tun. Schau doch, wie wahllos Tiere abgeknallt werden. Und dazu kommt noch, dass jene oftmals bei Hetzjagden keine Chance haben zu entkommen!“
„Das klingt ja fast so, als ob Du Dich der Tradition widersetzen wollest?“
„Ja, ich werde diesen Jagdmethoden den Rücken zukehren!“
„Hm, das wird aber der Familie gar nicht gefallen!“
„Mir egal. Mir reicht es!“

Noch am selben Tag eröffnete Fritz es seinem Vater, der empört aufbrauste:
„Wage es ja nicht, Dich da gegen die Familie zu stellen. Falls Du es doch tust, enterbe ich Dich, kannst Du hier verschwinden!“
Sein Sohn schüchterte es nicht ein. Nein, er wäre nicht mehr an derartige, von ihn für unmöglich erachtete gesellschaftliche Zwänge gebunden, die tatsächlich forderten, Mitlebewesen willkürlich zu erlegen nur des Prestige wegen. Je mehr Trophäen, umso besser! Es hob das gesellschaftliche Ansehen im erlauchten Kreis Gleichgesinnter noch weiter an.
„Vater, dann enterbe mich, wenn es Dir wichtiger ist, Deinem Prestigedenken zu frönen als Dein eigener Sohn!“
„Ich gebe Dir noch bis Morgen Zeit, Deinen Entschluß zu überdenken. Blebist Du dabei, dann verlässt Du dieses Schloss für immer und verlierst uns alle!“
Den jungen Mann dort vor ihm blieb weiterhin unbeeindruckt.
´Schrecklich, deren Einstellung! Wenn ich nur überall an den Wänden die Geweihe sehe, auf Kommoden die ausgestopften Tiere, dann dreht sich mir der Magen um. Dies alles hat mit seriöser Jägerei so gar nichts zu tun! Nicht mehr mit mir!“

Am nächsten Morgen teilte Friz seinem Vater mit, dass er seine Etnscheidung nicht zurücknehmen würde.
„Damit stellst Du Dich gegen Deine Familie. Hinaus!!“
Wortlos verließ Fritz den Raum. Mutig seine Überzegung geäußert zu haben, gab ihm kraft, mit der schroffen Zurückweisung klar zu kommen.
Und doch erwartete ihn noch eine Überraschung. Der Freund, mit dem er alles besprochen hatte, war sehr nachdenklich geworden und hatte sich ebenfalls entschieden, sich nicht mehr an jener Metzelei zu beteiligen.
„Fritz, Du hast recht. So darf das nicht sein!“
Angst vor der sie erwartenden vermeintlichen Unsicherheit im Leben hatten sie nicht. Sie konnten ja die ausbildung zum Jäger vorweisen und würden bestimmt die Chance haben, ihren Beruf auszuüben. Aber eben anders!

Die Beiden reisten weit in die Ferne. Ständig froher war es ihnen zumute, nicht nachgegeben zu haben. In einem malerisch zwischen sanften bewaldeten Hügeln gelegenen Tal nahe der Landesgrenze gefiel es ihnen so gut, dass sie sich sagten, es solle ihre neue Heimat werden. Sie machten einen Jagdverein aus, beobachteten kritisch, wie die Jagd dort vonstatten ging und stellten zufrieden fest, dass jene Leute sich gegen die Tiere sehr verantwortungsbewusst verhielten.
„Sie denken ähnlich wie wir!“
Die Beiden freundeten sich mit den Anderen an, die gleeich ihnen jene brutalen Hetzjagden verabscheuten und sich genauestens nach den offiziellen Vorgaben für die Jagd richteten. Es wurden nur so viele Tiere erledigt, dass das natürliche Gleichgewicht bewahrt blieb. Sportschießen war streng verboten.

Fritz und sein Freund beschlossen noch obendrein, nicht allein Jäger zu sein, sondern auch Heger kranker Tiere oder verletzter Tierkinder, die sie vorübergehend bei sich aufnahmen und gesund pflegten. Vielleicht war es ja eine Möglichkeit, das bittere Unrecht, dass der Tierwelt vielerorts angetan wurde, ein wenig wieder wettzumachen. Die beiden jungen Männer verliebten sich, ihre Bräute vertraten die gleiche Auffassung wie sie selber. Als sie dann Kinder hatten, vermittelten sie ihnen genau diese Einstellung und es prägte den Nachwuchs. Keines jener Kinder hätte ja ein Tier gequält oder gar aus Spaß umgebracht.

Einige jahre vergingen. Frsitz dachte kaum mehr an seine Familie, bis er zufällig eines Tages erfuhr, dass sein Vater während einer der Hetzjagden von einem Jäger irrtümlich angeschossen worden und an der Verletzung gestorben war. Jener Jäger hatte ihn, hinter einem Baum eine Bewegung wahrnehmend, wohl für ein dann einfach zu erbeutendes Wildtier gehalten. Eine Trophäe mehr!
Obwohl sie im krassen Streit auseinander gegangen waren, berührte es Fritz denn doch. Er rang mit sich, überwand sich und nahm mit den Geschwistern Kontakt auf. Sie hatten zwar seinen damaligen Entschluss ungehörig gefunden, aber ihren Bruder trotzdem nie vergessen und waren offensichtlich froh, dass er auf sie zukam. Ihnen selber hatte der Tod des Vaters einen tiefen Schock versetzt, sie gleichfalls nachgrübeln lassen. Auch sie hatten sich von jener Art der Jagd distanziert und sich wieder auf den eigentlichen Sinn der Jägerei besonnen.

Mit der Zeit schwand das Gefühl, sich firgendwie fremd geworden zu sein, immer mehr und eines Tages herrschte zwischen ihnen genau die geschwisterliche Zuneigung, die verdeckt immer bestanden hatte. Die Kinder verstanden sich sofort gut. Ja, sie waren wieder als Familie vereint und, so, wie es den Anschein hatte, würde es von dann an immer bleiben und sie fihr ganzes weiteres Leben stets zusammenhalten.
Sie Alle hatten erkannt, wie wichtig es ist, zur eigenen Überzeugung zu stehen!

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