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Märchen anderser erzählt

Von Feierabend-Mitglied vorgestern, 17:21

Da war diese Witwe. Sie hatte, wie es sich für eine Witwe gehört, keinen Ehemann mehr. Dafür zwei Töchter.
Eine eigene, verhätschelte und verwöhnte und eine von ihm. Die musste von früh bis spät arbeiten und bekam keinen Dank. Weil aber dieses Mädchen ein fröhliches und fleißiges war, empfand sie die Arbeit nicht als Last. Beide hießen Marie. Damals ein sehr gebräuchlicher Name.
Einmal passierte ein Missgeschick. Der fleißigen Marie fiel eine Spindel vom Spinnrad in den Brunnen. Was sie da am Brunnen mit der Spindel wollte, darüber schweigen die Brüder Grimm.
Die Stiefmutter verlangte zumindest, dass das Mädchen die Spindel da rausholte.
Also sprang Marie in den Brunnen, wurde aber komischerweise nicht nass, sondern landete auf einer mit Blumen übersäten Wiese.
Nachdem sie dem flehenden Ofen die fertigen Brote gezogen und dem bettelnden Baum die reifen Äpfel gepflückt hatte, kam sie zum Haus einer alten Frau, die sich als „Frau Holle“ vorstellte. Marie gab bekannt, Marie zu heißen.
Die alte Frau hatte schon lange vergebens versucht, eine Haushaltshilfe zu bekommen und war heilfroh, dass diese Marie so fleißig war.
Sie schüttelte die Betten so doll, dass die Menschen glaubten, eine nächste Eiszeit steht vor der Tür. Denn das Bettenschütteln erzeugte den Schneefall auf Erden.
Dazu, wie man aus einem tiefen Brunnen in himmlische Höhen hoch in die Wolken kommt, von den Brüdern wieder mal keine Erklärung.
Nach einiger Zeit bekam die Marie Heimweh.
Warum? Nach der garstigen Stiefmutter?
Aber sie wollte nach Hause.
Zuvor sollte sie durch einen Torbogen gehen. Da regnete es Golddukaten herab. Damit kam sie zu Hause an.
Die Stiefmutter wurde gelb vor Neid und schickte die eigene Tochter los.
Auch der gelang das Wunder, in den Brunnen zu springen, ohne nass zu werden.
Auch sie landete also auf dieser Wiese, ging aber schnurstracks am Ofen und am Apfelbaum vorbei zur Frau Holle.
Ihrer Faulheit war es zu verdanken, dass es im Winter weniger schneite. Nix Klimawandel.
Unterm Tor regnete es dann Pech. Zum Glück aber keinen Schwefel.
Was dann aus den vieren danach wurde, darüber schweigen die Brüder Grimm ebenfalls.

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