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Ein schwingendes Leben (4)

Von tastifix Dienstag 18.03.2025, 07:10 – geändert Dienstag 18.03.2025, 07:30

Anderntags betraten bereits frühmorgens zwei Bereits Frauen, eine ältere und eine junge, das Geschäft. Sie hatten viel Ähnlichkeit miteinander:
„Bestimmt Mutter und Tochter!“, vermuteten wir.
„Du, Isa, das ist die Chance! So, wie die aussehen und gekleidet sind, kaufen sie garantiert nicht diese doofen Latschen von gegenüber. Die suchen etwas Schickes!“
Und richtig! Das junge Mädchen sah sich alle Schuhe an. Sein Blick blieb an uns hängen.
„Mutti, guck`mal, die gefallen mir! Hoffentlich passen sie mir!"
„Klick, klick!“, machten wir jetzt beide aufgeregt.
Der Schuster zwinkerte uns unauffällig zu. Sofort nahmen wir noch mehr Haltung an als ohnehin.
„Ist denn der Absatz nicht ein wenig zu hoch!?“, zweifelte die Mutter. „Nicht, dass Du beim Tanzen etwa umknickst!"
„Mutti, für Walzer brauch` ich solch hohe Absätze. Alles Andere sieht nicth aus!“

Jetzt wurde es spannend. Das Mädchen probierte uns an. Wir schmiegten uns geschmeidig um ihre Füße.
„Nimm uns!“, flehten wir insgeheim.
Sich hin- und her drehend besah es sich im Spiegel:
„Die sehen todschick aus! Die will ich!“
Damit bestätigte sie unsere Meinung über unser Äußeres sehr ausdrücklich. Zufrieden meinte ich:
„Belle, die ist klug. Die hat erkannt, wie schön wir sind!“
Zudem passten wir wie angegossen. Ja, mittlerweile schlug unser Selbstwertgefühl Purzelbäume. Wir landeten in einem weich gepolsterten, angemessen schicken Karton und dann in einer hübschen Einkaufstüte.
„Macht`s gut, Ihr Zwei!“, verabschiedete sich der Schuster noch von uns, aber das bekamen wir nur noch so am Rande mit.

„Gleich daheim übst Du am besten noch das Trippeln auf diesen Stelzen, damit Du Dich an die Absatzhöhe gewöhnst, Michaela. Bis Samstag ist es ja nicht mehr lang!“, riet die Mutter.
„Isa: Michaela also heißt sie!“, flüsterte mir Belle zu. „Ein hübscher Name!“
Aber hübsch fanden wir sie sowieso.

Das neue Zuhause gefiel uns sofort. Garantiert schützten uns unsere zwei Vornamen und dass wir sogar ´von` hießen, davor, uns zusammengepfercht mit -zig anderen Schuhpaaren (übrigens fast alles ordinäre Treter!) die Enge in dem winzigen Abstellraum hinter der Haustür teilen zu müssen. Unter den missgünstigen Blicken jener gemeinen Schuh-Armada trug uns Michaela in ihr Zimmer. Kritisch schauten wir uns um und befanden die eEnrichtung für Prinzessinnen wie uns als passend. Begeistert geradezu waren wir von dem schmucken Standspiegel.
„Den nutzt Michaela dann für die Modenschau und wir werden stets dabei sein!"

Michaela wollte nicht mehr abwarten, erwarten, uns wieder an den Füßen zu spüren, streifte uns über und tänzelte vor dem Spiegel herum.
„So, jetzt üben wir ´drehen`!“, bestimmte sie.
Zunächst gefiel es uns ganz gut, aber dann rutschten uns fast die Sohlen weg vor Schwindel.
„Isa, Belle, so ähnlich wird es am Samstag sein. Nur drehen wir uns dann noch viielschneller!“
Michaela strahlte nur so.
„Hm, oh ... oh!“, machten wir, weil wir plötzlich zweifelten, was wir davon halten sollten. Sichcherheitshalber ließen wir es uns aber nicht anmerken.
„Hach, wird das schöön!!“
Michaela wirbelte im Kreis und sang dabei lauthals:
„La, la, la, lalala, la, laala, la, la . ….“
Ach, herrjee! Es klang verdächtig nach Kaiserwalzer und der daeurt. Unsere Vorfreude auf das große Ereignis schwand zunehmend.
´Was da wohl auf uns zukommen wird?`, überlegten wir bange. ...

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