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Ein missratenes Gespensterkind

Von tastifix Samstag 30.05.2026, 18:36

In einem feudalen Schloss lebte hinter den Wänden des Ballsaales in einer mindestens ebenso feudalen Geisterwohnung die Gespensterfamilie Stöhnwürg. ´Stöhn`, weil Papa Gespenst so toll seufzen konnte wie kein anderes 1m weiten Umkreis und ´würg` weil zum Leidwesen der ganzen Verwandtschaft der kleine Sohn ´Spuck` an dem Würgsyndrom litt, dass sich stets bemerkbar machte, wenn dieses untypisch veranlagte Untotenkind sich etwa besonders gespenstertypisch verhalten sollte.

Eswar Hopfen und Malz verloren. Der Kleine brachte keine einzige Untat zustande. Bei jedem verzweifelten Versuch, böse zu sein, endete es immer damitz , dass er schrecklich würgte. Seine Eltern huschten nachts mit ihrem Sprössling durch die Schlosskeller von einem untoten Arzt zum nächsten, doch keiner wusste einen Rat.

Schließlich versprachen sie Klein-Spuck das Blaue vom Gespensterhimmel herunter wie eine tolle Ritterrüstung ohne Helm und letztendlich, weil nichts fruchtete, ein wahnsinnig schickes Gespensterauto mit drei Hupen und vierzehn Rädern nur für ihn ganz allein. Bei jenem Angebot geriet die bisher so unanständig anständige Haltung ihres Sohnemannes plötzlich beträchtlich ins Wanken.
´Ich will es aber erst sehen, bevor ich dann ... “
„Blöd ist der nicht!“, gestanden sich Mama und Papa Gespenst zu.
„Und Du versprichst uns, heute Nacht etwas wirklich Schreckliches anzustellen?“
Beim Gedanken an das Auto nickte Spuck immer williger.

Deshalb durfte der Kleine nach dem Sonnenuntergang mit seinem Papa zum drei Schlösser weit entfernten Geisterautohaus fliegen. Spuck kam aus dem Staunen nicht heraus, was er dort alles entdeckte. Autos, die auf ein Handzeichen hin wie verrückt im Kreis herum sausten und deren Motoren, wie es sich dabei für echte Geisterautos geziemte, aufheulten wie mindestens zehn erwachsene Meistergespenster auf einmal. Außerdem stanken sie pflichtgemäß echt grauenhaft nach Benzin.
Manche Fahrzeuge schussen ßen auf Befehl Purzelbäume am laufenden Band und andere wiederum brausten sogar durch dickes Mauerwerk hindurch, ohne sich dabei etwa eine Beule noch die geringste Schramme zu holen. Vor ihnen war nichts sicher.

Spuck quengelte seinen genervten Eltern so lange etwas vor, bis die, besorgt um die Gespensterfamilienehre, einwilligten und ihm mit furchtbar vielen, zerknitterten Geistergeldscheinen ein solches Horrorgefährt kauften.
„Aber vergiss nicht: Du darfst auf keinen Fall irgendwelche Verkehrsregeln beachten. Sonst landest Du im Geistergefängnis!“

Das giftgrüne Riesengeschenk brachte den Kleinen tatsächlich zur Räson. Erleichtert beobachteten Papa und Mama Stöhnwürg in dieser Nacht, dass Spuck wohl endlich Unvernunft angenommen hatte. Wie ein wild gewordener Handfeger raste er mit seiner Karre kreuz und quer durchs ganze Schloss, riss dabei die gesamte Ahnengalerie des Schlossherrn von den Wänden, schleuderte das wertvolle Mobiliar durch die Luft und schoss wie ein Düsenjäger durch die zerklirrenden Fensterscheiben.

Alles zusammen machte es ein solch entsetzliches Getöse, dass selbst die erwachsenen Gespenster sich ihre Nebelohren zuhielten oder sich Kopfhörer aufsetzten, weil sie es denn doch vorziehen, sich stattdessen von einer zwar gruseligen, aber denn doch bei weitem nicht dermaßen schaurigen Geistermusik unterhalten zu lassen.
„Junge, prima!“, lobten Papa und Mama Stöhnwürg und platzten fast vor Stolz. „Er ist geheilt! Wenn er so weiter macht, wird er eines Tages ein Oberprofessorgespenst wie sein Onkel Buhuuh!“
Allein bei dem Gedanken daran rollten vor allem seiner Mutter gespenstische Freudentränen übers Gesicht.

Dreihundert Jahre später stdand im ganzen Land keine einzige Schlossruine mehr. Das ehemals aus der Art geschlagene Gespensterkind war zu einem extra tüchtigen Gespenst heran gewachsen, hatte sich als Prüfungsaufgabe zur Ernennung zum Oberoberprofessorgespenst der Zerstörung aller Prunkgebäude weit und breit gewidmet und seine Arbeit dermaßen ungewissenhaft erledigt, das kein Stein auf dem anderen geblieben war.

Am Tage seiner feierlichen Stöhn-Röchel-und-Schepper-Ernennung zum obersten Gespensteruniversitätsleiter der Universität ´Stirb-vor-Schrecken` asaßen seine Mama und sein Papa sowie sämtliche Verwandten in der ersten Reihe im Publikum und hätten sich vor Begeisterung beinahe halbtot applaudiert, wenn sie es denn nicht ohnehin schon gewesen wären.

Als Anerkennung für seine gruseligen Verdienste durfte ´Spuck` sich in ´Gräuelmonster` umbenennen, die denkbar größte Ehre für ein Gespenat. Das Familienansehen war gerettet, die Gespensterwelt wieder in bester Ordnung.


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