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Nie mehr einsam

Von tastifix gestern, 17:03 – geändert gestern, 17:04

Hoppel, der junge Hase, war gerade erst etwachsen.
"Brr, ist das kalt!"
Ihn fröstelte es. Mürrisch guckte der Hase ringsumher über seine große, an einen Wald angrenzende Wiese und dann hinauf zu den Bäumen. Auf den Pflanzen am Boden und genauso über den Zweigen in der Höh` lag ein hauchdünner, im gleißenden Sonnenlicht strahlend weißer, glitzernder Schleier.
„Richtiger Schnee ist das aber nicht, eigenartig!“
Pfiffig, wie er war, sagte sich Hoppel:
"Gestern war alles klitschnass und nachts dann bitter kalt. All die Wassertropfen sind zu Eis geworden."

Damit ihm die Pfoten nicht abfroren, sprang Hoppel in extra weiten Sprüngen kreuz und quer über die Wiese und danach zu seinem Lieblingsbaum am Waldesrand. Der hatte ihn während des heißen Sommers mit seiner prächtigen Laubkrone vor der sengenden Sonne geschützt. Um ein wenig zu verschnaufen, lehnte sich Hoppel gegen den Stamm.
„Selbst das Rumhopsen ist langweilig so alleine!“, seufzte er.

Da vernahm er eine zarte Stimme. Die klang so hell wie eine Glocke.
„He, Du da unten!“
Hoppel spitzte die Löffel und schaute neugierig umher. Jedoch entdeckte er niemanden. Schon wollte er die Suche aufgeben, als er zufällig auf einen Zweig guckte, der direkt über seinem Kopf hing.
„Dort bewegt sich etwas!“
Aufgeregt trommelte Hoppel mit den Pfoten auf dem Boden herum.
„Halloo! Hier bin ich. Ich sitz` vorne an der Zweigspitze. - Siehst Du mich jetzt?“
Der Hase guckte genauer hin und erspähte ein winziges Etwas, das im leichten Wind ein wenig hin- und her schaukelte.Es war genauso weiß wie das Weiß überall ringsherum.

„Überrascht, wiiee?“
„Bist Du etwa ein Eiskristall?“
„Erraten! Und Du ein Hase, ja?“
„Stimmt, ich wohne hier auf dieser Wiese! - Hast Du eigentlich einen Namen?“
„Ich werd` Blinky gerufen.“
„Und ich heiße Hoppel.“
„Und was tust dDu so den ganzen Tag?“
„Das ist es ja gerade. Ein Raureifkristall zu sein ist schrecklich langweilig!“, jammerte Blinky. „Immer nur an einer Stelle zu sitzen und weiter gar nichts machen zu können ...“
„Hm!“, machte Hoppel. „Hier unten ohne Spielkameraden herum zu laufen, ist genauso blöd!“

Blinky musterte Hoppel. Der blickte nachdenklich zurück. Plötzlich fiel dem Hasen etwas Tolles ein:
„Blinky, ich weiß was. Au ja, das wird spannend!“
„Was denn?“
„Wir wandern gemeinsam in die Welt hinaus!“
„Kannste vergessen, Hoppel. Ich kann hier nicht weg!“
„Das denkst` aber nur Du!“
Der Hase strich mit der Schnute über die Zweigspitze und im nächsten Moment saß das Eiskristall in Hoppels Fell und fror sofort an einem der Fellhaare fest.
„Klirr, ist das toll. Endlich mal runter von dem doofen Ast!“

Die zwei überlegten, wohin die Reise gehen sollte. Alle warmen Gegenden kamen nicht in Frage, denn dort wäre Blinky sofort geschmolzen. Also machten sie sich auf den langen Marsch ins Gebirge. Nun kannte Blinky bisher ja nur Hoppels Wiese und die umstehenden Bäume. Deshalb fragte es während der stundenlangen Wanderung den Hasen regelrechte Löcher in den Bauch.
„Was ist das? Was kann man damit machen?“

Je höher sie kamen, umso wohler fühlte sich das Eiskristall und umso mehr glitzerte es deshalb. Hoppel erzählte dem staunenden Blinky von seinen Abenteuern als Hasenkind, als er noch bei seinen Eltern und Geschwistern gelebt hatte. Darunter war auch viel Lustiges und die Zwei kicherten laut.
Bald schlängelte sich der Wanderweg steil am Berg entlang und es wurde noch kälter als unten auf Hoppels Wiese.
„Hoffentlich haben wir`s bald hinter uns!“, schnaufte Hoppel.
Sie bogen noch um eine Kurve und fanden sich auf einer Lichtung wieder. In ihrer Mitte lag ein kleiner See, in dem nun winzige Eisschollen schwammen. Weiter oben an den Abhängen wuchsen ringsum Büsche und einige Tannen.
„Hier gefällt`s mir!“, meinte Hoppel.

„Aber bald wird es Frühling und wärmer. Was wird dann aus mir?“, fragte Blinky bange.
„Keine Angst!“, lachte Hoppel. „Wir klettern noch bis zu den Büschen droben. Dort liegt immer Schnee und wir finden bestimmt einen gemütlichen Platz für Dich."
Dieser Vorschlag gefiel Blinky. Aber nach wenigen Minuten klirrte es traurig:
„Ohne Dich werde ich mich wieder sehr allein fühlen!“
Hoppel blickte Blinky lieb an:
„Nein, wirst Du nicht! Ich lass` Dich doch nicht im Stich, sondern werd` Dich jeden Tag besuchen!“
Das Eiskristall strahlte.

Auf Blinky wartete ein glückliches Dasein im ewigen Eis und Hoppel durfte sogar einen eigenen See sein Eigen nennen.
Und sie hatten sich, denn sie waren Freunde geworden. Beide würden sie nie mehr einsam sein.

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