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Der Spaziergänger von Sans-Souci

Von ehemaliges Mitglied Montag 23.12.2024, 09:19

Nach der friedlichen Revolution in der DDR und der darauffolgenden Wiedervereinigung „Wende“, wurde mir endlich die Möglichkeit gegeben, den östlichen Teil meines Vaterlandes und die in ihm lebenden Menschen kennenzulernen. Obwohl in den Anfängen noch das Schengener Abkommen galt, das mir vorschrieb, erst 100 km nach Norden zu fliegen, um dann nach Osten abzubiegen, bin ich fast jedes Wochenende von Northeim aus direkt Richtung Osten gestartet, um mein Bedürfnis, ostdeutsche Menschen kennenzulernen, zu befriedigen. Meine Befürchtung, den Fall der Mauer nicht mehr persönlich erleben zu können, war derartig zwingend, dass ich einfach nicht anders konnte.



40 Jahre lang prägte das jeweilige politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche System die Denk- und Verhaltensmuster der Menschen in West- und Ostdeutschland. Die Demokratie im Westen sowie die sozialistische Diktatur im Osten vermittelten unterschiedliche Werte. Auch machten die Menschen in ihren Familien, Kindergärten, Schulen, Universitäten, Beruf und Alltag sowie im Freizeitleben verschiedene Erfahrungen. Dies führte zwangsläufig zu kulturellen und mentalen Unterschieden zwischen West und Ost.

Mit jedem Gespräch, das ich führte, wurde mir klarer, dass nicht nur die Ostdeutschen den Westen aus einer rosaroten Brille betrachteten, mir ging es ganz genauso. Für mich waren alle Ostdeutschen gleich. Erst im Laufe der Zeit wurde mir klar, dass die Menschen, die ich auf Flugveranstaltungen traf, keine normalen DDR-Bürger waren. Es waren die Profiteure des Systems. Die wahren normalen DDR-Bürger saßen in meiner Maschine und ließen sich von mir ihre Heimat aus der Vogelperspektive zeigen. Das waren für mich zwei erkenntnisreiche Jahre. Eigentlich die wertvollsten während meiner fast 25 Jahre als Pilot.

Es entstanden daraus teilweise langjährige Bekanntschaften, an die ich mich immer wieder gerne erinnere.

Eine dieser Mail Freundschaften war für mich besonders prägend.

Es handelte sich um eine Dame aus Potsdam, die in mir den Wunsch geweckt hatte, in diese ehemalige Garnisonsstadt zu ziehen und die mir vorschlug, sie zu besuchen und bei ihr zu wohnen, während ich mir im Waldviertel eine Wohnung ansehen konnte.

Sie war geradezu ein Universallexikon in Sachen preußischer Geschichte. Sie zeigte mir nicht nur ihr Potsdam, sondern und das war das prägende an diesem Besuch, sie war auch in der Lage mir alles über den Schlosspark, das Schloss Sanssouci und über den ehemaligen Herren dieser Kostbarkeiten zu erzählen.

Vor diesem Besuch glaubte ich ausreichend über Friedrich II. informiert zu sein, was im Großen und Ganzen ja auch der Fall war. Danach konnte ich feststellen, dass ich eigentlich meine Wurzeln gefunden hatte. Mir war klar geworden, was mich seelisch, geistig und moralisch mit dem alten Herrn verbunden hatte.

Damals wurde ich zum Preußen und bin noch immer stolz darauf …

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