Kurzkrimi
Von
Feierabend-Mitglied
24.11.2024, 13:19
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Der Kommissar saß dem Delinquenten gegenüber. Zwischen sich hatten sie nur einen solchen Resopaltisch mit blassgrauer glatter Oberfläche. Der Kommissar hatte die Unterarme auf dem Tisch liegen und hielt das kleine Aufnahmegerät vorsichtig in den Händen.
Der Delinquent knetete seine Hände, die in seinem Schoß lagen.
Sie saßen auf Stühlen, die aussahen wie aus einem Schulklassenzimmer und die es wohl auch waren.
„Nun, wo waren Sie am Freitagvormittag?“. fragte der Kommissar.
„An welchem, Herr Kriminalhauptkommissar?“
„Das haupt können Sie getrost noch weglassen,“ sagte er. Und: „Das bin ich noch nicht, aber wenn ich diesen Fall erfolgreich abschließe, dauert es nicht mehr lange.“, dachte er.
Und genüsslich ließ er sich das Hauptwort Kriminalhauptkommissar auf der Zunge zergehen.
„Also, wo waren Sie letzten Freitag?“
„Ich war in Brandenburg an der Havel. Mir fehlte noch das Foto von einem der über 20 Waldmöpse, die Loriot erdacht, aber nicht gemacht hat. Ich sammle die. Jetzt nicht die Waldmöpse, sondern nur die Fotos von denen.“
Der Kommissar lehnte sich zurück, verschränkte die Arme über dem Bauch und wartete auf den Fortgang der Geschichte.
Doch der Delinquent fragte stattdessen: „Weshalb bin ich eigentlich hier?“
„Irgendwer hat in der Nähe Ihrer Wohnung einen Automaten aufgebrochen. Weil wir ihre Fingerabdrücke darauf fanden, deshalb sind sie hier.“
„Und woher wissen Sie, dass es meine sind?“
„Wir hatten Ihre im System. Irgendwann sind diese mal genommen worden.“
„Aha!“
„Wo also waren Sie zur gefragten Zeit?“, fragte dann doch schon ziemlich ungehalten der Kommissar.
„Das sagte ich doch schon, in Brandenburg an der Havel. Ich bin mit dem Regionalzug dorthin gefahren. Nachdem ich den mir noch fehlenden Waldmops endlich gefunden und fotografiert hatte, saß ich im Biergarten an der Havel. Dort, wo die Jahrtausendbrücke über den Fluss führt. Als ich mal kurz auf Toilette war, klaute jemand mein Händie. Nun ist also auch das Foto vom Waldmops mit verschwunden.“
Der Kommissar griff in die linke Jackentasche, zog ein Händie heraus und zeigte das dem Delinquenten: „Ist es das?“
Der Delinquent beugte sich nach vorn über den Tisch und sagte den einzigen Einwortsatz, der der Situation angemessen war: „Hamsengeschnappt?“
Auch der Kommissar beugte sich nach vorne, so dass die Nasen der zwei sich fast berührten.
„Jetzt hören Sie mir mal zu, jetzt erzähle ich Ihnen mal was. Und das wird kein Märchen. Sie sind am Ostkreuz oder am Alex in den Zug gestiegen, haben das Händie irgendwo in eine Ritze geklemmt und sind dann am Alex oder in Friedrichstraße wieder ausgestiegen, zurück nach Hause gefahren und haben auf dem Weg dorthin den Automaten geknackt.
ABER. Großes ABER.“
Der Kommissar hob den gestreckten Zeigefinger, „Sie hatten Ihre Mutter vergessen.
Weil die mehrfach, also sieben mal, um genau zu sein, anrief, Sie das Händie nicht auf lautlos gestellt hatten und den Triumphmarsch aus Aida als Klingelton, nervte das einen Fahrgast. Der suchte und fand das Händie und es landete bei uns. Was sagen Sie nun?“
Angesichts der unwiderlegbaren Beweiskette fiel dem Delinquenten nichts weiter ein, als ungläubig zu gucken und zu schweigen..
Der Kommissar beugte sich vor, schaltete das Aufnahmegerät ab und sprach: „Jetzt mal ehrlich und ohne Protokoll: Wieviele Kaugummikugeln haben Sie denn nun aus dem Automaten gestohlen?“