Die Glasperle
Von
tastifix
Dienstag 20.08.2024, 03:13 – geändert Dienstag 20.08.2024, 08:21
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tastifix
Dienstag 20.08.2024, 03:13 – geändert Dienstag 20.08.2024, 08:21
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Es war einmal ein kleines Mädchen. IEmmi war fünf Jahre alt. hr fehlte es an nichts: Sie hatte liebevolle Eltern, nette Freundinnen im Kindergarten, schöne Kleider und viele Spielsachen.
Eines Tages schenkte die Mutter Emmi eine Glasperle an einem bunten Band. Hielt das Mädchen sie ins Helle, funkelte jene in allen Farben. Kein anderes Spielzeug machte Emmi soviel Freude wie die Perle. Doch barg diese ein Geheimnis:
Eines Tages nach dem Besuch mit den Eltern in einem tollen Freizeitpark schlummerte EWmmi, kaum, dass sie abends im Bett lag, fest ein. Sie lächelte im Schlaf, denn sie hatte viel Schönes und Aufregendes erlebt und zwischendurch hatten ihr die Eltern sogar ein Eis spendiert. Aber es gab noch einen anderen Grund, weshalb sie so froh ausschaute. Den aber kannte nur Emmi. Sie träumte nämlich, eine Prinzessin mit einer Krone auf dem Kopf zu sein und auch, dass die Glasperle nicht mehr nur aus Glas, sondern ein echter blitzender Diamant war. Alle im Schloss, die Kammerzofen, die Diener und selbst die Köche aus der Schlossküche bewunderten den Schmuck. Doch noch viel mehr ihre kleine hübsche Prinzessin mit den riesigen blauen Augen und dem langen blonden Haar.
Während Emmi im Traumland herum spazierte oder auch stundenlang die vielen romantischen Kleider und Schuhe aus den königlichen Kleiderschränken anprobierte und nur noch daran dachte, veränderte der Diamant um ihren Hals seine Farbe. Nicht länger funkelte er hell, dass es fröhlich stimmte, sondern verlor sein Glänzen, bis er schließlich gar nicht mehr schimmerte.
„Prinzessin, Prinzessin, Ihr Diamant!“, riefen die Kammerzofen erschrocken.
Emmi wurde blass und jammerte:
„Mein schöner Schmuck. Der muss doch leuchten!“
Und weinte bitterlich. nein ,es durfte einfach nicht sein! Hauptsache, sie besaß Kleider aus Seide, wertvollen Schmuck und ihre größte Sorge war es, niemals den Diamanten zu verlieren.
Nach einem der langen Ausflüge durch die um ihr Schloss gelegenen Wiesen und Felder rings sank sie abends erschöpft in ihr Prinzessinnenbett mit der rosa Bettwäsche. Um den Hals trug sie wie stets noch die Perle. Aber diese Nacht träumte sie etwas, das ihr sehr missfiel: Ihre Perle, ihr Diamant verwandelte sich in einen unscheinbaren grauer Kiesel, der ständig dicker wurde und dann ganz schwer an ihrem Hals hing. Und dieser hässliche Kiesel konnte sprechen:
„Emmi, Emmi! Gibt es nicht viel Wichtigeres? Ich werde Dir zeigen, wie es in der Welt zugeht!“
Mit weit aufgerissenen Augen starrte Emmi ihn an. Wie konnte der wagen, so mit ihr zu reden? Gegenüber einer Prinzessin wie ihr geziemte sich das nicht.
„Nein, ich bleib` hier in meinem Schloss, in dem alles toll ausschaut und in dem vor allem alles mir gehört! Der Rest der Welt ist mir ega
"Emmi! Ob Du willst oder nicht: Du stehst sofort auf und ziehst dich an!!“. herrschte der Kiesel sie wütend an.
Erschrocken setzte sich Emmi auf. So streng redete sonst niemand mit ihr und nun ausgerechnet ihre einst geliebte Perle. die jetzt so hässlich war. Ärgerlich wollte sie das Band mit der Perle vom Hals streifen, doch es umschloss ihn wie eine bedrohliche Fessel. Eingeschüchtert erhob sich Emmi, schlüpfte in ihr Seidenkleid und zog die königlichen Sandalen an. Kaum stand sie dort fertig angekleidet, zerrte die Halskette sie zum Fenster und hinauf auf die Fensterbank. Die Fensterflügel öffenten sich und Emmi wurde ins Dunkel der Nacht gestoßen.
„Hiiilfe!“, schrie sie, doch niemand vernahm ihr Schreien.
Wind brauste auf und trug Emmi fort. Das Schloss blieb weit zurück wie auch ihr geliebtes Pony auf seiner Weide. Sie flog über fremde Berge und Täler. Nirgends wuchsen prachtvolle Bäume, gab es bunte Blumen und erst recht keine glitzernden Seen wie daheim. Dagegen schaute sie nur auf trostlos karge Landschaften.
Da befahl ihr die Perle:
„Ich verbiete Dir, den Blick abzuwenden! Gleich wirst Du Kinder sehen, völlig abgemagert und halb verhungert, die kein Bett ihr Eigen nennen, sondern auf nackter Erde liegen und sich notdürftig mit ein paar Blättern zudecken. Elternlos und ohne Freunde sind sie froh, wenn sie anderntags noch aufwachen, wenigstens Luft atmen dürfen. Keiner ist da, der ihnen helfen würde!"
Was Emmi sah, war so grausam, dass es endlich ihr Herz rührte.
„Die Armen!“, flüsterte sie.
Unwillkürlich betrachtete sie ihr wunderschönes Kleid. Dabei streifte ihr Blick zufällig den hässlichen Kiesel um ihren Hals. Aber jetzt schien es Emmi, als ob er ein wenig geschrumpft wäre und auch wieder etwas schimmerte. Emmi schämte sich so wie noch nie in ihrem Leben.
„Ich will, dass sie nicht mehr leiden müssen. Was kann ich nur machen?“
Zum ersten Male grübelte sie darüber nach, wie sie Anderen vielleicht helfen konnte.
´Ich hab alles, was ich brauche: Mama, Papa, ein tolles Zuhause. Und jene dort unten haben gar nichts!`
Plötzlich ging ein Leuchten über ihr Gesicht.
„Ich schenke denen meine Kleider und auch Spielsachen. Und dann bitte ich Mama und Papa, dass sie dafür sorgen sollen, dass keines dieser Kinder mehr Hunger und Not leiden muss!”
Eigenartig: Es wurde ihr so warm ums Herz. Sie fühlte sich auf einmal viel glücklicher als wenn sie schon wieder neue Kleider oder Spielzeug bekommen hätte. Zunächst zeigte sich nur ein kleines Lächeln in ihrem Gesicht, das aber schnell zu einem frohen Lachen wurde. Wieder schaute sie auf ihr Prinzessinnenkleid und rief, ohne deswegen etwa traurig zu sein:
"Auch das schenk ich einem der Kinder!!”
Im selben Moment trug sie nicht länger den scheußlichen Kiesel um den Hals, sondern dort leuchtete und blitzte eine Perle, die noch tausendmal schöner glänzte als die, die sie bislang wie einen Schatz gehütet hatte.
„Du hast Dich geändert. Du bist ein gutes Kind!”, lobte diese Perle.
Wieder blies der Wind, doch nun war es eine sanfte Brise, die das Mädchen fürsorglich nach Hause wehte. Niemals mehr würde Emmi vergessen, wie gut es ihr selber ging und was Andere dagegen entbehren mussten.