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Pappkartons und eine tote, untote Oma (4)

Von tastifix Mittwoch 30.10.2024, 08:53 – geändert Mittwoch 30.10.2024, 19:33

Blendender Laune setzte Oma sich zu den Freundinnen an den Tisch.
"Dieser Heiligenschein über der Tasse passt wirklich umwerfend gut zu meinem eigenen!“, freute sich Amalie entzückt.
„Und erst die Torte, meine Liebe! Köstlich!“
Der Appetit der Geisteromarunde war beachtlich. Binnen weniger Minuten war das bewundernswerte Ergebnis der himmlischen großmütterlichen Backkunst verschwunden.
„Und diese knackigen Gewürzdosennüsse. Ich hätte mich ja tot daran futtern können!“, schwärmte Minna, die sonst die Stillste der Fünf war.
„Hätteste gar nicht gemusst, bist Du ja schon!"
Sie kicherten ausgelassen, tauschten den neuesten Himmelstratsch aus und fanden dabei kein Ende.

In einer kurzen Schnatter-Atempause erinnerte sich Oma Otilie des Grundes der nächtlichen Zusammenkunft:
„Kinder, schon halb Eins! Los, jetzt wird gearbeitet!“
„Wie bitte??“, meinte K. konstaniert.
„Mach` Dir keine Sorgen, Kind! Deine Wohnung wird himmlisch werden!“
Amalie verschwand in die Küche, Esmeralda, Tusnelda, Minna samt Oma huschten ins Wohnzimmer. K. befürchtete das Schlimmste, denn aus der Küche und noch lauter aus dem Wohnzimmer schepperte und klirrte es fürchterlich.
„Oma, was macht Ihr da!!?“
„Kind, aufräumen und vernünftig sortieren. Dieses Chaos auf Deinem CD-Regal ... Tz, tz!“
Sauer flitzte K. ins Wohnzimmer. Die meisten CDs stapelten sich in irrem Wirrwarr auf dem Teppich. Statt ihrer reihten sich in den Fächern Himmelschor- sowie Trompetenkonzert-CDs ordentlich nebeneinander. Aufgelockert wurde das Ganze durch kitschige Engelsfiguren und auch Heiligenbilder,
„Hiilfe!“, japste K..
„Sind ja bereits dabei!“, tröstete Oma.
„Und haben schon fast das Meiste geschafft!“, erklärte Esmaralda.
Währenddessen widmete sich Amalie deutlich vernehmbar in der Küche immer noch einigen Umräumarbeiten in den diversen Schubläden, was K. endgültig rasend machte:
„Spinnt Ihr? Dies ist meine Wohnung!!“
„Nicht in diesem Ton! Du wirst uns noch dankbar dafür sein!“, belehrte diese sie. „So, gleich fertig. Sieht jetzt ganz anders aus!“
„Abaa ...“
„Nix aber!“, warf Oma energisch ein, schanappte sich ihre Enkelin, schob sie aus der Küche, genauso energisch gen Schlafzimmer und murmelte ein paar geheimnisvolle Worte vor sich hin. Es klang ähnlich wie:
„Hex, hex, Kartoffelbrei!“
„Quatsch! Oma ist nicht die kleine Hexe und Walpurgisnacht haben wir auch nicht!“
Soviel jedenfalls war ihr in all dem Unklaren noch klar - immerhin.

„Na, cool, nüch?”
Mit dem Schlimmsten rechnend, blickte K. sich um. All die Nippes in den Ecken regten sie schon nicht mehr auf, auch nicht die Bettwäsche, obwohl ... Oma hatte gründliche Arbeit geleistet und die Sting-Bezüge gegen wahrlich aparte Ausgaben ausgetauscht. Sowohl auf dem Kopfkissen als auch auf der Decke prangte ein Gruppenbild mit selbstverständlich nicht nur einer Dame, sondern gleich fünf davon.

K. vermochte es keinesfalls zu besänftigen, dass vor allem ihre Oma darauf ausgesprochen gut getroffen war. Doch die wohlformulierte Wutrede blieb ihr im Hals stecken, sie hatte das große Sting-Plakat über dem Bett gemustert. Den Rahmen für Stings Konterfei bildeten Kerzen tragende Engel.
´Darf doch nicht wahr sein!!`
Was sie aber denn dagegen echt begeisterte, war Sting selber. Auf seinem Gesicht lag ein seliges Lächeln und es passte hervorragend zu dem riesigen Heiligenschein über seinem Kopf.
„Woow!!“
Prompt landete K. im sechsten Sting-Himmel.
„Super, nüch!?“
„Ach, Oma, einfach himmlisch!!“
Fasziniert betrachtete sie das Bild genauer. Tja, und dabei fiel ihr leider etwas auf: Ähnlich wie Omas Heiligenschein zuvor glänzte auch Stings nur schwach und schien eher etwas angegraut. K. ertrug es nicht und brauste auf:
„Wieso das denn? Geht ja wohl gar nicht!!““
„Man darf es mit der Schwärmerei nicht übertreiben. Menschen sind nämlich keine Engel. Er auch nicht!!“
K.`s Verehrung für ihre Oma erlitt einen erheblichen Knacks.

Vom Kirchturm schlug es 1Uhr.
„Rasch, wir müssen zurück!“, drängte Oma.
Die fünf Freundinnen rafften ihre Gewänder, kontrollierten hastig den ordnungsgemäßen Sitz der Heiligenscheine und strichen K. zum Abschied liebevoll übers Haar - als Letzte dann Oma..
„Den Rest erledigen wir noch!“, meinte sie fröhlich.
„Soll das etwa heißen, dass Ihr morgen ... !?“
Oma überhörte es geflissentlich.
„Tschüss, Kind und grüß` zuhause!“
Und schon war die himmlische Truppe fort.

Völlig aufgewühlt torkelte K. ins Bett, erinnerte sich an ´Wenn was ist, ruf an!` und griff zum Telefon:
„Mama, O..Oma war ge..gerade hier. Ich s..soll oll Euch grüßen ... “

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