Die untote, tote Oma (3)
Von
tastifix
Freitag 24.04.2026, 07:31
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tastifix
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In einer kurzen Schnatter-Atempause erinnerte sich Oma des Grundes ihrer nächtlichen Zusammenkunft:
„Kinder, schon halb Eins! Los, jetzt wird gearbeitet!“
„Wie??“, fragte unsere Tochter.
„Mach` Dir keine Sorgen, Kind! Deine Wohnung wird himmlisch werden!“
Amalie verschwand in die Küche, Esmeralda, Tusnelda, Minna samt Oma blieben im Wonzimmer. Katharinas Verstand geriet arg in Panik, denn aus der Küche schepperte und klirrte es fürchterlich. Dann wirbelten die Vier durchs Wohnzimmer, derweil sie daneben stand.
„Oma, was soll das?“
„Kind, aufräumen und vernünftig sortieren. Dieses Chaos auf Deinem CD-Regal. Tz, tz!“
Katharina war sauer. Die meisten der CDs stapelten sich in irrem Wirrwarr auf dem Boden. In den Fächern aber wurden Himmelschor- sowie Trompetenkonzert-CDs ordentlich aufgereiht und zwischen je zehn von denen standen kitschige Engelsfiguren oder lagen Heiligenbilder.
„Hiilfe!“, japste unsere Tochter.
„Sind wir ja bereits dabei!“, tröstete Oma.
„Und gleich schon fertig!“, erklärte Esmaralda.
Währenddessen widmete sich Tusnelda den Umräumarbeiten in den diversen Schubläden. Katharina platzte:
„Was fällt Euch eigentlich ein? Dies ist meine Wohnung!“
„Du wirst uns noch dankbar dafür sein!“, belehrte diese sie. „Übrigens hat Amalie soeben deine Küche auf Vordermann gebracht.“
„Abaa ...“, wandte Katharina wütend ein.
„Nix aber!“, antwortete Oma, schanppte sich die Enkelin und zog sie resolut gen Schlafzimmer.
Dabei murmelte sie geheimnisvolle Worte. Es klang fast ähnlich wie:
„Hex, hex, Kartoffelbrei!“
„Quatsch! Oma ist nicht die kleine Hexe und Walpurgisnacht haben wir auch nicht!“
Soviel jedenfalls war Katharina in all dem Unklaren immerhin noch klar.
„Na, cool, nüch?”
Mit dem Schlimmsten rechnend, spähte unsere Tochter vorsichtig im Schlafzimmer umher. Die Nippes in den Ecken regten sie schon nicht mehr auf, auch nicht die Bettwäsche, obwohl ... Oma hatte die Sting-Bezüge gegen wahrlich extra aparte Ausgaben ausgetauscht. Sowohl auf dem Kopfkissen als auch auf der Decke prangte ein Gruppenbild mit vier Damen.
Gerade wollte Katharina gegen Omas Eigenmächtigkeit protestieren, als ihr Blick das riesige Sting-Plakat über ihrem Bett streifte. Die
vier Ecken des Bildes schmückten Kerzen tragende Engel.
´Ach herrjee!!`
Was sie aber dagegen tief beeindruckte, war Stings Outfit. Auf seinem Gesicht lag ein seliges Lächeln, das hervorragend zu dem riesigen Heiligenschein über seinem Kopf passte.
„Wow!!“
Katharina landete prompt im sechsten Sting-Himmel.
„Super, nüch!?“
„Ach, Oma, einfach himmlisch!!“
Unverwandt und wie entrückt sah Katharina Sting an. Leider fiel ihr dann etwas auf: Stings Heiligenschein glänzte anders als Omas nur schwach.
„Wieso das??!“
„Man soll es mit dem Schwärmen nicht übertreiben!!“
Katharinas Verehrung für ihre Oma erlitt einen erheblichen Knacks.
Von der Kirchturmuhr schlug es ein Uhr.
„Schnell, wir müssen zurück!“, drängte Oma.
Die fünf Freundinnen rafften rasch ihre Gewänder, kontrollierten nochmals den ordnungsgemäßen Sitz der Heiligenscheine und strichen Katharina zum Abschied liebevoll übers Haar, zuletzt dann Oma.
„Den Rest erledigen wir noch!“, meinte sie fröhlich.
„Soll das etwa heißen, dass Ihr morgen ...?“, forschte Katharina nach.
Oma überhörte es einfach.
„Tschüss Kind und grüß` zuhause!“
Und schon war die himmlische Truppe verschwunden.
Benommen torkelte Katharina ins Bett, erinnerte sich an ´Wenn was ist, ruf an!` und griff zum Telefon:
„Mama, Oma war hier. Ich soll Euch grüßen ... !“