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First Love

Von Feierabend-Mitglied 04.05.2025, 10:59 – geändert 04.05.2025, 11:58

Luca war der Sonnyboy unserer Clique. Wir lagen auf der Sonnenbank im Stadtbad. Luca wirkte gelangweilt – ich hoffnungsvoll, wollte so aussehen wie er, aber mein Teint spielte nicht mit.
Luca war sechzehn, braun und wortgewandt – ich das genaue Gegenteil: vierzehn, blond und blass.
Ich glaube, er mochte mich, weil ich keine Konkurrenz war.

Lucas’ Dauerthema waren Mädchen. Sie würden nur darauf warten, erobert zu werden, meinte er. Ich hätte ihn gerne einen Angeber genannt, aber die Erfolge sprachen für ihn. Er verriet mir pikante Einzelheiten, als wären sie das Normalste auf der Welt. Vieles kam mir absurd vor – trotzdem glaubte ich ihm.

„Zeit, dass du dir eine Freundin zulegst”, sagte er.
„Was?“
„Ein Schnuckelchen. Herrgott! Rührt sich bei dir denn gar nichts?“
„Du spinnst doch”, schrie ich.
„Bist du etwa von der anderen Fakultät. Bist du nicht, oder?“
„Natürlich nicht, du Affe!”
„Reg’ dich ab, Ferdinand. Es macht einfach mehr Spaß, wenn Mädels im Spiel sind.“
„Welches Spiel?“
„Egal. Hauptsache man spürt sich. Körperkontakt, verstehst du?“
„Natürlich, eh klar”, log ich.

Der hat leicht reden, so wie der ausschaut.

„Komm, wir machen eine Informationsrunde.“ So nannte Luca das.

Zwischen Nussöl und Chlorwasser glitten wir vorbei an kichernden Teenies, die ihn anhimmelten. Ich dachte: Der kennt mehr Mädchen, als ich Vokabeln.

Dann - Spielwiese. Und da stand sie: Andrea. Meine heimliche Liebe.

Beim Anstellen an der Kasse hatte ich sie einmal angesprochen. Dabei fiel mein Blick auf ihre Saisonkarte. Andrea Paulus, stand da in Blockschrift. Burggasse 10. Ich kannte das elegante Haus. Ziemlich vornehme Leute, dachte ich und hatte resigniert. Ich kam aus dem Arbeiterviertel.

Aber diesmal ging ich los – und hatte vor Aufregung vergessen, was ich Andrea sagen wollte. Sie spielte mit zwei anderen Mädchen Federball. Während ich noch krampfhaft überlegte, flog ihr Ball auf das Kabinendach. Das war mein Glück.

Ich sprach im Plural, meinte aber in Wahrheit nur Andrea: „Grüß´ euch, kann ich helfen?“
„Oh, das wäre lieb von dir!”, sagte sie und strahlte mich an.
„Kein Problem.“
Zu Luca sagte ich nur: „Räuberleiter!“
„Was …?”
„Eine Räuberleiter, Menschenskind! Ich brauche deine Arme als Leiter.“
„So?“
„Ja, genau so. Ich steige jetzt auf deine Schulter.“

Ich ahnte, dass er sich vor Schmerz auf die Zunge biss, als ich mich von ihm mit einem Ruck abstieß und die Dachkante erreichte. Eh klar, dachte ich, tausend Weiber im Kopf, aber als Praktiker eine Null. Kein Schmalz in den Muskeln, dieser Schönling. Dann warf ich den Federball vom Dach. Luca hielt ihn wie eine Trophäe hoch und forderte ein Küsschen als Belohnung ein. Daraus wurde eine kapitale Niederlage.
Ich bekam von Andrea den Kuss und wusste schon wieder nicht, was ich sagen sollte.


© story & photo by ferdinand

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