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Hans im Glück

Von Feierabend-Mitglied vorgestern, 12:26


Angeblich fängt dieses Märchen nicht mit den Worten „Es war einmal“ an. Bei mir schon.
Es war einmal ein junger Mann namens Hans, der jahrelang in der Erzgrube Rammelsberg geschuftet hatte. Außerdem hatte er dem Obersteiger durch eine tollkühne Aktion das Leben gerettet.
Zum Abschied schenkte ihm der Obersteiger einen Goldklumpen. Es war einer von vielen, die er sich illegal aus dem Berg geschmuggelt hatte. Also geklaut, gewissermaßen.
Der junge Mann wickelte den Goldklumpen in ein buntes Tuch und machte sich auf den Weg in die Heimat, die Dübener Heide. Schon bald drücken die 35 Kilogramm gehörig auf den Rücken.
Da kam ihm ein Reiter auf einem braunen Pferd gerade recht. Als dieser hörte, dass der Hans einen Goldklumpen hatte, bot er an, ihm die Last abzunehmen im Tausch gegen das Pferd.
Hans ritt glücklich davon.
Der ehemalige Reiter ließ den Goldklumpen in Goldbarren umschmelzen. Von einem Teil der Goldbarren kaufte er sich ein Gestüt mit zwei Dutzend Rassepferden. Bei der Einweihungsfeier trank er so viel Schnaps, Wein und Bier, dass er an Alkoholvergiftung verstarb.
Auch Hans hatte Pech. Das Pferd verlor ein Hufeisen und hinkte so, dass Hans nebenher laufen musste.
Da kam ihm ein Mann mit einer Kuh gerade recht. Der pries die Vorzüge seiner Kuh so, dass Hans auf den Tausch einging, froh, den lahmenden Gaul los zu sein.
Beim Beschlagen des Pferdes schlug dieses aus und verletzte dem Mann so, dass er seines Lebens nicht mehr froh wurde. Mehrere Rippen gebrochen, Lunge perforiert.
Hans war mit der Kuh weitergezogen.
Doch irgendwann war er es leid. Früh, mittags und abends Milchsuppe.
Da kam ihm der Mann mit dem Schwein gerade recht. Der pries das Schwein als pflegeleicht und genügsam.
Doch das war es nicht. Andauernd rannte es davon.
Der nächste Mann bot ihm eine Gans für das Schwein.
Hans war froh, das Schwein los zu sein.
Der Mann schlachtete es und machte Würste und andere leckere Sachen draus. Weil er aber Geld sparen wollte, verzichtete er auf die Fleischbeschau. Das rächte sich. Das frische Mettbrötchen mit Zwiebeln bescherte ihm mit der Trichinose dann doch erhebliche Beschwerden.
Für die Gans und den Schleifstein und dem Hans fällt mir nichts ein.
Zum Schluss blieb Hans nur das bunte Tuch, in dem damals der Goldklumpen eingewickelt war. Vorsichtig wusch er es, plättete es und band es um den Hals.
So kam er nach Hause in die Dübener Heide.
Dort traf er seine heimliche Jugendliebe Maria.
Sie fragte: „Ist das Halstuch neu?“
Er: „Nein, mit Perwoll gewaschen,“
Sie lachten beide herzlich. Dann blickten sie sich tief in die Augen und verliebten sich augenblicklich ineinander.
Die Hochzeit fand in kleinstem Kreise statt. Und sie lebten glücklich und zufrieden.
Und wenn sie nicht gestorben sind……

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