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Gstättengasse 4

Von Feierabend-Mitglied Mittwoch 07.08.2024, 07:43

Zum Start in den Erkundungstag in der Salzburger Altstadt begrüßt mich die Sonne, die vom wolkenlosen Himmel scheint. Zunächst besuche ich das, von unserem Komitee favorisierte Stern-Bräu, um für unser Treffen am 8. Juli die Reservierung vorzunehmen. Ich bin mir sicher, dass wir da eine gemütliche Ecke für uns 25 Autoren finden werden. Leider ist das falsch gedacht – alles ausgebucht. Nur nicht verzagen, denke ich und switche um zum Vorschlag meines alten Freundes Otmar Schreyvogel, er meint, die Humboldt-Stubn wäre auch zentral gelegen und ebenso zu empfehlen. Ich kenne das Lokal von früher, als es noch ein kleines Café war und kein so vorzügliches Bio-Restaurant wie heute. Kurze Zeit später sitze ich auf der Terrasse des Humboldt vorm Haus Gstättengasse 4. Dankbar genieße ich die Sonne, höre hinter mir den Marienbrunnen plätschern.

Ich bestelle „Mozarella mit Rucola, Kresse Olivenöl & Parmesan” und Weißbier alkoholfrei. Es schmeckt phänomenal. Die Bedienung ist professionell und freundlich – und wird noch freundlicher, als ich sie mit meinem Anliegen konfrontiere, in ihrem Haus am 8. Juli mit 25 Autoren im Schlepptau ihr Gast sein zu wollen. Sie befragt den Computer – und in Nullkommanix ist die Reservierung in trockenen Tüchern. Als ich der Wirtin nebenbei wissen ließ, dass ich in diesem Haus einmal gewohnt habe und quasi jeden Stein kenne, serviert sie mir einen Espresso und setzt sich zu mir. „Geht aufs Haus“, sagt sie und beginnt mich auszufragen.

Ich lehne mich tief in den bequemen Sessel und sehe zwischen den Sonnensegeln auf der Terrasse nach oben auf die Fassade des Hauses Gstättengasse 4. Erinnerungen steigen hoch. So manche Wahrheit von damals sieht heute ganz anders aus. Damals – heute. Die Erinnerung braucht keine Bestätigung. Warum wieder zurückblicken nach einem halben Jahrhundert. Was suche ich? Was erwartete ich zu finden, als ich mich auf den Weg nach Salzburg machte, wo alles begann? Das Wort damals, mit dem man als Erzähler über weite Zeiträume hinweg an eine versunkene Vergangenheit andockt, verleiht der Geschichte einen raunenden Ton. Was hoffe ich zu entdecken? Ein Stück von mir, das ich verloren habe, an das ich anknüpfen könnte? Etwas Neues, Altes, Eigenes? Ich weiß es nicht.

Ich habe ein Bild vor meinen Augen: Die Ellbogen aufs Fensterbrett gestützt, das Kinn in die Hände geschmiegt, so sehe ich mich als jungen Mann aus einem Fenster dieses Hauses schauen und sehnsüchtig auf einen Anruf warten. Ich erwarte, dass ich meine Frau und unseren Sohn Ferdi, der vor sechs Tagen geboren wurde, aus der Gynäkologie abholen kann. Hier, in diesem Haus, hat einmal ein großes Glück begonnen.

©photo & text by salzbaron

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