So gehts garantiert nie zu!
Von
tastifix
Mittwoch 17.09.2025, 17:46 – geändert Donnerstag 18.09.2025, 05:34
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tastifix
Mittwoch 17.09.2025, 17:46 – geändert Donnerstag 18.09.2025, 05:34
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Die Tür knallte scheppernd zu. Vor Schrecken hätte sie fast den Reststapel der noch zu entsorgenden Akten mit einem lauten Plumps zu Boden fallen lassen. Im letzten Moment zuckten ihre Arme in einer den Papierwust rettenden Bewegung nach vorne, umklammerten die Hände in Zangenhaltung die einst relativ wichtigen Dokumente.
Sie arbeitete in einer Rechtsanwaltskanzlei und hatte Akten zu prüfen. Dies erledigte sie schon seit geraumer Zeit mit mehr oder weniger gutem Erfolg. So wie gerade vor ein paar Minuten noch. Nach einem flüchtigen Blick auf die vorderste Seite der Akte stand fest, die konnte weg. Mindestens 200 g zu bearbeitendes Material weniger und dementsprechende Arbeitserleichterung mehr. Klasse.Doch die Erleichterung durfte sie nicht allzu lange auskosten. Ihr stand ein deftiger Schock bevor. Noch ahnte sie es ja nicht.
Vor ihr stand ihr Vorgesetzter, Inhaber der Kanzlei.
„Sind Sie von allen guten Geistern verlassen? Wie konnten Sie es wagen, ausgerechnet diese Mappe weg zu werfen? Das Verfahren war noch gar nicht abgeschlossen. Sie Idiotin!!“
Idiotin? Das traf.
„Soo, haben Sie das Dokument überprüft oder ich??“, brüllte sie zurück.
So nicht mit ihr! Alles hätte man ihr in ruhigem Tonfall unter die Weste drücken dürfen. Doch solch eine Frechheit ...
Dieser Herr Rechtsanwalt hatte ja wohl einen Vogel. Und dies warf sie ihm denn auch stocksauer an den Kopf. Also leider auch nicht in dem von ihr geforderten höflichen Modus.
„Was bilden Sie sich eigentlich ein? Sie haben doch wohl einen Knall! Wer macht denn schon seit Monaten für Sie die Drecksarbeit? Sie sind sich doch dafür zu schade. Also würde ich an Ihrer Stelle mal besser die Klappe halten!“
So, dem hatte sie es aber gegeben und ihn offensichtlich damit ein wenig beeindruckt.
Nein, dass eine seiner Angestellten das gewagt hatte, an seinem Arbeitsfanatismus zu zweifeln und tatsächlich seine Kompetenz in Frage zu stllen ... Es erforderte „Fast-Blutrache“. Das fehlte ja noch gerade!
„Wie reden Sie mit Ihrem Vorgesetzten? Ist Ihnen nicht klar, dass ich Sie fristlos vor die Tür setzen könnte, Sie Vollidiotin, Sie?“
Das wurde ja immer besser! Wenn der glaubte, sie derart beleidigen zu dürfen, dann ...
„Prima, entlassen Sie mich, aber gerne! Dann sehen Sie doch zu, wie Sie mit dem ganzen Kram klar kommen, Sie Knallkopp!“
Vor Wut fing der an zu stottern, wand sich wie ein Aal, denn er kannte höchstens die Hälfte der Akten. Um die andere kümmerte sie sich.
„Wie können Sie es ...?“
Zu seinem Glück setzte gerade noch rechtzeitig sein logisches Denkvermögen wieder ein.Blitzartig wurde ihm klar, dass er seine Kanzlei ohne eine so tüchtige und arbeitswillige schließen müsste. Darum riss er sich zähneknirschend zusammen und schlug, was die Schimfperei anging, eine etwas dezentere Ausdrucksweise an:
„Ääh“, meinte er, immer noch dunkelrot angelaufen im Gesicht, „nichts für ungut. NehmenSie die Idiotin nicht persönlich. Entschuldigung!“
Das letzte Wort quetschte er nur so gerade noch mit äußerster Willensanstrengung heraus.
Doch brachte ihm dies in ihren Augen nichts mehr. Sie war gekränkt, sie war schwer sauer. Und sollte der meinen, „Entschuldigung“ allein würde ausreichen, sie zu besänftigen, dann hätte er gefälligst´mal gründlich darüber nachzudenken, wie er sich soeben aufgeführt hatte.
Eine Idioteinin den Raum zu stellen, die nicht persönlich war! Vorher hatte er ihr wenigstens noch die Persönlichkeit einer Idiotin zugebilligt. Doch das jetzt war der absolute Hammer: Er hatte sie zu einet unpersönlichen Idiotin, damit eindeutig zu einer Sache degradiert!!
Nein, das ließ sie nicht auf sich sitzen. Dem gebührte Ähnliches:
„Ihre Entschuldigung nehme ich dankend an und entschuldige mich ebenfalls für den Knall. Wissen Sie, Sie haben nämlich keinen Knall. Sie haben einen absolut unpersönlichen Knall ...!“
Und setzte hämisch hinzu:
„Entschuldigung!!“
Einige Tage später schloss die Kanzlei ihre Türen für immer.
Denn:
Der Anwalt mit dem unpersönlichen Knall als auch die unpersönliche Idiotin sahen sich leider außerstande, weiterhin eine persönlich zu leitende Kanzlei in absolut erforderlich vernünftiger Weise gemeinsam zu führen.