Frau Lehrerin, abaaa ...
Von
tastifix
Mittwoch 10.12.2025, 19:34 – geändert Mittwoch 17.12.2025, 13:34
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tastifix
Mittwoch 10.12.2025, 19:34 – geändert Mittwoch 17.12.2025, 13:34
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Lisa Merk, die junge Lehrerin, stakste ins Lehrerzimmer.
„Was hast Du denn?“
„Einige der I-Männchen sind eine Sorte für sich!“
Kollegin Mira schmunzelte. Sie leitete die 3.Klasse und die benahm sich meist einigermaßen gesittet.
„Wann hast Du denn heute frei?“
„Gleich nach der vierten Stunde!“
„ich muss nachher noch Klassenarbeiten korregieren“, seufzte Mira. „Du, ich verschwinde. Bis Morgen. Ich freu mich drauf!“
„Ich mich auch!"
Anderntags sollten die I-Männchen eine ganze Seite A schreiben. Mit Feuereifer malten die Kleinen A und zeigten sie stolz vor.
´Hm, mit viel Fantasie könnte man die wirklich ...`
Dennoch lobte Lisa, um die Betreffenden nicht zu frustrieren, genauso eifrig und bekam strahlendde Gesichter zu sehen. Ein paar Kinder erzählten dann, dass sie A mit Mama und Papa geübt hätten und dass ihre A viel besser ausgesehen hätten als die der Eltern. So verriet Klein-Jens:
„Papas A sah so doof aus. Meines aber war ein richtiges!“
„Zeig mal Dein Heft! - Hast Du gut gemacht!“. lobte Lisa.
´Dessen Papa hat wahrscheinlich eine total unleserliche Schrift.- Aber es gibt Wichtigeres, um das ich mich sorgen muss.`
Leider war manchen Kindern daheim nicht gesagt worden, dass sie nicht aufspringen oder dazwischen reden durften, wenn die Lehrerin vorne etwas erklärte. Dies dem Nachwuchs klarzumachen war dessen Eltern wohl zu strapaziös gewesen.
„Soll die Lehrerin machen! Dafür ist sie da!“
Dementsprechend chaotisch lief die nächste Mathestunde ab: Lisa bemühte sich, an der Tafel den Kleinen das mathematische Grundwissen näher zu bringen, als ein solcher Fratz aufsprang und unbekümmert ob Lisas dann ermahnender Miene etwas zum Besten gab, das mit Rechnen so gar nichts zu tun hatte. Lisa ließ sich nicht beirren:
„1Apfel und noch 1Apfel ergeben ...?“
Die Antworten fielen sehr fantasievoll aus.
´Wow!`, dachte Lisa.
„10 Äpfel!“, hieß es gar.
Jens hatte aufmerksam zugehört.
„Frau Merk, der ist dohooof! Das sind dann 2 Äpfel!“
„Ich bin nicht doof!“, verteidigte sich der Andere. „Und überhaupt ist der Jens gemein und gibt immer so an!“
„Jens, anstatt Anderen zu sagen, sie seien doof, hilfst Du denen und übst mit ihnen!“
Murrend gehorchte Jens und nachdem die Zwei sehr lange 1+1 geübt hatten, schien sein Kamerad es verstanden zu haben:
„2 Mandarinen!“, behauptete er, derweil er gedankenverloren auf die nahe stehende Schale mit Mandarinen guckte.
„Waas? Ich hab nach Äpfeln gefragt!! Ich glaub, Du lernst das nie!“
„Wohl!“
„Nee!“
„Doch!“
Bedient schleuderte Jens den Schulrucksack in die Ecke und war froh, als sein Mitschüler endlich nachhause abzog. Zum Glück träumte er in der Nacht nicht von jener Nachhilfestunde und deshalb erschien er auch sogar überpünktlich in der Schule, wo Lisa nachfragte, wie es gewesen war.
„Wir haben mit Äpfeln gerechnet, aber der hat nur auf die Schale mit den Mandarinen geguckt und dann gesagt: 2 Mandarinen!“
„Hm, Jens, vielleicht braucht er nur länger als Du. Dir fällts so leicht, ihm dagegen wohl ziemlich schwer!“
Jens fiel etwas Anderes dafür äußerst schwer: Nämlich, nicht während des Unterrichtes dazwischen zu reden.
„Du bleibst sitzen und redest nur, wenn ich Dich dazu auffordere!!“
„Abaaa, Frau Merk, wenn ich sonne tolle Idee hab und es Dir sagen will und wenn Du dann sagst, ich soll still sein und ich Dir dann gar nichts verraten kann, finde ich das blöd. Bis Du sagst, dass ich was sagen soll, hab ich es bestimmt vergessen!“
„Jens, aber in der Schule geht es nicht anders. Wenn Alle gleichzeitig reden,versteht keiner mehr etwas!"
„Frau Merk, wenn ich das Papa erzähle, dass Du nicht willst, dass ich Dir im Unterricht was sage, weil ich was weiß, wird der sauer und wenn Papa sauer ist, ist das ganz schlimm. Dann guckt der so böse!“
„Ich hab nicht gesagt, dass Du nichts sagen sollst, sondern nur, dass Du warten sollst, bis ich Dich aufrufe!“
Jens begann sich zu wiederholen:
„Aber, dann kann ich Dir doch gar nicht sagen, was ich Dir sagen will, denn dann weiß ich das nicht mehr!“
Lisa nahm sich zusammen, um noch ernst zu bleiben. Stattdessen schlug sie ihm vor, sie könnte ja mal mit seinem Vater darüber reden, damit der wüsste, worum es ging. Jens nickte zufrieden. Sein Papa würd ihr das auch nochmal erklären. Davon war er überzeugt.
Nach der Stunde berichtete Lisa Mira alles.
„Ach du meine Güte! Tja, manche Väter werden echt granntig, wenn Du an ihren Kindern etwas aussetzt!“
„Ich lob Jens erst über den Klee, weil er so pfiffig ist und dann weise ich vorsichtig arauf hin, dass es besser wäre, wenn Jens nicht so oft stören würde.“
„Und Du meinst, der hört sich das so einfach an?“
Lisa zuckte mit den Schultern.
„Du, wann sprichst Du mit dem?“
„Morgen Nachmittag!“
„Ruf mich danach sofort an. Ich bin gespannt, wie der reagieren wird!“
Lisa freute sich.
„Versprochen!“
Am nächsten Tag war Lisa denn doch nervös, aber Jens Vater wirkte sympathisch und intelligent und so nahm sie an, mit ihm problemlos alles bereden zu können. Als sie Jens dann so sehr lobte, sah sein Vater zunehmend zufriedener drein. Dies änderte sich allerdings, als sie ... :
„Jens muss unbedingt lernen, dass er nicht aufspringen und in die Klasse rufen darf. Das ist ganz wichtig!“
„Sie wollen meinem Sohn verbieten, spontan etwas zum Unterrichtsstoff beizutragen?“
„Zuviel der Spontanität geht nun mal nicht. Wenn das alle Kinder machen würden, käme nämlich kein Unterricht mehr zustande!“
„Mein Sohn ist intelligent. Wenn er etwas beiträgt. ist es meist sehr gut und ich halte es für unverschämt, ihn darin bremsen zu wollen! - Mein Sohn wird nicht daran gehindert, seine Meinung zu sagen. Egal, wann! Ist das klar?"
´Ach herrjee! Bei denen regiert anscheinend eine Neuauflage der antiautoritären Erziehungsmethode. Prost Mahlzeit!`
Jens Vater war nicht gewillt, sich noch länger mit jener unfähigen Lehrperson abzugeben:
„Bleiben Sie dabei, dann gehts zum Direktor! Der wird durchgreifen! Wo gibt’s denn sowas, dass meinem Sohn Verbote auferlegt werden!!?“
Gegeb Abend klingelte bei Mira das Telefon.
“Und, Lisa? Du, ich komm rüber."
Zehn Minuten später war sie da und ließ sich berichten:
„Och nein, gibts doch nicht! Ich dachte, jene Anti-Erziehung wäre längst vergessen.“
„Und jetzt?“
„Jetzt lässt Du den zum Direktor marschieren. Nein, Du gehst auch hin. Der wird ihm den Kopf waschen! Dieser Vater hat doch einen Knall!“
Weil Lisa ihrer Überzeugung treu blieb, standen sie sich dann im Büro des Direktors gegenüber, der noch nie mit einem solch haarsträubenden Unsinn konfrontiert worden war.
„Also, ich gebe Frau Merk recht. So geht es nicht! Entweder Jens passt sich an oder er muss die Schule wechseln.Tut mir leid! Jens ist ein sehr guter Schüler, aber er hat sich den Gepflogenheiten hier angemessen zu verhalten! Wenn Ihnen das nicht gefällt, nehmen Sie ihn bitte von der Schule!“
Wutentbrannt sprang Jens`Vater auf.
„Sie werden von mir hören. Ich gehe vor Gericht!“
„Darauf freuen wir uns schon“, konterte der Direktor kalt. „Mit Ihrer Haltung machen Sie Ihrem Sohn alles kaputt. Denken Sie nochmals darüber nach!“
Doch die Art, wie jener die Tür hinter sich zuschlug, zeugte von absolut keiner Bereitschaft dazu. Kurz darauf sahen sie sich vor Gericht wieder, das klar der Schule das Recht zusprach, von den Schülern ordentliches Benehmen zu verlangen. Jens Vater, der zudem den verlorenen Prozess auch noch bezahlen musste, meldete Jens von der Schule ab und die Familie zog weg. Ob der Vater anderswo wirklichg ein Institut gefuden hatte, an dem dann die Schüler so ziemlich machen durften,was sie wollten? Wohl kaum! Wäre ja nicht zu verantworten gewesen und letztendlich zum Leidwesen der Kinder!
Lisa und Mira wurden enge Freundinnen.