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Eine Demo im Himmel (1)

Von tastifix Samstag 23.11.2024, 00:10 – geändert 24.11.2024, 07:18

„Was ist denn mit Euch?“
Erzengel Raphael war beunruhigt. Anstatt dass die Jungengel, die Engelschulkinder und auch die Jüngsten aus der Kita in der Backstube mit Freude Manna und Plätzchen buken, guckten die dabei ausgesprochen mürrisch drein. Einige gammelten gar nur so herum.

„Also, was ist los?"
Schweigen.
„Keine Antwort!? Das ist ja wohl ...“
Anjo, eines der Schulkinder, maulte:
„Für uns gibts immer nur Manna!“
Erschrocken sahen ihn alle an. Sie selber hätten nie gewagt, sich darüber zu beschweren.
„Du vergisst wohl total, welch köstliche Speise es ist, ja?“, bekam er zu hören.
„Na ja, ist ja auch lecker, aber nie ...“
„Seid lieber dankbar, dass Ihr sowas Tolles essen dürft. Unten auf der Erde verhungern Menschen. Die wären selig, wenn ihnen Manna spendiert werden würde.“
„Aber wir möchten zwischendurch gern mal etwas Anderes knabbern!“, beharrte Anjo und die Anderen nickten.
„Und Wein dürfen wir auch nicht!“, meckerte Elino, ein Jungengeel.
„Das fehlte noch gerade: Ihr Alle betrunken!!", brummte Raphael. "Chef würde irre wütend werden! - Alkohol hat er hier strengstens untersagt!“
„Er würde uns zur Strafe in die Esel- und Ochsenställe stecken. Die müssten wir dann ausmisten!", knurrte Elino.
Mit Grausen erinerte er sich, dass er es vor Jahren mal hatte machen müssen,bweil er zu keck gewesen war. Ihn hatte nach jener Mammutarbeit ein extrem fieser Muskelkater gequält und jeder Flug war zur Tortur geworden.
"Nie wieder!!", schwor er sich.

Elino schreckte hoch. Lino, der pfiffigste der Jungengel, verriet gerade lautstark:
„Ich hab ´ne Idee … “
Gespannt horchten alle hin. Denn dessen Einfälle waren meist super.
„Vielleicht sollten wir eine Demo starten ...“
„Nee, Demos sind sind hier doch auch verboten!“
Aber irgendwie ließ sie der Gedanke daran nicht los. Ein zweiter Jungengel meldete sich:
„Wie denn dann? Etwa mit Plakaten und so?“
„Au ja“, begeisterte sich Kita-Engelchen Gela. „Das wird lustig! Und auf die malen wir: Wir wollen nicht immer nur Manna und auch mal ganz andere Kekse als backen als sonst!"
„Und Schokolade schluckern!“, ergänzte ein Anderes.
´Aber nicht die aus Dubai!´, dachte Raphael. ´Egal! Die könnten wir sowieso nicht bezahlen, haben ja kein Geld!`
Und bestimmte streng:
„Hier oben wird nicht protestiert. Ist das klar!?“
„Hmm, ich wüsste aber, wie wir das trotzdem machen könnten ...“
„Willst Du Ärger mit unserem Chef riskieren?“
„Nee, krieg ich nicht. Würde ja nur eine ganz liebe Demo!“
„Demos und - lieb? Gibts nicht!“
„Ud ob es die gibt!“, trumpfte Anjo auf.
Die Anderen grinsten:
„Der hat zuviel Fantasie!“

„Na, dann sag mal: Wie stellste Dir denn die vor?“
„Auf die Ecken der Plakate malen wir Blümchen und kleben dann in die Mitte bunte Buchstaben: ´Bitte, lieber Gott, Manna ist zwar lecker, aber wir würden gerne auch ab und zu etwas Adneres futtern. Und auch auch mal ganz andere Kekse als sonst immer backen. Wäre so schön! Ganz viele Heiligenbilder-, Esel- und Ochsenkekse und sie den Menschen bringen, damit die auch welche haben ... Oder vielleicht sogar das Jesuskind backen ... ?"
“Das meinste jetzt aber ncht wirklich, ja? Jesus als Keks?? Geht ja gar nicht!"..entrüstete sich Raphael.
„Warum eigentlich nicht?“, fragte Elino. „Immer, wenn die Menschen in der Kirche ein Plätzchen spendiert bekommen, essen sie ihn ja auch!"“
„Wie biittte??“
„Na ja, in dem ist doch dann Jesus drin!"

Der Erzengel verbiss sich nur mit Mühe ein Grinsen und kratzte sich ratlos am Kopf. Wie bloß sollte er dem Kleinen das jetzt erklären?
„Du, das ist ganz anders. Sag ich Dir später mal!“ ...“ -´Chef, mehr ist mir so schnell nicht eingefallen. Verzeih!`
„Gebongt, mein Kind! War ja immerhin doch etwas!“

Erleichtert konzentrierte sich Raphael erneut auf die Pflicht, die Kleinen möglichst fix von der Demo-Idee abzubringen.
„Nee, wir wollen das aber! Wir schreiben auch drauf, dass wir den Menschen ganz viele dieser Heiligenbilderkekse schenken wollen! Und dass die sich bestimmt doll darüber freuen!"
´Insbesondere Manche dann, wenn sie den Heiligen die Köpfe abbeißen!`, dachte Raphael, inzwischen ziemlich genervt. ´Kein Wunder bei diesem Zirkus heute! Obwohl ja hier, zumindest offiziell, ausschließlich Freude und Gelassenheit herrschen!`
´
Er beschloss, doch besser Gott um eine Audienz zu bitten und mit ihm jenes Problem zu erörtern.
´Dient ja unserer Absicherung!`
Laut verkündete er:
„Also, Kinder: Ich marschiere jetzt mal zum Chef! Vielleicht ...“
Ihn trafen verblüffte Blicke. Dass Raphael nett war, wussten sie ja schon seit jeher. Aber - dass er sie jetzt tatsächlich sogar unterstützen wollte … Damit hatten sie nicht mehr gerechnet. ...

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