Hilfe, ich friere! (2)
Von
tastifix
11.08.2024, 05:14
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Von
tastifix
11.08.2024, 05:14
Du möchtest die Antworten lesen und mitdiskutieren? Tritt erst der Gruppe bei. Gruppe beitreten
Petrus hat schon auf mich gewartet.
„Tach! Mensch, was ist denn mit Dir passiert?"
Dass er mich ´Mensch` tituliert, verzeih ich ihm, denn unbezweifelbar bin ich einer. Dass er sofort bemerkt hat, dass irgendwas mit mir nicht stimmt, rechne ich ihm hoch an. Denn mit lebenden Menschen hat er hier oben garantiert sonst nicht zu tun.
„Unten bei uns auf der Erde kriegen wir kaum noch Luft. Wir können vor Hitze fast nicht mehr arbeiten, geschweige denn vernünftig denken!- Das´Vernünftig Denken` gelingt vielen von uns allerdings auch schon ohne Hitze nicht!", brummele ich leise vor mich hin. Woran ich dabei so alles denke, verschweige ich denn doch aus Solidarität jenen Artgenossen gegenüber, denn auch die sind Menschen.
„Viele suchen Erfrischung in Seen und Flüssen. Manche halten es nicht mehr aus und stürzen sich ohne Abkühlung in die Fluten. Einige haben es bereits mit ihrem Leben bezahlt."
„Mein Gott!", stöhnt Petrus.
Doch Gott schweigt sich aus. Dies hat Petrus alleine auszubügeln.
„Das habe ich nicht gewollt!", jammert er.
„Mag ja sein, hilft uns da unten jedoch nicht weiter!", urteile ich streng.
„Was soll ich denn tun?"
"Also, wenn Du als himmlischer Wetterstationsvorsteher nicht weißt, dann bist`e aber hier falsch!", halte ich ihm empört vor.
Trotzdem tut er mir irgendwie leid. Petrus sitzt nämlich da wie ein Häufchen Elend, und bekommt offensichtlich keinen vernünftigen Gedanken mehr auf die Reihe.
´Hat Gott den stattdessden den Menschen auf Erden eingegeben, damit denen deie passende Idee einfällt, was gegen die Wetterkatastrophe zu tun sei? - Armer Petrus!`
„Petrus, das Einfachste wäre doch ein Gewitter mit Dauerregen! Dann ginge es uns Menschen sehr fix wieder gut!"
„Meinst`e wirklich?", gibt ein geknickt zurück.
„Ja, klar! Und außerdem ist Gott dann mit Dir ausgesöhnt!"
Petrus Miene hellt sich auf. Er bringt tatsächlich schon wieder ein kleines Grinsen zustande.
„Komm mal mit!`
Er führt mich in einen riesigen Kontrollraum. Überall Schalter und Hebel. Petrus fährt den PC hoch, der Monitor zeigt das Bild der Erde. Entsetzt starren wir auf keuchende Menschen und Tiere sowie auf ausgetrocknete Felder und verdorrte Wälder. Das Ende kündigt sich bereits an.
„Schnell, tu doch etwas, Petrus!"
Der reißt sich am Riemen, klappert wie ein Irrsinniger erneut auf den Tasten herum. Es öffnet sich ein Fenster, in dem eine Liste aufgeführt ist, was man an Befehlen eingeben kann.
´Fast so wie bei uns!`, denke ich. ´Für beinahe alles einen passenden Klick!`
Für Gewitter muss man 5x klicken. So hektisch, wie Petrus da seine Befehle einhämmert, wrid es mir zunehmend unheimlich.
„Keine Angst!", lacht Petrus, wieder ganz dersouveräne, heilige Vertreter des Herrn. „In ein paar Stunden ist da unten alles gut. Du wirst sehen!"
Dann fordert er mich auf, die Augen zu schließen. Das Letzte, was ich noch mitbekomme, ist ein gehauchter Kuss auf meine Stirn. Es ist hier oben wohl Sitte, so ´auf Wiedersehen` zu sagen.
Langsam schwebe ich zurück zur Erde. Ich habe dazu beigetragen, die Menschheit zu retten. Ein wunderbares Gefühl. Schon setze ich auf dem Boden auf. Die ersten Tropfen fallen. Die Leute stürzen aus den Häusern, jubeln und umarmen sich. In ihrer Euphorie scheinen sie selbst den Donner noch freudig zu begrüßen. Der Regen wird stärker, Sturzbäche ergießen sich auf die Straßen, die dürstenden Wälder und die ausgetrockneten Felder. Mensch und Tier atmen auf. Jeoch will das Gewitter einfach nicht enden. Der sintflutartige Regen verwandelt die Straßen in Flüsse, verkleidet die Felder in tosende Meere und überflutet fast die Wälder. Die Freude der Menschen weicht der Angst und es wächst sich aus zur Panik aus. Sie schnüren Hab und Gut und versuchen, sich in den Bergen vor dem Wasser in Sicherheit zu bringen. Ihre verzweifelten Schreie gellen zum Himmel.
Gott sin seinem Büro überarbeitet immer noch das dritte geplante Wunder. Doch heute noch Überstunden deswegen zu machen sieht er nicht ein. Der Zirkus mit Petrus hat ihm gelangt! Erschöpft schließt er die Akten, erhebt sich vom Thron, schreitet zum Fenster seines Wolkenschlosses und holt tief Himmelsluft. Endlich fertig für heute. Ein letzter prüfender Blick streift die Erde. Doch leider bleibt es denn doch nicht der letzte. Gott traut den göttlichen Augen nicht:
„Neiin! Das darf nicht wahr sein! Was hat der denn da fabriziert!!?"
Die Müdigkeit ist vergessen. Unser Schöpfer wird zm zweiten Male an diesem unheilvollen Tage wütend. In maßlosem Zorn schnappt er feurrotem Gesichtes erneut tief nach Luft und brüllt, dass der ganze Himmel erzittert:
„Petruus!!!!"