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ICH TRAGE EINEN TRAUM IN MIR …

Von Feierabend-Mitglied Freitag 04.07.2025, 16:19



Es gibt Träume, die ich wirklich geträumt habe und es gibt Tagträume, die ich mit meinem Alter ego in ungeahnte Höhen treibe. Ich hadere mit mir. Ich bin nicht sicher, ob ich diese zerrissenen Szenen wirklich so erzählen kann, wie ich sie geträumt habe. Von den subjektiven Erfahrungen weit zurückliegender Träume zu erzählen, braucht eine besondere Sprache. Ich weiß nicht, ob ich das kann. Was ich jedoch gut kann, ist, mich an meine Kindheit zu erinnern. Sie war kalt und lieblos, ohne Zärtlichkeit. Statt Liebe gab es Hiebe. Die Seele spielte keine Rolle.

Als Selbstschutz entwarf ich meine eigene Welt, eine Traumwelt. Ich erzählte anderen Kindern die Geschichte eines fiktiven Jungen. Sie wussten nicht, dass es meine Tagträume waren, von denen ich erzählte. Ich sprach von bildschönen Dingen, die für die meisten meiner Freunde selbstverständlich, für mich aber unerreichbar waren.
Rosemarie, meine Freundin, bekam große Augen, als ich von dem Jungen erzählte, der sich nichts mehr wünschte, als ohne Angst Schlafengehen zu können. Der Junge wünschte sich einen nüchternen Vater, der ihn nicht jede Nacht aus dem Bett holen würde und ihn schlug, wenn seine Hausaufgaben nicht fehlerfrei waren.
Wenn meine Geschichten zu dramatisch wurden, die Kinder Tränen in die Augen bekamen, war es an der Zeit, die Kurve zu kriegen. Der Vater in seinen Geschichten wurde bekehrt, trank nie wieder und Mutter küsste den Jungen in den Schlaf.
Ich versuchte, von den wahren Verhältnissen in meiner Familie abzulenken. Ich wusste, wie grausam die Hänseleien sein konnten, wenn sie den Außenseiter in mir erkannt hätten. Ich fühlte mich ohnehin schon genug an den Rand gestellt, wenn die Sprache auf besoffene Väter kam. Also nahm ich mir, aus Selbstschutz, das Recht heraus, meine Spielgefährten nach Strich und Faden zu belügen. Ich erzählte von Festen und Feiern, vom Essen im Überdruss. Sprach von Händen die streicheln und von wärmender Liebe, von der ich keine Ahnung hatte.
Irgendwer hat einmal den Satz gesagt: „
Im Erzählen äußert sich das Recht des Individuums auf seine Begierden, seine Ängste, Albträume wie Wunschträume. Genau so ist es.

©Bild & Text by ferdinand

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