Der Nagel
Von
tastifix
01.03.2026, 13:27 – geändert Montag 20.04.2026, 07:58
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tastifix
01.03.2026, 13:27 – geändert Montag 20.04.2026, 07:58
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Jim und Max waren damit beschäftigt, in der Galerie Gemälde aufzuhängen. De Nägel wurden so positioniert, dass man keine Nackensteife bekam, wenn man ein Bild betrachten wollte. Bislang hatte alles reibungslos geklappt. Dann aber bekamen sie es mit einem Nagel zu tun, der saich leider als einen extrem bewies. Offensichtlich hasste er den Hammerund krümmte sich weit nach unten. Den Kopf platt gegen die Wand gedrückt. Hing n er dort anklagend erschreckend verunstaltet, nämlich total schief.
„Mist!“, knurrte Jim und Max bestätigte:
„Weißt Du eigentlich, wie lange wir jetzt schon auf den drauf hauen?“
„Probier` diesen hier mal! Muss doch klappen! Gibts ja gar nicht ...“
Jim war es ebenfalls leid.
„Richtig, wenn wir so weitermachen, schaut die Wand gleich aus wie ein Schweizer Käse!“
„Nee, dessen Löcher sind attraktiver!“
Sauer musterte Max die Nagelmissgeburt.
„Uns sollte jetzt sehr fix etwas einfallen. Sonst muss am Ende die ganze Wand neu gestrichen werden!“, meckerte Jim. „Und dies nur, weil wir wohl zu doof sind, einen Nagel richtig einzuhämmern!“
Frustriert gönnten sich sie sich erst mal einen Espresso. Der weckte die Lebensgeister wieder. Ideen wirbelten ihnen im Kopf herum, die sie aber hier nicht umsetzen durften. Daheim dagegen … Nachdem sie so eine Weile überlegt hatten, schaute Jim auf einmal viel entspannter drein.
„Hast Du etwa einen Einfall?“
„Jahaah!“, triumphierte Jim und verriet, wie sie vielleicht das Nagelmalheur vertuschen könnten.
„Wenn Du meinst ...“, zweifelte Max.
„Aber klar doch!“
Die Beiden marschierten in das allbekannte Geschäft mit ´I`, erstanden dort eine Leinwand passender Größe – alle Löcher wären verdeckt - und kauften noch einen großen Töpf Farbe. Am Arbeitsplatz zurück, pinselten sie die Leinwand schwarz-dunkelgrau ein, zogen den krummen Nagel per Zange aus der Wand und zwangen ihn in jenes traurige Grau hinein. Dass er dort dann noch verbogener steckte, störte sie nicht. Hauptsache, er fiel nicht ab!
Dansch schlugen sie zur Probe noch einen zweiten Nagel ein. Wirklich absolut gerade!
Der Erfolg machte mutig und sie hingen die Leinwand an zwei weiteren, gleichfalls völlig akkurat ausgerichten Nägeln auf. Von den Löchern war tatsächlich nicths mehr zu erahnen. Dennoch fehlte noch etwas Wichtiges: Der Titel!
„Ist doch egal! Irgendwas ...“
Tja, aber auch Irgendwas muss einem erst mal einfallen. Sie grübelten wieder.
„Vielleicht einfach: ´Ohne Titel`! Sollen sich doch die Besucher Gedanken machen, was damit gemeint ist!“, grinsten Jim und Max.
Am Eröffnungstag der Ausstellung warteten sie gespannt auf die Kommentare .der sicherlich Kunstbeflissenen. Die Ersten blieben stehen und urteilten:
"Dieses Werk unterscheidet sich extrem von den anderen! - Passt eigentlich gar nicht hierhin, ist aber sehr originell!“
„Genau!“, betonte jemand mit kluger Miene. „In einer anderen Ausstellung habe ich schon mehrere solcher Nagelarbeiten gesehen - echt ungewöhnlich kreativ!“
Inzwischen hatte sich eine kleine Gruppe vor der Leinwand versammelt, der es anzusehen war, dass Alle intnensiv nachdachten.
„Pass auf!“, flüsterte Max Jim zu. „Jetzt wirds interessant!“
„Vielleicht geht’s ja nur um schiefe und gerade Nägel!?“, meinte jemand.
Nein, das klang zu simpel. Jede Darstellung beinhaltet einen tieferen Sinn. Das kannten sie überhaupt nicht anders.
„Oder es soll uns sagen, dass halt manchmal etwas schiefgehen kann?“, sagte der Nächste.
Auch das durfte man so nicht gelten lassen. Jim und Max unterdrückten das Lachen.
„Es steht wahrschinlich für eine sehr negative Aussage, die jedoch noch die Chance der Hoffnung auf Positives zulässt …?“
„Wiiiee??“
„Ja, ich denke, dass ich es ´Úmkehr` genannt hätte! Das bedrohliche Grau, denn der jämmerlich krumme Nagel und auf der rechten Hälfte des Bildes dagegen jener sehr gerade ...“
Nun gab es kein Halten mehr.
„Stimmt ja! Es weist auf die verheerenden Zustände in der Welt hin, ermahnt uns, dass wir noch viel dazu beitragen sollten, dass jene behoben werden können, damit es sich vielleicht noch zum Guten wandelt!"
Für einen Moment herrschte eine fast ehrfürchtige Stille.
„Ja, zum Wohle allen Lebens auf der Erde!“ , waren sich dann Alle einig.
Jim und Max grinsten nicht mehr. Sie waren tief beeindruckt. Soviel Aufmerksamkeit für ihre Nägel! Wow! Und dies, obwohl der erste nur ein Missgeschick und der zweite ein Testmittel gewesen war.