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Die Spinne

Von Feierabend-Mitglied Montag 23.06.2025, 07:17

Die Spinne,
Sandra hatte eine panische Angst vor Spinnen. In der Natur konnte sie diese Tierchen von Weitem anschauen, in der eigenen Wohnung löste schon der Gedanke ein Kribbeln auf der Haut aus und der Atem stockte.
Eines Nachts stand sie auf, um sich aus der Küche ein Glas Wasser zu holen, sie machte Licht.... und blieb wie erstarrt stehen. Mitten auf dem Boden in dem schmalen Gang zum Waschbecken saß sie, groß, schwarz, eine fette Gartenspinne
Sie durfte nicht laufen, sonst würde Sandra Panik bekommen. Fast mechanisch griff sie zu dem leeren Gurkenglas, stülpte es über die Spinne, ohne sie zu verletzen, wechselte kurz das Zimmer und kam langsam wieder in die Balance. Sie schlich in die Küche, schaltete alle Lampen an, nahm sich einen Hocker und setzte sich zu dem gefangenen Tier. Als erstes gab sie ihr einen Namen, das ermöglichte eine innere Kommunikation.

"Spinnfix, du kannst meine Worte nicht verstehen, aber vielleicht fühlst du, was ich dir sagen will. Ich möchte, dass du in Freiheit lebst und doch habe ich eine tiefe Angst, dein Gefängnis hochzuheben. Du würdest sofort entwischen und der Gedanke allein lässt mich zittern."
Alte Bilder stiegen in Sandra auf, sie sah ihren Vater, wie er mit Strenge und Kälte versuchte, ihr diese Panik auszutreiben. In der Wohnung im Parterre gab es häufig Spinnen. Er holte Sandra nachts aus dem Bett und ließ die Spinne, an den Beinen haltend, über ihre Arme und Beine laufen. Wenn sie zitterte oder schrie, dann kam er mit dem Tier ihrem Gesicht ganz nahe. So lernte sie, diese Angst tief in sich zu verstecken bis zu dieser Nacht.
Sandra lenkte ihren Blick auf das Glas, Spinnfix saß in der Mitte, genau so starr, wie ihre Bewacherin. "Ja, ich habe Angst, und Du sicher auch. Ich werde Dir deine Freiheit geben, aber bitte hab Geduld, ich kann noch nicht. Ich weiß, du kannst kunstvolle, stabile Netze weben und wenn Gefahr ist, dann gehst Du in die Mitte Deiner Wohnung und harrst aus, bis sich die Gefahr legt. Du befreist uns von einigen lästigen Insekten und nimmst trotz aller Gefahren deinen Schöpfungsauftrag wahr. Du bist ein kostbares Wesen auf dieser Erde, ich wünsche mir so sehr, dass ich von Dir lerne." Sandra, brauchte noch eine Weile, ging auf den Balkon und atmete die frische Nachtluft. Mehrmals schlich sie in die beleuchtete Küche, hob das Glas ganz leicht an, damit Spinnfix nicht erstickte. Sie redete beruhigend mit ihr bis sich in ihrem Körper eine wohltuende Wärme ausbreitete. Endlich fühlte sich Sandra stark genug, zog ihren Morgenrock an und trug die Spinne in dem Glas nach unten in den nächtlichen Garten. Lebwohl und nimm meine Angst mit und übergib sie dem Kosmos.Sie beobachtete noch, wie Spinnfix im Gras verschwand und fühlte sich befreit, so. als wäre sie selbst gefangen gewesen.
@roshni

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