Meine Jagd nach Untoten
Von
tastifix
Montag 06.10.2025, 08:51 – geändert 12.10.2025, 07:48
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tastifix
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Selbstverständlich halte ich Geister für einen reinen Humbug. Darum mache ich mir auch keine Gedanken um irgendwelche Spukgeschichten und schmunzele, wenn mir jemand eine solche auftischen will. Unselbstverständlich` habe ich ja doch so meine Zweifel. Zu viele Geister-Rendezvous beschert mir die Flimmerkiste, zu viele Berichte über Gespenster geistern durch sämtliche Medien oder werden mir von angeblich Betroffenen starren Blickes und schlotternder Gliedmaßen geschildert. Es wimmelt unter den Untoten wohl von weißen Frauen, Rittern ohne Kopf, aber mit wahrlich lustig einher scheppernden Fußfesseln ohne und mit Kugeln in mindestens Fußballgröße. Oder auch von schwebenden Gestalten, die zum Erschrecken normal lebendiger Erdbewohner laut grölen, rülpsen oder uns hingebungvoll mit genau dem Gegenteil des Letzteren zu beeindrucken versuchen.
Nur selten sind deren Opfer nach eigener Aussage so couragiert wie die Zwillinge in Oscar Wildes Komödie ´Das Gespenst von Canterville`. Die füllten einen Eimer mit eiskaltem Wasser, das sich dann überraschend über den unerwünschten und zudem sehr aufdringlichen Gast ergoss und jenen dermaßen erschreckend ernüchterte, dass er schleunigst das Weite suchte, in sein Geistergemach flüchtete und dort den Rest der Nacht total deprimiert zubrachte. Die Tochter der Familie, Victoria, empfand Mitleid und erlöste letztendlich das tieftraurige Etwas von seiner bereits Jahrhunderte andauernden Spukarbeit.
Auch ich zähle zu den eher weniger Mutigen. Zudem spielt mir die Fantasie manchmal ausgesprochen fiese Streiche. Vor allem abends oder auch nachts, wenn ich allein im Haus bin. Es knarrt, ich horche auf. bilde mir ein, eine Tür sei zugeschlagen worden und ersarre. Klar denke ich nicht sofort an einen eigentlich höchst unwahrscheinlichen Besuch aus einer Geiserwelt. Dagegen quält mich zunächst der Gedanke, dass ich eventuell in wenigen Minuten von Einbrechern massakriert werden könnte.
´Die Haustür habe ich abgeschlossen! Wie sind die bloß rein gekommen?`
Und dann:
´Hoffentlich geht’s wenigstens schnell. Erschossen zu werden ist immer noch angenehmer als irgendwo nach Luft ringend von der Decke zu baumeln.`
Weil aber nichts weitter geschieht und auch keine schwarz maskierten Unholde in mein Zimmer eindringen, sehe ich ein, dass ich mich wohl arg getäuscht habe, lasse mich aufatmend ins Kissen sinken und sage mir:
„ich spinne ja!“
Keine Ahnung, wie lange ich dann friedlich geschlafen habe, jedenfalls sitze ich plötzlich wieder hellwach im Bett und lausche, bekomme wahre Hasenohren. Die winkeln sich wegen der räumlichen Gegebenheiten im Heim um -zig Ecken, um zu meiner hoffentlichen Beruhigung die Ursache für die neuerliche Störung der Nachtruhe auszumachen. Diesmal klingt es beileibe nicht nach Beutefahndern, sondern bedrohlich anders, unheimlich anders sozusagen.
Es schlurft die Treppen rauf und runter. Schatten bewegen sich auf den von der Straßenlaterne beleuchteten Wänden und scheinen sich mir langsam zu nähern. Gleichzeitig raschelt es unterm Bett, knirscht es am Kleiderschrank, weht die Gardine hin und her. Dies alles zusammen versetzt mich in eine wohl verständliche schlimme Unruhe. Ich krabbele aus meiner Liegestatt und robbe halb unter dieselbige, taste mit vor Furcht zitternden Händen den Boden ab - nichts. Umso unheimlicher wird es mir, denn ich stehe eindeutig einem Feind gegenüber, der weder sichtbar, noch greifbar und demnach so gar nicht einschätzbar ist. Bereits in Schweiß gebadet, trete ich mit einem Stockschirm bewaffnet den Kontrollgang durchs ganze Haus an, vom Keller ins Erdgeschoss und zurück in die erste Etage. Das Dachgeschoss erspare ich mir. Dort wohnen Spinnen.
´Hinter jeder Wand. In jeder Ecke kann das Grauen lauern!`
Prompt umklammere ich den Schirm noch fester, bin aber trotz Todespanik entschlossen, dem Herrn oder der Frau Gespenst mit ihm eines über die Rübe oder Auch-nicht-Rübe zu hauen. Auf Zehenspitzen schleiche ich durch die Räume, schiele in jede noch so winzige Lücke:
´Überall kann er stehen, sitzen, liegen!`
Vor allem die Vorstellung, solch ein vielleicht bluttriefendes Monster könnte aus irgendeinem Zimmerwinkel auf mich zustürzen, verhilft meiner Ohnehin-schon-Gänsehaut zu einem prächtigen Outfit. Leider oder eher zum Glück entdecke ich jedoch nichts. Mir kollern weder Fußfesseln ohne einen vielleicht sonst gruselig stöhnenden, lebhaften Anhang entgegen noch kündigt mir eine Nebelgestalt sämtliche Qualen der Hölle an. Frustriert muss ich mir zugeben, dass an all diesen Vorstellungen allein meine Fantasie die Schuld trägt und ich mich in unserem nur augenscheinlich grölenden, rülpsenden und sonst noch was veranstaltenden Haus total in Sicherheit befinde.
Oder ist es etwa nur an dem, dass sich sämtliche Gespenster bei meinem Anblick, diesem Regenschirmsoldaten mit dem wachsbleichen Gesicht, gewandet in ein fast noch weißeres Nachthemd und angetan mit neongrünen Filzpantoffeln, vor Entsettzen schlell verdünnisiert haben ??