Disput mit dem Christkind
Von
tastifix
Samstag 29.11.2025, 20:07
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tastifix
Samstag 29.11.2025, 20:07
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Der Weihnachtsmann war schwer sauer. Bereits seit Tagen plagte sich der uralte Herr mit der Geschenkpaketeflut herum, schleppte diese tonnenweise aus der himmlischen Lagerhalle zum Schlitten und schichtete sie auf den selbigen. Das war ausgesprochen anstrengend und entlockte dem graulockigen Gesellen so manchen Seufzer. Was geschähe, falls sich während des wilden Galoppes seiner Rentiere Mac und Frisbie jene Päckchen verselbständigten und ihre Reiseroute selber bestimmten? Unter Umständen bekamen dann die Eskimos Badehosen und die Äquatorianer Skier.
„Na ja!", murmelte der Heilige, "vielleicht würden die Badehosen denn im Iglu- und die Skier im Urwald-Freilicht-Museum landen und so zum gegenseitigen Gedenken beitragen."
Mac und Frisbie schielten nach Stunden des Aufladens all dieser Gaben mittlerweile ziemlich deprimiert auf das Geschehen.
„Na toll!", meckerte Frisbie los. "Da erwartet uns ja ein regelrechtes Trimm-dich-Programm!"
Sein Kamerad Mac hielt sich mit seiner sehr passenden Antwort zurück, um all die trotz himmlischer Adventshektik noch verbliebenen Energien für den bevor stehenden Leistungssport aufzusparen. Der Weihnachtsmann hievte gerade zwei größere pPakete auf den bunten Raschelberg vor ihm, da machte es auf der anderen Seite laut vernehmbar ´Platsch und die Pakete waren weg. Weil er sich als Himmelsbewohner meist lupenreinen Gewissens niemals erlaubt hätte, so nach Menschenart zu fluchen, bemerkte er nur ziemlich ironisch:
"Das war es dann wohl. Düsseldorf bekommt zwei Pakete weniger!"
Die Mühe weiterer diesbezüglicher Überlegungen vermied er, um gleichfalls seine Kräfte für die baldige Weltreise durch die Galaxien aufzusparen.
„Nooch nicht alles...?", entfuhr es Mac, als der Schlitten schon fast aus den Kufen brach.
Ein strafender Blick des heiligen Mannes ließ das kecke Rentier sofort verstummen. Die Plackerei fand erst dann ein Ende, als vor Gaben kaum noch der Schlitten wie auch die beiden Rentiere noch der himmlische Paketpostbote zu sehen waren.
Nun war noch die abschließende Überprüfung durch das Christkind zu bestehen. Der Weihnachtsman mochte nicht daran denken, denn dieses Kind war äußerst kritisch und hielt, wenn ihm etwas nicht passte, mit Vorhaltungen so gar nicht hinterm Berg.
„Ihr haltet Euer Maul!", warnte der Heilige seine beiden vierbeinigen Helfershelfer. "Wehe, Ihr erwähnt die zwei fehlenden Geschenke, dann gibt’s kein Weihnachtshaferbüschel."
Empört bedachten ihn Mac und Frisbie mit wütenden Blicken. Die fielen dermaßen vernichtend aus, dass er, jätte er sein Erdendasein nicht bereits lange hinter sich gehabt, auf der Stelle sein Leben ausgehaucht hätte. Doch eingeschüchtert, wagten sie denn doch keine freche Antwort, vielleicht aber auch nur aus dem Grund nicht, weil sie keinesfalls auf die weihnachtliche Schluckerei zu verzichten gedachten. Auch Rentiere kennen taktisches Verhalten.
Kurz darauf erschien das Christkind, wie immer in einem strahlenden Licht und versehen mit dem obligatorischen doppelrandigen Heiligenschein, wie er eben nur ihm zustand. Der Weihnachtsmann konnte sich eines etwas unhimmlisch gehässigen Gedankens nicht erwehren:
"Der schaut aber zimlich mitgenommen aus. Ob das Christkind vielleicht auch unter Stress steht?"
Leider erlag er in jenem Moment einem gefährlichen Blackout. Das heilige Kind war ja fähig, alle Gedanken seiner menschlichen und noch mehr der überirdischen Heerscharen zu lesen. So reagierte es entsprechend entrüstet:
„Was fällt Dir ein?! Wie kannst Du nur meinen Arbeitswillen und meine Tüchtigkeit in diesen wichtigsten Wochen vor meinem Geburtstag anzweifeln? Geht ja gar nicht, sowas! Denn schließlich will ich an diesem bedeutenden Termin alle glücklich sehen!"
Der Agnsprochene schrumpfte innerlich immer mehr, so dass ihm beinahe die Bommelmütze vom Kopf gerutscht wäre. Aber reaktionsschnell, wie er war, fing er sie auf und rettete sich so vor einer schrecklichen Blamage. Ein Weihnachtsmann ohne seine berühmte Bommelmütze, niemals!!
Das Christkind begutachtete den Schlitten, schob hier und dort etwas zurecht und stutzte:
„Wo sind die zwei Fahrräder für die Düsseldorfer Radschläger geblieben? Ausgerechnet die haste verloren! Mit denen wollte ich deren Auftritte in der City etwasf zeitgemäßer gestalten."
De, Weihnachtsmann schlotterten wegen dieses heftigen Vorwurfes nicht nur die Knie, sonidern dann, viel blamabler, die Hirmwindungen, so dass es zu keinem vermünttigen Gedanken und deshalb auch zu keiner passenden Erwiederung kam.
„Nuun?", forschte das himmlische Kind nach, dessen Heiligenschein sich vor Ärger zu krümmen begann.
Es gab Dem Weihnachtsmann den Rest. Kleinlaut suchte er verzweifelt nach einer Antwort, die das Christkind vielleicht wieder versöhnlich stimmen könnte.
Weil es einer der letzten Tage vor vor seinem Ehrentag war, verzieh es seinem Diener gnädig und entwirrte gütig dessen Denkapparat. Prompt sah der sich wieder in der Lage, vernünftig zu denken und gab denn auch endlich Antwort.
„S..Sieh` mal", begann er noch ein wenig kläglich, „es hat doch auch sein Gutes ..."
Des heiligen Kindes Heiligenschein genoss diese doch schon recht kluge Bemerkung und glättete sich zusehens. Darob ausgesprochen erleichtert, fuhr der Weihnachtsmann, bereits wetaus mutiger, mit fester Stimme fort:
"„Zwar landen die Dinger jetzt nicht dort, wo sie hin sollten, aber stattdessen vielleicht auf dem Mars bei den Marsmännchen. Die werden dann fast himmlisch fix unglaublich schlau, der marsianische Fortschritt macht daraufhin in mindestens verdoppelter Rentiergaloppgeschwindigkeit einen irren Sprung vorwärts. Auf diese Weise tragen wir beträchtlich zur Förderung der galaktischen Völkerverständigung bei."
Das Christkind war baff. Was nämlich seine spätere Allwissenheit an ging, hatte es noch etwas hinzuzulernen, war ja noch ein Kind. Eine dermaßen originelle Äußerung hatte es darum dem Weihnachtsmann gar nicht zugetraut.