Laternenumzug
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Feierabend-Mitglied
Freitag 31.10.2025, 10:43
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Heute feiern Kinder Halloween, gehen von Tür zu Tür, sammeln viele Süßigkeiten und wenn nicht geöffnet wird werden manchmal böse Späße gemacht. Sie ziehen mit vollen Tüten nach Haus und vergleichen unterwegs, wer mehr bekommen hat. Das Fest hat seinen Zauber verloren.
Da blutet mir immer das Herz. Ich denke an meine Laternenfeste mit den Zwergen, wir zogen im Dunkeln durch den Park. Das war geheimnisvoll, jedes Kind war stolz auf seine selbst gebastelte Laterne, wir sangen viele Laternenlieder und Eltern, Großeltern und Geschwister waren dabei. So feierten wir in den Jahren 1986-2016 jedes Jahr und wochenlang vorher wurde gebastelt, gesungen, Heinzelgeschichten erzählt und in Kürbisse Gesichter geschnitten. Da hinein stellten wir Kerzen, rückten eng zusammen, löschten das Licht und gruselten uns lustvoll gemeinsam. Ich begleitete diese Laternenumzüge immer mit dem Akkordeon, Kinder und Erwachsene sangen die vielen eingeübten Lieder mit.
1989 bekam ich kurz vor unserem geplanten Umzug einen Bandscheibenvorfall, es war mir unmöglich, mit dem schweren Akkordeon das Fest zu begleiten und auch Laufen war unerträglich. Ich meldete mich krank und war sehr traurig. Ein Vater rief mich an, sie wollten mich abends besuchen, um mir einen Vorschlag zu machen. Wie kreativ unsere Eltern waren und wie sehr sie meine Arbeit schätzten wurde mir bei diesem Besuch besonders bewusst.
Ein Vater holte mich mit dem Auto ab, sie hatten einen Bollerwagen organisiert, den sie mit Decken auspolsterten, damit ich nicht friere und schmückten ihn mit mehreren batteriebetriebenen Lichterketten. Man setzte mich mit dem Akkordeon da hinein, ich fühlte mich wie eine Königin und konnte vor Rührung kaum singen. Meine Zwerge jubelten: „Gitti im Bollerwagen!“ „Pst“ sagte ich, „seid ganz leise, sonst verscheucht ihr ja alle Heinzelmännchen.“Robert sagte, die Heinzel wollen Gitti auch im Bollerwagen sehen, sie sitzen bestimmt auf den Bäumen und freuen sich. „Dürfen wir denn laut singen oder erschrecken sie dann auch?“ fragte Katrin. „Nein, sie lieben es, wenn Kinder singen“ ermutigte ich meine Knirpse. Und schon ging es los. „Ich gehe mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir…..“
Ich spielte dazu auf dem Instrument, es klang weit durch die Dunkelheit und unsere Laternen zeigten uns den Weg. Viele Menschen schlossen sich unseren fröhlichen Zug an. Eine Stunde dauerte unsere musikaliche Wanderung, als ein Vater die Kinder sammelte und sagte: „Ich bringe Gitti jetzt mit dem Auto nach Hause, sie hat dolle Rückenschmerzen und muss ins Bett. Ihr bleibt noch hier mit euren Eltern, es gibt noch ein Lagerfeuer und dann machen wir Stockbrot, ich komme zurück und bringe für alle warmen Tee mit.“
Mit lautem AUFWIEDERSEHEN und Winken wurde ich verabschiedet, dann saß ich im Auto und weinte vor Glück und vor Schmerzen. Der Vater sagte:“Danke Gitti“, es war so schön. dass Du dabei warst.