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Der Junge ,der anders war (1)

Von tastifix Samstag 11.10.2025, 10:33 – geändert 12.10.2025, 07:14

Tobias wuchs in einem Elterhaus auf, das andere Prioritäten setzte als in der reichen Nachbarschaft meist üblich. Jene Eltern erfüllten dem Nachwuchs jeden Wunsch, egal, welchen, Geld spielte keine Rolle. Sie lebten für ihre Karriere, waren selten daheim und die Hugendlichen sich selber überlassen, was sie weidlich ausnutzten: Teuere Kleidung, Partys, Luxussautos, mit denen sie mit ihren 18 Jahren tatsächlich für die Abiprüfung vor der Schule vorfuhren. Im Luxus schwelgend hatten sie weder Auge noch Ohr für die Sorgen und Probleme Anderer, die nicht so gut gestellt waren. Nein, Hauptsache, ihnen ging es blendend und sie konnten machen, was sie wollten. Keine Vorschriften von Seiten der Eltern. Nichts dergöeichen. Mitgefühl kannten sie nicht. Sie waren rücksichtlose Egoisten geworden.

Tobias Familie war ebenfalls wohlhabend, aber die Erziehung war eine gänzlich andere. Nach Büroschluß saßen sie daheim zusammen, diskutierten stundenlang über alles,was sie am Tag so beschäftigt hatte und an so manchem Wochehenende, an dem Tobias sich mit seinen Feunden mal nicht traf, unternahmen sie gemeinsam etwas. Die eltern förderten sein Itneresse an Kulturellem, Tobias mochte Museums- und Theaterbesuche und Ausstellungen vieleler Art.
Aber seine Eltern legten noch viel größeren Wert darauf, dass Tobias nicht hochnäsig wurde, dass er Mitgefühl für Andere zeigte und hilfsbereit war. Der liebevolle Umgang miteinander daheim trug dazu bei, dass der Junge fröhlich durchs Leben ging und wegen seines herzlichen Wesens viele Freunde fand.

Die Gleichaltrigen aus seinem Viertel hatten kein Verständnis dafür. Wie konnte Tobias ohne die Parties, die teuere Kleidung und auch ohne Auto so zufrieden sein? Sie fingen an, ihm seine Freunde und die Fröhlichkeit zu neiden. Der Neid wuchs und trug fiese Früchte. Trafen sie ihn zufällig, auf der bekam Tobias oft hämische Bemerkungen zu hören.
„Unternimmst ja noch mit Deinen Eltern was! Kein Sinn für wirklichen Sapß!“. höhnten sie und wandten sich ab.
Nein, mit dem Typ wollten sie nicths zu tun haben. Er passte nicht zu ihnen. Sie verkerhten nur mit Jugendlichen, die ein ebenso ausschweifendes Leben führten und dabei genauso wenig gebremst wurden wie sie.
„Wir sorgen uns doch nicht um Andere! Wären wir ja blöd, uns damit zu belasten!“
Ihnen blieben farum nur wenige Freunde, Egoisten wie sie. Tobias verabscheute die Art, wie sie lebten. Aber er beobachtete, dass sie trotzdem unzufrieden wirkten. Er dagegen durfte sich über ciele Freundschaften freuen. Sie alle standen fest zusammen, teilten nicht allein die geistigen Interessen und den Sport miteinander, sondern es war ihnen viel wichtiger, sich gegenseitig zu unterstützen, soweit es eben möglich war.

Direkt hinter dem von Wiesen, Feldern und Wäldern umgebenen Stadtteil wählten sie eine etwas abgelegene Lichtung am Waldrand als Treffpunkt. Dort wähnten sie sich von einigen umstehenden Bäumen vor Neugierigen geschützt und vertrauten sich an, was niemand sonst erfahren sollte. Draußen in der Natur fiel es oft leichter, sehr Piersönliches miteinander zu teilen.

Den Nachbarsjungen fiel es sehr wohl auf, dass Tobias und dessen Freunde sehr oft einen bestimmten Weg zum Wald einschlugen.
„Warum wohl? - Wisst Ihr was? Das will ich jetzt wissen!“, meinte Mark, derÄlteste in der Gruppe. „Die werden sich ärgern, wenn wir dort auftauchen!“
Klar waren die Anderen soofort einverstanden,Tobias nachzstellen.

Wieder mal hockten er und seine Freunde dort im Gras. Einer von ihnen hatte den ersten Liebeskummer und kam nicht damit klar. Die Anderen versuchten erst zu trösten, dann abzulenken und freuten sich, als ihr Freund denn doch ab und zu mal lächelte, sie ihm also ein wenig aus der traurigen Stimmung hatten heraus helfen können. Plötzlich horchten sie auf, sie hatten sich schnell nähernde Schritte vernommen. Wer war dort, wer hatte ihren Rückzugsort ausgemacht? Sie mussten nicht lange darüber grübeln. Schon betraten Mark und seine Freunde die Lichtung und bauten sich hämisch grinsend vor ihnen auf:
„Habt wohl gedacht, hier finden wir Euch nicht? Seelsorgestunde? Ihr spinnt ja! - Kommt, in der City ist nen toller Event angesagt. Davon haben wir mehr!“
Immer noch grinsend, verschwanden sie wieder. Tobias und seine Freunde hatten überhaupt nicht reagiert, sie wie Luft behandelt.
„Das wurmt die gemeinen Kerle am meisten!“
Sie würden sich eben einen anderen Treffpunkt suchen.

Einige Tage danach wanderte Tobias, tief in Gedanken versunken, einen Waldweg entlang. Jener machte eine Biegung und Tobias blieb wie erstarrt stehen. Nur wenige Schritte von ihm entfernt lag ein Mann zusammen gekrümmt auf dem Boden, neben sich einen umgestürzten Rollstuhl. Ohne zu zögern lief Tobias rasch zu ihm.
„Oje! Was ist Ihnen denn passiert? Haben Sie Schmerzen? Kann ich irgendetwas für Sie tun?“
Der Fremde stöhnte kdurz auf:
„Ich hab den Erdhuckel dort vorne nicht rechtzeitig gesehen ... Ich weiß nicht, mein Bein ...“
„Ich bin Tobias. Wie heißen Sie denn?“
„Berner!“
Tobias zücke das Handy, beschrieb kurz, wo genau sie wären und meinte:
“Keine Sorge. Gleich kommt Hilfe!“
„Danke, dass Du das für mich machst.“
„Aber, ist doch wohl selbstverständlich!“, entgegnete Tobias.
„Nein, vor ein paar Minuten ging eine Gruppe Jugendlicher vorbei, Denen wars total egal, wie ich hier liege!“
Tobias war sofort klar, um welche Gruppe es sich gehandelt haben musste.
´Wie kann man nur so sein!?`, dachte er.
Er zog die Jacke aus und bettete Herrn Berners Kopf darauf.

Es dauerte denn doch noch etwas, bis ein Sanitäter eintraf, nach dem Hergang des Unfalls fragte und die Personalien des Verletzten aufnahm.
„Tobias hat sich um mich gekümmert.Vorhin eine Gruppe Jugendlicher überhaupt nicht!“
„Prima gemacht!, lobte der Sanitter.
„Ich nöchte ihn noch bis zum Krankenhaus begleiten“, bat Tobias.
„Aber klar doch. Steig ein.“

-Als sie sich vor dem Spital verabschiedeten, ergriff Herr Berner Tobias` Hand.
„Ich weiß nicht, wie ich Dir danken kann.“
„Ganz einfach!“, lachte Tobias. „Indem Sie ganz fix wieder gesund werden!“
Er machte sich auf den Heimweg und fühlte sich so froh, weil er hatte helfen können. ...

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