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Der Junge, der anders war (2)

Von tastifix Samstag 11.10.2025, 13:15 – geändert Montag 13.10.2025, 07:00

Einige Tage darauf erfuhr Tobias,dass jene Jugendlichen, die den Mann so achtlos liegen gelassen hatten, in einen Unfall verwickelt worden waren. Zwei der Jungen kamen mit ein paar Schrammen davon, die anderen Beiden mussten mehrere wWochen im Krankenhaus behandelt werden. Doch erging es ihnen immer noch viel besser als Herrn Berner, dem Rollstuhlfahrer. Denn ihnen wurde sofort Hilfe zuteil. Während des Aufenthaltes dort hatten sie genügend Zeit, um darüber nachzudenken, was alles hätte passieren können, wenn ihnen nicht geholfen worden wäre. Es machte sie endlich sehr nachdenklich und führte dazu, dass sie sich ihres damaligen Verhaltens schämten.

Nach der Entlassung aus der Klinik beschlossen sie, sich bei Tobias zu entschuldigen, suchten ihn daheim auf, klingelten und Tobias öffnete. Vor Überraschung fehlten ihm im ersten Moment die Worte. Dann aber:
„W..Was wollt Ihr denn hier??“
„Dürfen wir rein kommen? Wir möchten Dir ewas sagen ...“, murmelten sie verlegen.
Einen Augenblick noch zögerte Tobias:
„Hm, meinettwegen!“
Mark, wohl der Anführer, räusperte sich.
„Es ist nämlich so, dass wir uns bei Dir entschuldigen möcthten. Wir waren sehr fies zu Dir und hätten auch helfen müssen. Nun haben wir ja selber erfahren, wie wichtig es ist, dann Hilfe zu bekommen! Es tut uns so leid!“
„Ja, es war wirklich unmöglich, was Ihr gemacht habt! Aber ich glaube Euch, dass Ihr das jetzt bereut!“
Sie nickten.
„Also, ichätte da eine Idee ...“
„Welche denn?“
„Es wäre noch viel wichtiger, jenem Mann genau das zu sagen ,was Ihr mir jetzt gebeichtet habt. Denn ich war in keiner Notsituation, aber er!!"
„Aber wir wissen nicht, wer er ist und wo er wohnt!“
„Ich aber! Er hat damals den Sanitätern seine Personalien genannt. Er wohnt nur ein paar Straßen entfernt.“
„Und?“
„STja, jetzt ists Eure Entscheidung, ob Ihr auch bei ihm vorsprechen wollt?“
Prüfend sah er sie an.
„Ja, das wollen wir! Und wir werden ihm sagen, dass für uns ein solches Betragen nie mehr infrage kommen wird!“
„Euch kennt er vielleicht nicht wieder. Aber an mich wird er sich erinnern. Ich begleite Euch!“

Am Tag darauf staunte Herr Berner sehr, als vor seiner Tür eine Gruppe Jugendlicher stand. Irgendwie kamen sie ihm vage bekannt vor, aber dann streifte sein BlickTobias und er lächelte erfreut.
„Kommt rein!“
Die Jungen stotterten zuerst ein wenig herum, doch dann redeten sie immer flüssiger. Wie unmöglich sie sich benommen hätten, dass sie selber auch nach einem Unfall im Krankenhaus hätten liegen müsüsen und dass sie sehr nachgedacht hätten.
„Wir möchten uns ausdrücklich dafür entschuldigen!“
Herr Berner musterte die Gesichter vor ihm und blickte dann zu Tobias, der ihm zunickte:
„Damit hab ich wirklich nicht gerechnet, finde es aber gut,dass Ihr gekommen seid!"
„Du hast Dich damals toll verhalten, Tobias!“, sagte er herzlich.
Dann wandte er sich nochmals an die anderen Jungen:
„So, jeder, der sein Unrecht einsieht, hat eine zweite Chance verdient. Also wäre ich einverstanden, wenn wir in Verbindung blieben und uns ab und zu mal treffen würden?“
Erleichtert sahen die Jungen Herrn Berner an. Ihnen war ein Stein vom Herzen gefallen.

Als Tobias und sie sich auf dem Heimweg machten, mahnte Tobias:
„Gut, dass Ihr Euch entschuldigt habt. Herr Berner war beeindruckt.Und: Habt Ihr gemerkt, wie er sich freute?“
Die Anderen nickten.
„Wisst Ihr: Er hätte Euch wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen können. Es ghing ihm ja echt schlecht. Aber er hat es nicht gemacht! Vergesst das nie!“
„Bestimmt nicht, Tobias!“
„Du, wir haben noch eine Frage an Dich: Es wäre schön, wenn wir vielleicht doch noch Freunde werden könnten!“
Tobias Herz machte einen Sprung.
´Sie haben wirklich erkannt, was sie falsch gemacht haben.“`
„Ja, es braucht bestimmt noch etwas Zeit. Aber ich denke, wir schaffen das!!“
Zuhause angekommen, sagte sich Tobias:
„Jetzt weiß ich, weshalb sie manchmal so mürrisch drein schauten. Luxus genießen zu dürfen ist schön. Aber, wenn man für Andere da ist, kann es glücklich machen!“

Von dann an trafen sie sich immer öfter, bis sie nach einigen Monaten fast jeden Tag die Freizeit zusammen verbrachten. Sie waren Freunde geworden und unterstützten sich, wo sie nur konnten. Zu Herrn Berner hielten sie eine herzliche Verbindung aufrecht und besuchten ihn häufig.

Die Freundschaft wurde enger und die Jungen hofften sehr, dass sie weiterhin bestehen würde. Ihr Wunsch erfüllte sich und sie blieben enge Freunde - ihr ganzes Leben lang.

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